Der Rückbau von Gebäuden und anderen Bauwerken gehört zu den technisch anspruchsvolleren Disziplinen im Bauwesen. Zu den Herausforderungen zählen dabei unter anderem enge innerstädtische Baustellen, komplexe Bestandsstrukturen und steigende Anforderungen an Sicherheit und Umweltverträglichkeit. Abbruchtechnik ist heute längst mehr als nur leistungsstarke Hydraulik, Themen wie Automatisierung, Digitalisierung und alternative Antriebe prägen die Maschinen und Geräte für den Abbruch zunehmend stärker.
Wenig Wunder also, dass Hersteller und Systemanbieter ihr Engagement verstärkt in intelligente Maschinen, datenbasierte Betriebsführung und spezialisierte Anbaugeräte verschieben. Unternehmen wie Brokk, Huppenkothen, Husqvarna, Kuhn Baumaschinen, Wimmer Hartstahl und Zeppelin treiben diese Entwicklungen auch in Österreich an, besonders spezialisierte Abbruchmaschinen, alternative Antriebskonzepte, datenbasierte Flottensteuerung sowie Assistenzsysteme zur Verbesserung der Arbeitssicherheit stehen dabei im Fokus.
Vor rund zehn Jahren galten ferngesteuerte Abbruchroboter beispielsweise noch als Spezialwerkzeug für Extremsituationen. Heute stehen selbige auf immer mehr heimischen Baustellen – im Kellergeschoss eines Gründerzeithauses in Wien genauso wie im Tunnel einer alpinen Infrastrukturmaßnahme. Der Grund dafür ist schnell gefunden – Fachkräftemangel und verschärfte Arbeitsschutzvorschriften machen den Einsatz menschlicher Arbeitskraft in staubbelasteten, labilen oder engen Umgebungen zunehmend schwierig. Die elektrisch betriebenen Abbruchroboter hingegen sind kompakt gebaut, können nicht selten durch Türen oder schmale Zugänge fahren und werden per Fernsteuerung bedient. Dadurch lassen sich Abbrucharbeiten auch in engen oder sicherheitskritischen Bereichen durchführen, ohne dass sich Bedienpersonal in der unmittelbaren Gefahrenzone aufhalten muss.
Leistungsstarke Roboter
Auf der Fachmesse „bauma 2025“ zeigten verschiedenste Hersteller, wie weit die Entwicklung inzwischen gediehen ist. Brokk präsentierte beispielsweise mit dem „Brokk 130+“ einen leistungsstarken Abbruchroboter, der die Grenzen der Abbruchleistung neu definieren soll. „Mit dem Brokk 130+ heben wir Abbruchleistung und Effizienz auf die nächste Stufe“, betonte Martin Krupicka, CEO der Brokk Gruppe, anlässlich der Markteinführung. „Durch die Überarbeitung des Antriebsstrangs und die Einführung eines brandneuen Brechers haben wir einen Roboter entwickelt, der eine größere Schlagkraft, eine höhere Schlagfrequenz und eine unübertroffene Leistung bietet – und das alles, ohne seine Größe zu erhöhen. Dies ist ein bedeutender Sprung nach vorn in den Möglichkeiten des ferngesteuerten Abbruchs.“
Wichtiger Grundpfeiler des Systems ist dabei die „SmartPower+“-Plattform des Herstellers, das System reduziere die Zahl der Kabel und Steckverbinder um 87 Prozent, überwacht kontinuierlich den Maschinenzustand und warnt Bediener*innen aktiv vor drohenden Ausfällen. Alle Roboter und Bedienboxen der Generation seien nach IP65 gegen Staub und Wasser geschützt – für Innenraumabbrüche unter Nässeeinwirkung ein wesentlicher Vorteil, wie der Hersteller erläutert.
Husqvarna Construction erweiterte in den letzten Jahren wiederum die hauseigene „DXR“-Abbruchroboter-Serie. Das 2024 vorgestellte Modell „DXR 95“ ist mit 589 kg das leichteste der Reihe und passt laut dem Hersteller durch kompakte Abmessungen in einen normalen Lieferwagen. Der Antriebsstrang des Roboters verfügt über 9,8 kW Leistung und 250 bar Druck an das Werkzeug, bei einer Steigfähigkeit von bis zu 30 Prozent. Ein digitales Wärmemanagement mit Überwachung des Ölrücklauffilters verhindere zudem Überhitzung und damit ungeplante Stillstände.
