Herr Holzhaider, wie beurteilen Sie aktuell die Lage der Bauwirtschaft in Oberösterreich?

Wolfgang Holzhaider: Im Hochbau erleben wir seit rund zwei Jahren eine Seitwärtsbewegung. Die Situation hat sich weder deutlich verbessert noch verschlechtert. Der Markt bleibt hart umkämpft, weil der frei finanzierte Wohnbau massiv eingebrochen ist. Gleichzeitig ist auch das traditionell starke Segment des Einfamilienhauses deutlich zurückgegangen. Anfang des Jahres gab es zwar erste positive Signale, doch die Krise im Iran verbunden mit Unsicherheiten und steigenden Energiepreisen hat diese Entwicklung wieder gebremst.

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„Das hilft der Bauwirtschaft enorm“

Was hält die Branche derzeit über Wasser?

In Oberösterreich profitieren wir davon, dass das Land weiterhin stark in die öffentliche Infrastruktur investiert. Kindergärten, Schulen und Feuerwehrgebäude sorgen für eine gewisse Grundauslastung der Betriebe. Das hilft der Bauwirtschaft enorm. Allerdings können diese Investitionen den Rückgang im frei finanzierten Wohnbau nicht vollständig kompensieren.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung für den Rest des Jahres?

Das ist schwer vorherzusagen. Derzeit gehe ich davon aus, dass wir auf diesem Niveau bleiben werden. Von einer dynamischen Erholung sind wir noch entfernt.

Eher keine Unterstützung erwarten Sie sich hier aus Brüssel. Sie kritisieren das Vorgehen der EU-Kommission. Warum genau?

Weil hier Entwicklungen stattfinden, deren Tragweite vielen noch gar nicht bewusst ist. Das New European Bauhaus wird von der Europäischen Union seit Jahren massiv gefördert. Im Kern geht es um Renovierung, Kreislaufwirtschaft und die Reduktion von Neubauten. Mir ist erst kürzlich bewusst geworden, wie stark dieser politische Ansatz mittlerweile verankert ist. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bauwirtschaft und vermutlich auch auf die Umsetzung der neuen Gebäuderichtlinie.

Was ist daran so gefährlich?

Ich sehe die Gefahr, dass der Neubau zunehmend erschwert wird. Wenn die politische Zielsetzung lautet, künftig primär zu sanieren und möglichst wenig neu zu bauen, dann bedeutet das einen tiefgreifenden Strukturwandel für unsere Branche. Der Großteil unserer Strukturen ist heute auf Neubau und Ersatzneubau ausgerichtet.

Die EU begründet ihre Vorgaben mit dem Klimaschutz …

… natürlich ist Klimaschutz wichtig. Allerdings stoße ich bei den verwendeten Zahlen immer wieder auf Widersprüche. In europäischen Dokumenten ist von 36 Prozent CO₂-Anteil der Gebäude die Rede. Österreichische Klimaschutzberichte sprechen hingegen von rund 16 Prozent. Gleichzeitig haben wir die Emissionen im Gebäudebereich in den vergangenen zwanzig Jahren bereits massiv reduziert. Deshalb stellt sich die Frage, ob hier tatsächlich vergleichbare Daten verwendet werden. Diese Unschärfen sollten vor weiteren Verschärfungen geklärt werden.

Welche Rolle spielen Sanierungen derzeit bei Ihren Betrieben im Vergleich zum Neubau?

Nach meiner Einschätzung machen Sanierungen etwa 20 Prozent der Bauleistung aus. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Generalsanierungen oft sehr personalintensiv sind. Aufgrund der stark gestiegenen Lohnkosten können umfassende Sanierungen teilweise sogar teurer sein als ein Neubau.

Welche politischen Maßnahmen würden Sie sich wünschen?

Wenn Österreich tatsächlich deutlich bessere Werte als der europäische Durchschnitt erreicht, sollte man darüber nachdenken, bestimmte Vorgaben wie die OIB-Richtlinie 7 vorübergehend auszusetzen, bis andere Länder auf ein vergleichbares Niveau kommen. Es braucht jedenfalls mehr Augenmaß und eine realistische Betrachtung der Ausgangslage.

Ein weiteres heißes Thema, mit dem das Baugewerbe sich derzeit befasst, ist die öffentliche Vergabe von Aufträgen in Österreich. Haben mittelständische Unternehmen hier Nachteile?

Das beobachten wir durchaus. Bei vielen Ausschreibungen werden Referenzen und Anforderungen verlangt, die kleinere und mittlere Unternehmen praktisch ausschließen. Dadurch können manche Betriebe gar nicht erst anbieten.

Steckt dahinter Absicht oder einfach nur Unwissen?

Ob das immer Absicht ist, möchte ich nicht behaupten. Oft sind Juristen an der Ausarbeitung beteiligt, die die praktischen Auswirkungen ihrer Vorgaben möglicherweise nicht ausreichend einschätzen können.

Sprechen wir nochmal über die Lage der Branche: Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche in den kommenden Jahren.

Ich rechne mittelfristig eher nur mit einem leichten Wachstum. Im Infrastrukturbereich läuft es gut, dort wird investiert. Der Hochbau wird hingegen noch länger mit den aktuellen Herausforderungen kämpfen.

Wie könnte die Bundespolitik die Bauwirtschaft unterstützen?

Sie könnte vor allem bessere Rahmenbedingungen für den Wohnbau schaffen. Man könnte damit anfangen, dass die Regelungen der KIM-Verordnung tatsächlich aufgehoben werden. Sie gelten ja in der Praxis nach wie vor als „Empfehlung“ weiter. Zudem soll heuer der sogenannte „Systemrisikopuffer“ für Bauträger-Projekte von 1 auf 3,5 Prozent erhöht werden. Banken müssen also dann zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 3,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva für diese Kredite vorhalten.

Das ist auch nicht gerade förderlich, oder?

Maßnahmen wie die KIM-Verordnung oder zusätzliche Belastungen für Bauträger haben den Markt stark gebremst. Wenn Investoren und Projektentwickler keine Planungssicherheit mehr haben, werden Projekte verschoben oder ganz gestrichen. Genau das erleben wir gerade. In Deutschland hat man den Systemrisikopuffer übrigens deshalb von 2 auf 1 Prozent gesenkt.

Abschließend gefragt: Sind Sie trotz aller Herausforderungen optimistisch?

Ja, durchaus. Die vergangenen Jahre waren schwierig, und viele Veränderungen werden bleiben. Aber die Bauwirtschaft hat schon viele Krisen überstanden. Entscheidend ist, dass wir uns auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen und gleichzeitig den Mut behalten, notwendige Diskussionen offen zu führen. Ich bin überzeugt, dass es auch diesmal weitergehen wird.