„Die Unsicherheiten sind groß, die Betriebe fahren auf Sicht“, brachte Spartenobmann Manfred Denk die Lage auf den Punkt. Anlass und Schauplatz war die Pressekonferenz seiner WKO Sparte Gewerbe und Handwerk in Wien, bei der auch die aktuellen Konjunkturdaten der KMU Forschung Austria präsentiert wurden. Die Entwicklung werde zwar von einzelnen positiven Signalen begleitet, so Denk, insgesamt überwiege jedoch weiterhin eine vorsichtige Haltung. Viele Unternehmen würden ihre Entscheidungen kurzfristig treffen und größere Schritte vorerst vermeiden.
2025: Rückgänge, aber Abschwächung erkennbar
Die von der KMU Forschung Austria präsentierten Daten zeigten – zunächst in der Rückschau auf das Jahr 2025 – ein schwieriges Umfeld. Der Umsatz ging nominell leicht um 0,6 Prozent zurück. Preisbereinigt ergibt sich ein Minus von 3,3 Prozent. Gleichzeitig ist erkennbar, dass sich der Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren abgeschwächt hat. Besonders deutlich fiel die Entwicklung in den baunahen Bereichen aus. Vor allem Bauhilfsgewerbe, Maler, Dachdecker, Glaser sowie Betriebe im Bereich Sanitär, Heizung und Lüftung verzeichneten reale Rückgänge. Auch das Baugewerbe selbst blieb im Minus, wenngleich weniger stark als andere Bereiche (-3,0 Prozent).
Investitionen bleiben verhalten
Ein zentrales Thema bleibt die Investitionstätigkeit. Im Jahr 2025 tätigten nur 36 Prozent der Betriebe Investitionen. Für das laufende Jahr 2026 planen dies lediglich 34 Prozent. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten war. Christina Enichlmair, Ökonomin bei KMU Forschung Austria in Wien, ordnet dies entsprechend ein: „Es ist ein problematisches Signal, weil es zu sinkender Wettbewerbsfähigkeit führen kann.“ Die Zurückhaltung sei eng mit der allgemeinen Unsicherheit und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbunden.
Die Belastungen auf der Kostenseite bleiben laut den erhobenen Daten der dominierende Faktor. Besonders häufig genannt werden Steuern und Abgaben, gefolgt von Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien sowie hohen Energiekosten. Auch Bürokratie und steigende Arbeitskosten spielen eine wesentliche Rolle. In Punkto Rohstoffpreise verwies Enichlmair darauf, dass ein Teil der aktuellen Entwicklungen (Stichwort: Iran Krieg) in den Daten noch nicht vollständig abgebildet sei. Die Befragung sei vor den jüngsten internationalen Spannungen erfolgt. Welche Auswirkungen diese auf Energiepreise und wirtschaftliche Entwicklung haben werden, lasse sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.

Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ
„Die Unsicherheiten sind groß, und das führt dazu, dass die Betriebe sehr vorsichtig agieren.“
Gemischtes Bild zu Jahresbeginn 2026
Die Entwicklung im ersten Quartal 2026 zeigt ein differenziertes Bild. In einzelnen Branchen kommt es zu deutlichen Zuwächsen. So stieg der Auftragsbestand im Baugewerbe im Vergleich zum Vorjahr um 15,5 Prozent. Auch in Bereichen wie dem chemischen Gewerbe oder der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung wurden Steigerungen verzeichnet. Dem stehen Rückgänge in anderen Branchen gegenüber. Gärtner und Floristen waren unter anderem witterungsbedingt betroffen. Auch im Bereich Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechnik ging der Auftragsbestand deutlich zurück. Hier wirkt sich etwa die geringere Dynamik beim Ausbau der Photovoltaik aus. Insgesamt ergibt sich daraus kein einheitlicher Trend, sondern eine Entwicklung, die je nach Branche unterschiedlich verläuft.

Erwartungen verbessern sich leicht
Für das zweite Quartal 2026 zeigen die Erwartungen der Betriebe eine vorsichtige Verbesserung. Der Saldo liegt bei minus sechs Prozent. Damit überwiegen weiterhin die negativen Einschätzungen, allerdings in geringerem Ausmaß als im Vorjahr. Gleichzeitig erwartet ein großer Teil der Betriebe keine wesentliche Veränderung. Auch bei der Personalplanung zeigt sich eine zurückhaltende Entwicklung. Der Bedarf steigt saisonal, bleibt jedoch deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Viele Betriebe versuchen, ihre Mitarbeitenden auch im Winter zu halten, nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden Fachkräftemangels.

