„Digital geplant, analog gebaut?“: Unter diesem Titel steht die dritte Ausgabe des „Talk am See“ der Gebäude Installation am 5. November 2026 in der Österreich-Zentrales des Systemherstellers Viega am Attersee. Digitales Bauen ist in aller Munde – in der Praxis klafft jedoch häufig noch eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Entscheidend ist nicht allein die digitale Planung, sondern wie digitale Informationen, Modelle und Anwendungen in der Bauausführung ankommen und von allen Beteiligten genutzt werden. In der Praxis zeigt sich: Digitalisierung kann Bauprozesse deutlich beschleunigen, verlangt aber zugleich mehr Abstimmung, Koordination und Kommunikation – vor allem an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Gewerken.

Mit Blick auf den Attersee: das Österreich-Headquarter von Sytemhersteller Viega.
Mit Blick auf den Attersee: das Österreich-Headquarter von Sytemhersteller Viega. © Viega

Wo geht es schneller?

Der Talk richtet den Blick deshalb bewusst auf die Anwendung: Wo beschleunigen digitale Prozesse Planung und Bauausführung am meisten? Wie kommen Digitalisierung und KI tatsächlich auf der Baustelle an? Was sind die größten Hürden? Mit diesen und weiteren Fragen wird sich eine hochkarätige Runde von Experten, moderiert von Gebäude Installation-Chefredakteur Martin Hehemann, befassen. Mit dabei sind unter anderem: Maximilian Bresler, Consultant Serial Building & Digital Building, Claus Furian, Niederlassungsleitung HKLS Linz beim Gebäudetechnik-Spezialisten EBG und Michael Haugeneder, Geschäftsführer von ATP Sustain, einem Beratungsunternehmen, das sich auf nachhaltiges Bauen spezialisiert hat.

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Maximilian Breser, Viega
Maximilian Breser, Viega © Viega

„Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie konkrete Mehrwerte in der Wertschöpfung schafft und Abläufe effizienter gestaltet.“

„Wenn wir über Geschwindigkeit sprechen, sollten wir zunächst in Anwendungsfällen denken. Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Methoden oder Werkzeuge eingesetzt werden, sondern welcher Prozess verbessert werden soll“, meint Viega-Experte Bresler. „Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie konkrete Mehrwerte in der Wertschöpfung schafft und Abläufe effizienter gestaltet.“

Objektbasierte Planung

Die notwendige Grundlage dafür ist aus seiner Sicht die objektbasierte Planung. „Erst wenn Bauteile als digitale Objekte mit definierten Eigenschaften beschrieben werden, können Informationen über den gesamten Projektverlauf hinweg konsistent genutzt werden. Dadurch entsteht eine gemeinsame Informationsbasis für Planung, Ausführung und Betrieb“, ist Bresler überzeugt. Informationen müssen nicht mehrfach erstellt oder interpretiert werden, sondern können entlang der Wertschöpfungskette weiterverwendet werden.

Aus seiner Erfahrung liegen die größten Potenziale dabei nicht in der vollständigen Digitalisierung aller Prozesse, sondern häufig in der gezielten Optimierung einzelner Teilprozesse. Wird beispielsweise auf einer strukturierten Datenbasis geplant, können darauf Ausschreibung, Fertigung, Logistik, Montage und später auch Betriebsprozesse aufbauen. Bresler: „Jeder vermiedene Medienbruch reduziert Abstimmungsaufwand und verbessert die Qualität der Entscheidungen.“

Ausführung schneller messbar

„Digitale Prozesse beschleunigen eindeutig die Planung“, lautet die klare Aussage von EBG-Niederlassungsleiter Furian. „Dadurch wird auch die Bauausführung messbar schneller.“ Er sieht das besonders dort, wo keine Informationen zwischen Planung und Ausführung verloren gehen oder unbeantwortet bleiben. Durch BIM wird aus seiner Sicht die Planung deutlich beschleunigt, da an gemeinsamen digitalen Gebäude-Modellen gearbeitet wird. So können Kollisionen frühzeitig erkannt und Platz und Raum für HKLS eingeplant werden. „Somit können auch Entscheidungen schneller und mit deutlich geringeren Kosten – da es ja noch nicht gebaut ist – getroffen werden.“

