„Nach einem schwachen Jahresstart hat sich das Geschäft im Frühjahr spürbar belebt. Die geopolitische Lage sorgt allerdings für große Unsicherheit. Viele Unternehmen agieren daher derzeit deutlich vorsichtiger.“ Die Aussage von Andreas Wolf, Geschäftsführer des Bauchemie-Hersteller Mapei in Österreich, steht stellvertretend für die Stimmung am Bau.

Kein Rekordjahr

Kaum jemand hat für 2026 mit einem Rekordjahr gerechnet, aber viele sind doch mit einer leichten Hoffnung auf Besserung in das Jahr gegangen – bis zum Start des Krieges im Iran. „Vorsichtiger Optimismus ist Vorsicht gewichen“, meint ein heimischer Baumeister. So lässt sich auch die Grundstimmung beschreiben, die am Baukongress in Wien im April zu spüren war.

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Der größte Bau-Event des Jahres in Österreich war wieder gut besucht: 2.500 registrierte Teilnehmer*innen, ein ausgebuchter Kongressabend und eine ausverkaufte Ausstellung sprechen für sich – so richtig gute Laune wollte aber nicht aufkommen. „Im Bauwesen führen die aktuellen Unsicherheiten aus dem Irankonflikt zu kaum kalkulierbaren Angebotspreisen“, erläuterte Peter Krammer, Präsident des Veranstalters ÖBV und im Hauptberuf Chef des Swietelsky-Konzerns. „Viele Unternehmen sind gezwungen, erhebliche und schwer abschätzbare Risiken insbesondere bei Festpreisverträgen in ihre Preise einzukalkulieren.“

Wie zu Beginn des Ukraine-Konflikts

Michael Flor, Geschäftsführer von Keller Grundbau, drückte es folgendermaßen aus.
„Wir haben ein schwieriges Jahr bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung erwartet in Österreich. Aber wir sind von stabilen Einkaufsverhältnissen ausgegangen. Wir sind nun in einer ähnlichen Situation wie zu Beginn des Ukraine-Konflikts. Sowohl Einbaustoffe als auch Energie sind unkalkulierbar geworden.“

Ähnliche Sorgen spiegeln die Beurteilung von Philip Ramprecht, technischer Geschäftsführer von Wopfinger Transportbeton, wider: „Wir sind optimistisch ins Jahr gestartet, doch die externen Faktoren bremsen die erwartete Erholung deutlich“, sagte er. „Die Mengen bleiben verhalten, während steigende Preise vor allem die Kostenentwicklung widerspiegeln.“ Und der Wopfinger-Manager ist nicht allein in seiner Branche. „Einige Bereiche entwickeln sich gut, insbesondere im Umfeld von Infrastruktur und öffentlicher Nachfrage. Der Wohnbau bleibt hingegen schwach, und steigende Kosten drücken die Ergebnisse trotz stabiler Umsätze“, konstatierte Anton Glasmaier, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Betonfertigteilwerke.

Prognose schwierig

Die unsichere Lage wirkt sich natürlich auch auf die Schalungs-Anbieter aus.  „Die Prognosen für 2026 sind aufgrund der volatilen Rahmenbedingungen schwierig, dennoch rechnen wir mit leichtem Wachstum. Gleichzeitig steigen Kosten und Unsicherheiten entlang der Lieferketten weiter an“, meinte sein Kollege Peter Radel, Geschäftsführer von Peri Österreich. Ringer-Geschäftsführer Markus Ringer ergänzte: „Die Umsätze steigen zwar deutlich, doch der Preisdruck bleibt hoch und belastet die Erträge. Insgesamt erwarten wir ein Wachstum, aber mit nur moderat positiver Ergebnisentwicklung.“

Differenziert fällt auch die Bewertung von Doka Österreich-Chef Harald Zulehner aus. „Auch wenn der Wohnbau weiterhin schwach ist: Im Infrastrukturbereich sehen wir wichtige Impulse. Kunden vertrauen hier besonders auf unsere langjährige Expertise, technische Kompetenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit“, beschrieb er die Lage.

Langfristige Perspektive

Holcim-Österreich-Chef Haimo Primas plädierte dafür, trotz der aktuellen Probleme, die langfristige Perspektive nicht aus dem Blick zu verlieren: „Die Baukonjunktur bleibt 2026 unter Druck – das war absehbar und bestätigt sich aktuell. Entscheidend ist jetzt nicht das kurzfristige Niveau, sondern die Richtung“, meint er. „Wir treiben die Transformation der Branche aktiv voran und setzen konsequent auf CO₂-reduzierte Lösungen. Denn wenn der Markt wieder anzieht, wird Nachhaltigkeit kein Zusatz mehr sein, sondern Standard.“

Volles Haus im Austria Center: Baukongress 2026.
Volles Haus im Austria Center: Baukongress 2026. © Nadine Studeny