Österreichs Bauwirtschaft blickt auf eine harte Phase zurück; das reale Bauvolumen hat seit dem Höchststand 2021 spürbar verloren. Zwar stabilisiert sich der Markt allmählich, eine echte, dynamische Trendwende lässt jedoch auf sich warten“, betont Martin Hubmayer, Verkaufsleiter bei Kuhn Baumaschinen. Gerade die Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungs-Verordnung (KIM) habe den privaten Wohnungsneubau massiv ausgebremst, dies würden unter anderem natürlich auch Kompaktmaschinen-Händler direkt spüren.

Zudem komme eine „extreme Konsolidierung im Mietmarkt“. Der österreichische Baumaschinenmarkt ist traditionell stark durch große, flächendeckende Vermieter und Händler (wie beispielsweise HKL, Zeppelin, Kuhn oder Wacker Neuson) geprägt. „Da österreichische Bauunternehmen, vom KMU-Baumeister bis zum Großkonzern liquiditätsschonend agieren müssen, ist die Mietquote bei Kompaktmaschinen auf historische Höchststände geklettert.“ Überdies zeige sich eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ bei Inves­titionen. „Während der Hochbau stagniert, stützen geförderte Sanierungsprojekte sowie die Infra­struktur den Absatz. Maschinen werden nur dort neu angeschafft, wo diese Sparten bedient werden.“

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Kund*innen prüfen sorgfältiger

„Der Markt sorgt derzeit vor allem dafür, dass Kunden genauer hinschauen. Die Nachfrage nach Kompaktmaschinen ist noch da, aber Investitionen werden sorgfältiger geprüft. Unternehmen achten stärker auf die Gesamtbetriebskosten, die Auslastung und den Zeitpunkt der Anschaffung“, verweist auch Darko Pehar, Regional Sales Director DACH bei Bobcat, auf das krisengeprägte Marktumfeld. „Gleichzeitig sehen wir 2026 keinen grundlegenden Bruch mit dem längerfristigen Markttrend. Die Entwicklung ist je nach Maschinenklasse und Land unterschiedlich, insgesamt bleibt die Nachfrage aber stabil. In der DACH Region entwickeln sich mehrere wichtige Segmente positiv. Für Österreich sind wir bei der Bewertung etwas vorsichtiger. Der Markt zeigt noch keine breite Erholung, einzelne Bereiche entwickeln sich aber durchaus stabil. Gefragt seien vor allem Maschinen, die sich für unterschiedliche Aufgaben einsetzen lassen. „Kompakte Abmessungen, ein breites Angebot an Anbaugeräten, eine gute Verfügbarkeit und eine einfache Wartung spielen dabei eine wichtige Rolle. Damit können Unternehmen ihre Maschinen besser auslasten und die Investition wirtschaftlich sinnvoll nutzen.“

Zu den derzeit wachstumsstärksten Kategorien zählen Pehar zufolge Teleskoplader, Kompakt-Raupenlader und Minibagger. „In einigen dieser Segmente sehen wir ein zweistelliges Wachstum, während sich die Nachfrage in anderen Bereichen eher stabil entwickelt. Für Österreich lässt sich dieses Bild nicht vollständig übertragen. Dort entwickelt sich die Nachfrage je nach Segment unterschiedlich, insgesamt bleibt der Markt aber auf solidem Niveau.“

Multitalente gefragt

Kund*innen würden aktuell Lösungen suchen, die unterschiedliche Aufgaben abdecken, mit mehreren Anbaugeräten arbeiten und unter wechselnden Bedingungen auf der Baustelle produktiv bleiben. „Kompakt-Raupenlader verbinden zum Beispiel hohe Zugkraft und Hubleistung mit der Möglichkeit, eine große Zahl an Anbaugeräten einzusetzen. Minibagger sind vor allem im Infrastrukturbau, im Garten- und Landschaftsbau sowie bei innerstädtischen Projekten unverzichtbar.“

Das Zusammenspiel von Maschine, Werkzeug und Bediener*in wird immer wichtiger, die Grundlage dafür bildet die optimierte Kabine. © Bobcat

Besonders im Umfeld des Breitbandausbaus seien Minibagger gefragt, unterstreicht Hubmayer: „Österreich hinkt beim Glasfaserausbau im europäischen Vergleich teilweise noch hinterher, weshalb der ‚Breitband-Milliarde‘-geförderte Netzausbau im ländlichen und urbanen Raum ein massiver Treiber für Micro- und Minibagger ist.“ Zudem komme das „Wiener Phänomen“ bei E-Maschinen. „Im urbanen Raum forcieren die Auftraggeber (Stadt Wien, Bundesimmobiliengesellschaft BIG, Anm.d.Red.) die Kriterien für emissionsfreie und lärmarme Baustellen.“ Dadurch wachse das Segment elektrischer Kompaktbagger und E-Radlader „im Osten Österreichs überproportional schnell“. Gleichzeitig schreitet auch die technische Entwicklung enorm voran, im Zuge dessen verändern Assistenzsysteme, digitale Steuerungen, Telematik und die Kommunikation zwischen Maschine und Anbaugerät die tägliche Arbeit. Am dynamischsten entwickeln sich drei Bereiche. Batterieelektrische Kompaktmaschinen sind in den vergangenen Jahren aus der Nische in die Serienfertigung entwachsen, nahezu alle großen Hersteller bieten inzwischen elektrifizierte Minibagger, Kompaktlader und Radlader an. Treiber sind vor allem strengere Emissionsauflagen in Innenstädten, der Wunsch nach lärmarmen Maschinen für Nachtbaustellen oder sensible Umgebungen wie Pflegeeinrichtungen sowie sinkende Batteriekosten.