Zeppelin und Caterpillar präsentierten auf der Fachmesse wiederum den „Cat 330 UHD“, ein Abbruchbagger, der Gebäude bis zu 20 Meter Höhe bearbeiten kann. Der Ausleger erlaube dabei Anbaugeräte bis 3,3 Tonnen. „Caterpillar hat den 330 UHD so konstruiert, dass er den anspruchsvollen Abbruch-Anforderungen von hohen Bauwerken problemlos gewachsen ist“, erklärte Vincent Migeotte, Senior Product und Sales Consultant bei Caterpillar, im Rahmen der Produktpräsentation. Ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung war demnach die Transportbreite. Zur Auswahl stünden laut dem Consultant zwei Fahrwerkstypen – ein langer, schmaler Unterwagen auf Basis des Grundrahmens des Cat Kettenbaggers 330 der nächsten Generation. Dadurch werde die Mobilität der Maschine innerhalb der kritischen Transportbreite von drei Metern sichergestellt. Weil das Gesamtgewicht von unter 40 Tonnen erhalten blieb, wurde auch hier die Obergrenze für den Transport nicht überschritten. „Die Maschine lässt sich schnell und einfach umrüsten, sodass die Betreiber den maximalen Nutzen aus der Maschine ziehen können, indem sie diese für allgemeine Bauarbeiten einsetzen, wenn sie nicht für Abbrucharbeiten benötigt wird.“ Zudem komme eine TOPS-zertifizierte, kippbare Kabine, die eine P5A-Verbundverglasung aufweise und sich um 30 Grad nach oben neigen lasse.
Umdenken bei den Herstellern
Mittlerweile entwickeln aber auch zunehmend mehr Hersteller klassischer Baumaschinen spezialisierte Abbruchbagger. Anbieter wie Kuhn Baumaschinen setzen dabei auf modulare Maschinenkonzepte mit Hochabrissauslegern, verstärkten Unterwagen oder speziellen Schutzsystemen für Kabinen und Hydraulikkomponenten. Diese Maschinen sind vor allem bei großvolumigen Rückbauprojekten gefragt. Neben den Trägergeräten spielen daher Anbaugeräte heute eine zentrale Rolle für Effizienz und Präzision im Abbruch. Abbruchscheren, Pulverisierer oder Sortiergreifer ermöglichen eine deutlich gezieltere Materialtrennung als noch vor wenigen Jahren.
Kinshofer hat beispielsweise unlängst seine Abbruch- und Sortiergreifer der „D“-Serie überarbeitet. Die Greifer bis neun Tonnen erhielten im Rahmen dessen beispielsweise einen zehn-Tonnen-Drehmotor (bei Modellen bis sechs Tonnen) beziehungsweise einen 15-Tonnen-Drehmotor (bis neun Tonnen). Für schwere Abbrucheinsätze stehen zudem Kinshofer-Greifer bis 80 Tonnen zur Verfügung. Die Heavy-Duty-Ausführungen ab dem Modell D32 verfügen standardmäßig über zwei Drehmotoren. Bei Winkelbauer stand zuletzt wiederum das Schnellwechselsystem „pinkquick“ im Mittelpunkt des Engagements. Das vollhydraulische System für Baggerklassen von 3,5 bis 18 Tonnen ermöglicht dem Hersteller zufolge den Wechsel von Anbaugeräten innerhalb von Sekunden, sei wartungsarm und verfüge über keine Schmierstellen. Baggerausrüstungen aus Sonderverschleißstahl liefert indes Wimmer Hartstahl. Die Kernprodukte reichen dabei von Baggergreifern und Schnellwechselsystemen über Hydraulikhämmer bis hin zu Tunnelvortriebsgeräten. Grundlegend sei dabei der Einsatz des hauseigenen „WHD 450“ Sonderverschleißstahls, der laut dem Hersteller besonders lange Standzeiten und niedrige Wartungsintervalle gewährleiste.
Neben der mechanischen Weiterentwicklung rückte in den letzten Jahren auch die Reduktion von Emissionen zunehmend in den Fokus. Elektrisch betriebene Geräte sind im Abbruch allerdings schon seit geraumer Zeit weit verbreitet, gerade kleinere Maschinen und Abbruchroboter laufen seit Jahren auf elektrischer Basis. Der Grund dafür ist schnell gefunden – elektrische Systeme ermöglichen einen nahezu abgasfreien Betrieb und reduzieren gleichzeitig die Lärmemissionen auf der Baustelle. Dementsprechend entwickeln Unternehmen wie Husqvarna schon lange elektrisch betriebene Geräte für Schneid-, Bohr- und Abbrucharbeiten.