Energie, Preise und Wettbewerb
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Forderungen im Rahmen der Pressekonferenz betraf die Energiepolitik. Manfred Denk sprach sich für eine Entlastung bei der CO₂-Bepreisung sowie für eine breitere Berücksichtigung energieintensiver Betriebe aus. Als Beispiele nannte er unter anderem Bäckereien, Glasverarbeitung oder Wäschereien. Darüber hinaus wird auf internationale Entwicklungen verwiesen. In Deutschland gebe es Maßnahmen zur Entlastung von Betrieben bei Netzentgelten und Stromkosten, die auch für Österreich als Orientierung dienen könnten.
Ein weiterer Punkt betrifft die Preisentwicklung entlang der Lieferketten. Viele Betriebe im Gewerbe und Handwerk sehen sich am Ende dieser Ketten und berichten, dass Kostensteigerungen häufig rasch weitergegeben werden. Gleichzeitig hätten die eigenen Möglichkeiten, Inflation abzupuffern, in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. In diesem Zusammenhang wird von ihm auch eine stärkere Kontrolle des Wettbewerbs gefordert. Ziel sei es, mögliche Verzerrungen oder problematische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
„Der Pessimismus nimmt ab, auch wenn die Einschätzungen insgesamt noch im negativen Bereich liegen.“
Christina Enichlmair, KMU Forschung Austria
Lehrlingsausbildung wird zur Richtungsfrage
Ein zentrales Thema der Pressekonferenz war die Lehrlingsausbildung. Spartenobmann Manfred Denk verwies auf Rückmeldungen aus der Umfrage der KMU Forschung, wonach sich viele Betriebe als Ausbildungsbetriebe zu wenig unterstützt fühlen. Die Lehrlingsförderung sei gedeckelt und bilde die gestiegenen Kosten nur unzureichend ab. In der Praxis bedeute das, dass Betriebe einen immer größeren Anteil selbst tragen müssten. Denk kritisierte, dass seit Jahren eine Lösung gefordert werde, ohne dass es zu einer nachhaltigen Anpassung komme. Damit drohten Fortschritte bei der Aufwertung der Lehre verloren zu gehen. Besonders problematisch sei dies für kleinere Betriebe, die oft nur einen Lehrling ausbilden. Ziehen sie sich einmal zurück, kehren sie vielfach nicht mehr zur Ausbildung zurück.

Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen. Die Zahl der potenziellen Lehrlinge sinkt, gleichzeitig berichten Betriebe von Defiziten bei der Ausbildungsreife in grundlegenden Kompetenzen wie Rechnen, Lesen und Schreiben. Auch steigende Kosten und zusätzlicher bürokratischer Aufwand erschweren die Ausbildung. Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, sprach in diesem Zusammenhang von einer Weggabelung. Ohne Gegenmaßnahmen könnten die Lehrlingszahlen bis 2030 um rund zehn Prozent zurückgehen. Ziel müsse daher eine Steigerung sein. Dafür brauche es bessere Rahmenbedingungen, eine stärkere Positionierung der Lehre im Bildungssystem und die Ansprache neuer Zielgruppen, etwa Frauen, junge Menschen mit Migrationshintergrund oder Umsteigerinnen und Umsteiger.
Deutlich wurde auch die grundsätzliche Dimension des Themas. Gewerbe und Handwerk zählen zu den größten Ausbildern im Land. Wenn Betriebe ihre Ausbildungsleistung reduzieren, hat das unmittelbare Folgen für Fachkräfte, Regionen und ganze Berufsbilder. Manfred Denk stellte abschließend die Frage, welche Alternativen es gebe, wenn Betriebe nicht mehr ausbilden. Lehrwerkstätten könnten das System nur eingeschränkt ersetzen. Die Botschaft der Branche ist klar: Wer heute nicht ausbildet, verschärft den Fachkräftemangel von morgen.
Konjunkturdaten Gewerbe und Handwerk im Überblick
2025
- Umsatz: 143,7 Milliarden Euro
- Nominell: –0,6 %
- Preise: +2,8 %
- Real: –3,3 %
Branchen 2025 (real)
- Bauhilfsgewerbe: –6,7 %
- Maler: –5,4 %
- Dachdecker/Glaser/Spengler: –5,3 %
- SHK: –5,2 %
- Personaldienstleister: –4,9 %
- Baugewerbe: –3,0 %
Investitionen
- 2025: 3,1 Milliarden Euro
- 2024: 3,5 Milliarden Euro
- Investierende Betriebe: 36 %
- 2026 geplant: 34 %
- Ersatz: 56 %
- Erweiterung: 28 %
- Rationalisierung: 16 %
Q1 2026 Auftragsbestand
- Gesamt: –1,7 %
- Chemie/Reinigung: +20,0 %
- Baugewerbe: +15,5 %
- Fliesenleger: +14,0 %
- Maler: +10,7 %
- Gärtner/Floristen: –19,8 %
- Elektro/Kommunikation: –18,0 %
- Kunststoff: –15,7 %
Konsumnahe Branchen Q1
- Steigerungen: 13 %
- Rückgänge: 33 %
- Saldo: –20
Erwartungen Q2 2026
- Steigerungen: 18 %
- Rückgänge: 24 %
- Keine Änderung: 58 %
- Saldo: –6