Zweitens wächst der Bereich der Minibagger weiter kontinuierlich, weil diese auf engen innerstädtischen Baustellen, im Leitungs- und Kanalbau sowie im Garten- und Landschaftsbau praktisch alternativlos sind. Mit weltweit mehreren Hunderttausend verkauften Einheiten pro Jahr bleibt er die mit Abstand meistverkaufte Maschinenklasse im Kompaktsegment. Drittens gewinnen Kompaktraupenlader an Bedeutung, weil sie auf unebenem oder feuchtem Gelände eine bessere Traktion und Stabilität bieten als klassische Radlader.

Telematik auf dem Vormarsch

Ein weiterer, eher struktureller Wachstumstreiber ist die Telematik: Marktbeobachtungen zufolge waren bereits 2023 weltweit mehr als 68.000 Kompaktmaschinen mit Telematiksystemen ausgestattet, Tendenz seither deutlich steigend. Für Vermieter und größere Bauunternehmen wird die Fernüberwachung von Standort, Betriebsstunden und Wartungsbedarf zunehmend zum Standard – und damit auch zu einem Kaufkriterium, welches kleinere Hersteller ohne eigene digitale Plattform unter Druck setzt.

Die Kompaktmaschine wird mittlerweile weniger als isoliertes Arbeitsgerät, denn vielmehr als ein System aus Grundmaschine, Hydraulik, Schnellwechsler, Anbaugerät, Sensorik und Software verstanden. Ein Beispiel dafür liefert etwa Liebherr mit dem automatischen Schnellwechselsystem „Likufix“. Damit können mechanische und hydraulische Anbauwerkzeuge aus der Kabine heraus gewechselt werden. Bei den entsprechenden Maschinen kann der Werkzeugwechsel damit durchgeführt werden, ohne dass Bediener*innen die Kabine verlassen müssen.

Kompaktmaschinen sind auf engen innerstädtischen Baustellen, im Leitungs- und Kanalbau sowie im Garten- und Landschaftsbau praktisch alternativlos. © Wacker Neuson

Der Vorteil derartiger Systeme liegt in den eingesparten Arbeitsschritten. Wenn während eines Arbeitstages häufig zwischen unterschiedlichen Werkzeugen gewechselt werden muss, kann mittels Schnellwechselsystems die Rüstzeiten reduziert und gleichzeitig der Werkzeugwechsel sicherer gestaltet werden.

Digitale Unterstützung für Fahrer*innen

Zudem können Assistenzsysteme einen Teil der Erfahrung digital abbilden und für höhere Sicherheit sorgen. Erfahrene Maschinenführer*innen benötigen für bestimmte Aufgaben weniger Unterstützung als unerfahrene. Ein Assistenzsystem kann diesen Unterschied zwar nicht vollständig ausgleichen, aber es kann bei bestimmten Arbeitsschritten Hilfestellung leisten. So unterstützt Huppenkothen Fahrer*innen beispielsweise mit „HuppLimit“ und „HuppView“. Ersteres begrenzt Hub- und Schwenkbewegungen, letzteres unterstützt Fahrer*innen bei der Kontrolle der Werkzeugposition.

Das Zusammenspiel von Maschine, passendem Werkzeug und dazugehöriger Software wird dabei immer wichtiger. „Die Bedienung entwickelt sich von einer rein manuellen Steuerung hin zu einem besseren Zusammenspiel von Bediener*in, Maschine und Anbaugerät. Ziel ist es, den Konfigurationsaufwand zu verringern, wiederkehrende Handgriffe zu vereinfachen und Bediener*innen auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren“, unterstreicht Pehar.

„Der Joystick bleibt dabei das wichtigste Bedienelement. Bei den Kompakt-Radladern ‚L85‘ und ‚L100‘ lassen sich bis zu vier Anbaugerätefunktionen direkt über den Joystick steuern. Bediener*innen müssen die Hand nicht vom zentralen Bedienelement nehmen. Über das Farbdisplay lassen sich außerdem Maschinenparameter wie das Ansprechverhalten beim Fahren und die Arbeitsgeschwindigkeit einstellen.“

Erkenne die Maschine ein angeschlossenes Bobcat-Anbaugerät, übernehme sie automatisch die passende Tastenbelegung und Bedienung. „Das spart Zeit, verhindert unnötige Unterbrechungen und sorgt für einen flüssigeren Arbeitsablauf.“

Je stärker die Maschinen allerdings vernetzt sind, desto wichtiger werden die Themen Cybersicherheit und verantwortungsvoller Umgang mit Daten seitens der Kund*innen. „Kund*innen wollen die Vorteile der Vernetzung nutzen – etwa einen besseren Überblick über ihre Flotte, Ferndiagnosen, eine vorausschauende Wartung, Geofencing oder Diebstahlschutz. Gleichzeitig müssen sie darauf vertrauen können, dass Daten und digitale Zugänge sicher verwaltet werden“, erläutert Pehar.