Claus Furian
Claus Furian © EBG

„Digitale Prozesse beschleunigen eindeutig die Planung. Dadurch wird auch die Bauausführung messbar schneller.“

Natürlich sehen die Experten auch Hürden bei der Nutzung von digitalen Tools. „Kleinere Handwerksbetriebe haben oft nicht die Möglichkeit, Mitarbeiter abzustellen, die sich die nötigen Programmkenntnisse neben dem Tagesgeschäft verschaffen“, gibt Furian zu bedenken. Beim Start von Zeichenprogrammen seien beispielsweise oft mehrere zehntausend Euro notwendig, um die Mitarbeiter zu schulen. Er ergänzt: „Kleinere Unternehmen haben oft keine eigene IT-Abteilung und vergeben EDV-Themen extern. Daher fehlt oft das nötige Verbindungswissen über digitales Werkzeug oder Datenplattformen die im ausgeführten Gewerk benötigt werden.“

Deutliche Fortschritte

ATP Sustain-Geschäftsführer Haugeneder ist überzeugt davon, dass digitale Methoden in der Planung „bereits zu einer deutlichen Optimierung vieler Prozesse geführt“ haben. „Abläufe sind heute transparenter, besser steuerbar und können bei Bedarf schneller angepasst werden. Insbesondere beim Datenaustausch, aber auch bei der Bearbeitung von Sonder- und Fachfragestellungen, ermöglichen digitale Prozesse eine wesentlich höhere Effizienz, Nachvollziehbarkeit und Geschwindigkeit“, so Haugeneder.

Michael Haugeneder
Michael Haugeneder © ATP Sustain/Florian Schaller

„Abläufe sind heute transparenter, besser steuerbar und können bei Bedarf schneller angepasst werden.“

Hinsichtlich der Datenqualität für die Ausführung liege die größte Herausforderung häufig nicht mehr in der technischen Verfügbarkeit der Daten, sondern darin, dass erforderliche Informationen nicht rechtzeitig oder nicht vollständig bereitgestellt werden. „Dies betrifft insbesondere die Ausbaugewerke, die Fassade sowie die Technische Gebäudeausrüstung (TGA)“, meint er. „Für diese Bereiche fehlen oftmals die notwendigen und ausreichend detaillierten Informationen, um darauf aufbauend eine wirtschaftliche und terminlich belastbare Werk- und Montageplanung zu erstellen.“

Mehr Qualität

Im Roh- und Baugewerbe sind viele dieser Themen aus seiner Sicht bereits weitgehend gelöst. Die Digitalisierung habe dort zu einer höheren Planungsqualität, einer besseren Transparenz sowie zu effizienteren Abläufen geführt. Gleichzeitig bestehe jedoch die Gefahr, dass aufgrund des hohen Vertrauens in digitale Modelle Qualitätskontrollen und die Abstimmung an Schnittstellen vernachlässigt werden. Haugeneder: „Daher sind weitere Anstrengungen erforderlich, um die Datenvalidität und Datenqualität entlang des gesamten Prozesses sicherzustellen.“

Die Veranstaltung startet um 16.30 Uhr. Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Zudem wird ein Livestream angeboten.

Hier können Sie sich zum Talk am See anmelden: https://www.viega.at/de/services/Seminare/kompetenzthemen/Talk.html

Der Talk am See „Digital geplant, analog gebaut?“

  • Talk am See: „Digitales Bauen in der Gebäudetechnik“
  • Wann: 5. November 2026, Eintreffen ab 16 Uhr, Beginn um 16.30 Uhr.
  • Wo: Viega, Palmsdorf 102, 4864 Attersee am Attersee oder per Livestream