Probleme vorausschauend lösen
Ein weiterer Faktor, der die Entwicklung in den letzten Jahren massiv angetrieben hat, ist die Digitalisierung von Geräten und Prozessen. Baumaschinen sind mittlerweile häufig Teil digitaler Plattformen, die Betriebsdaten erfassen und analysieren. Dabei liefern etwa Telematiksysteme tiefgehende Informationen über Auslastung, Kraftstoffverbrauch, Maschinenlaufzeiten oder Wartungsintervalle. Für Bauunternehmen eröffnen sich dadurch vielversprechende Möglichkeiten im Flottenmanagement. Durchdacht eingesetzt, können Maschinen effizienter eingesetzt, Wartungen besser geplant und Stillstände reduziert werden. Allerdings sind derartige Systeme für Kunden ein zweischneidiges Schwert. Einerseits schaffen sie Transparenz und ermöglichen vorausschauende Wartung, andererseits setzen sie voraus, dass im Betrieb die Kompetenzen aufgebaut werden, mit diesen Daten umzugehen. Kuhn Baumaschinen beispielsweise integriert Telematiksysteme bereits seit geraumer Zeit in sein Maschinenportfolio, etwa in Verbindung mit Hydraulikhämmern und unterstützt Kund*innen beim Aufbau eines praxistauglichen Flottenmanagements.
Auch andere Systemanbieter, wie etwa Huppenkothen oder Zeppelin, integrieren derartige digitale Services zunehmend in die eigenen Maschinenangebote. Die kontinuierliche Datenerfassung bildet dabei auch die Grundlage für vorausschauende Wartungskonzepte, sogenannte Predictive-Maintenance-Systeme. Daneben gewinnt auch die digitale Projektplanung verstärkt an Bedeutung. Digitale Gebäudemodelle oder Building Information Management-basierte Planungsprozesse ermöglichen es heute, Abbruchabläufe bereits im Vorfeld detailliert zu analysieren. Unternehmen wie LST beschäftigen sich beispielsweise mit spezialisierten Rückbauverfahren für komplexe Bauwerke oder Industrieanlagen, bei denen präzise Planung und kontrollierte Rückbauprozesse entscheidend sind.
Und auch die Sicherheit spielt nach wie vor eine wichtige Rolle im Abbruch, da die entsprechenden Maschinen häufig unter hohen Lasten und in unmittelbarer Nähe bestehender Bauwerke oder Infrastruktur arbeiten. Assistenzsysteme sollen hier helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen etwa Stabilitätsüberwachungssysteme, Kollisionswarnungen oder kamerabasierte Umfeldüberwachung. Dafür erfassen verschiedene Sensoren kontinuierlich Betriebsdaten wie Hydraulikdruck, Auslegerposition oder Maschinenneigung. Huppenkothen hat in seinem Produktportfolio mit „HUPPTronic“ beispielsweise Assistenzsysteme integriert, die Bedienfehler reduzieren und die Einweisung erleichtern sollen.
Weblinks
www.brokk.com
www.huppenkothen.at
www.husqvarna.com
www.kinshofer.com
www.kuhn.at
www.lst-austria.at
www.winkelbauer.com
www.zeppelin.com
Nachgefragt bei: Dominik Dam, Zeppelin
Die Abbruchtechnik wird zunehmend digitaler und automatisierter. Zwar stehen vollständig autonome Abbruchmaschinen noch am Anfang der Entwicklung, einzelne Funktionen wie etwa Assistenzsysteme oder automatisierte Maschinenbewegungen sind bereits heute verfügbar. Die Bauzeitung hat bei Dominik Dam, Leiter Neumaschinen & Produktentwicklung bei Zeppelin Österreich, nachgefragt, wohin die Reise im Rahmen der Digitalisierung geht.
Bauzeitung: Welche technologischen Neuerungen bei Abbruchmaschinen (Bagger, Spezialgeräte etc.) halten Sie derzeit für bahnbrechend?
Dominik Dam: Das nachrüstbare „Cat Command“ ist eine Innovation, die einen gefahrlosen Betrieb in gefährlichen Einsätzen ermöglicht und für alle Kettenbagger, Dozer, Radlader usw. verfügbar ist.
Welche Rolle spielen Datenanalysen und Sensorik beim Flottenmanagement und bei Planung/Steuerung von Abbruchprojekten?
Ganz wichtig ist das neue „VisionLink“ – es ist ein Profi-Flottenmanagementsystem, konzipiert für eine gesamte Baumaschinen-Flotte – unabhängig von Marke oder Gerätetyp.
Wie entwickelt sich das Thema Maschinensicherheit durch Assistenzsysteme (z. B. Kollisionswarnungen, Stabilitätsüberwachung)?
Die Entwicklung geschieht in Riesenschritten. Wichtige Assistenzsysteme sind die Personenerkennung und bei der Stabilitätsüberwachung die verfügbare Kranfunktion für Bagger.
Daneben ermöglicht das Digitalmodul „HUPPView“ eine visuelle Kontrollunterstützung zur Werkzeugpositionierung. Auch die Fernsteuerung von Maschinen hilft, die Sicherheit zu erhöhen. Gerade bei Arbeiten in einsturzgefährdeten Gebäuden oder Industrieanlagen ermöglicht dies eine räumliche Trennung zwischen Bediener*in und Gefahrenbereich. Ferngesteuerte Abbruchroboter gelten dementsprechend als wichtiger Baustein für sichere Rückbauverfahren. ■