Das Programm des 65. Bewerbs seiner Art startete für die Lehrlinge am Freitag mit der Besichtigung und Einrichtung der Arbeitsplätze in der Halle A der Grazer Messe, bevor es zum ersten Highlight des Wochenendes ging: Die Teams mit Begleitung zogen vom Eisernen Tor aus – bestückt mit Transparenten, der Zunft- und den Länderfahnen – gemeinsam durch die Innenstadt bis zur Location der abendlichen Vorstellungsrunde. Die Ziele: Das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und einer breiteren Öffentlichkeit die Präsenz des Tischlerhandwerks sowie die Möglichkeiten, die eine Lehre bietet, vor Augen zu führen.

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Mit einem von Musik begleitetem Umzug durch die Stadt Graz ging der 65. Bundeslehrlingswettbewerb der Tischlerinnen und Tischler am 19. Juli fulminant an den Start.
Mit einem von Musik begleitetem Umzug durch die Stadt Graz ging der 65. Bundeslehrlingswettbewerb der Tischlerinnen und Tischler am 19. Juli fulminant an den Start. © Christine Tropper

Früh am Start

Am Samstag ging es dann „ans Eingemachte“: Man versammelte sich kurz vor halb acht Uhr morgens in der Halle – es folgten Erklärungen zum Bewerb und zu den Stücken, die Bundeslehrlingswart Ludwig Weichinger-Hieden für die Lehrjahre eins bis vier sowie für das vierte Lehrjahr Produktion heuer erstmals alle als Prototyp angefertigt hatte.

Um acht Uhr erfolgte der „Startschuss“ für die Tischler*innen, um 8.15 Uhr jener für die Techniker*innen. Die „Null-Zeit“ für die Abgabe war 12.15 Uhr – für ein Fertigwerden davor gab es Zusatzpunkte, danach einen Punkteabzug. Endgültig Schluss war um 12.45 Uhr – danach ging es für die Beschaumeister an die Arbeit, für die Lehrlinge in die wohlverdiente Pause.

Volle Konzentration war gefragt beim 65. BLW der Tischler in Graz.
Volle Konzentration war gefragt beim 65. BLW der Tischler in Graz. © Christine Tropper

Gesteigerte Schwierigkeiten

In allen drei Lehrjahren war aus dem zur Verfügung gestellten Fichtenholz eine Schatulle mit Deckel herzustellen. Die Grundgröße und -konzeption war dabei die gleiche, die Schwierigkeit steigerte sich mit dem Lehrjahr. Im ersten Lehrjahr war ein um 180-Grad drehbarer Deckel zu fertigen, die Zusatzaufgabe – zum ersten Mal gab es diese heuer auch für „Anfänger“ – war die Herstellung eines Mittelstegs mit durchgestemmtem Zapfen.

Im zweiten Jahr war ein aufklappbarer Deckel zu fertigen. Als Steigerung der Eckverbindungen waren offene und halbverdeckte Schwalbenschwanzzinken umzusetzen, die Zusatzaufgabe war ein Verschluss für den Deckel.

Präzision und Kreativität waren gefragt bei der Fertigung der Schatullen. Je höher das Lehrjahr, desto mehr steigerte sich der Schwierigkeitsgrad.
Präzision und Kreativität waren gefragt bei der Fertigung der Schatullen. Je höher das Lehrjahr, desto mehr steigerte sich der Schwierigkeitsgrad. © Christine Tropper

Tricky im Dritten

Im dritten Lehrjahr war schon die Grundaufgabe eine herausfordernde: Um den kombinierten Hebe-Schiebe-Deckel für die Box mit Tragegriff öffnen zu können, muss man diesen zuerst schräg entlang der seitlichen Teile anheben, um ihn dann in einer bestimmten Position hinein- bzw. hinausschieben zu können. Generell waren schräge, offene und halbverdeckte Schwalbenschwanzzinken auszuführen. Als Zusatzaufgabe wurde der Tragegriff eingegratet und die seitlichen Haltelisten überplattet statt gedübelt. „Hier war sehr genaues Arbeiten nötig, das war trickreich und kniffelig“, ist sich Weichinger-Hieden der herausfordernden Aufgabenstellung bewusst. „Das ist allerdings auch gewollt. Hier treten die Besten der Besten an, da darf man ein gewisses Können schon einfordern“, so der „Erfinder der unbekannten Stücke“.

In jedem Handgriff steckt Können: Bei der „Schatullen-Challenge“ waren konzentriertes Arbeiten und Planlesen zentrale Kriterien zum Erfolg.
In jedem Handgriff steckt Können: Bei der „Schatullen-Challenge“ waren konzentriertes Arbeiten und Planlesen zentrale Kriterien zum Erfolg. © Christine Tropper

 

Von Weingütern & Picknickkisten

Die teilnehmenden Tischlereitechniker*innen mit Schwerpunkt Planung mussten den Präsentationsraum eines Weingutes planen, der schräg in einen Hang hineingebaut wurde. Dieser hatte eine repräsentative Bar, eine offen sichtbare Kühlmöglichkeit, eine Präsentationswand für die Produkte sowie eine Lagermöglichkeit für Schachteln und Kisten zu enthalten. In Interviews erzählten die Kandidat*innen, dass sie teilweise mit der Ideenfindung gehadert hätten – es schlussendlich aber eine wirklich spannende und mit Spaß umsetzbare Aufgabenstellung war.

Im vierten Lehrjahr Tischlereitechnik Produktion fand sich das Schatullen-Thema in einer etwas größeren Dimension wieder: Es musste eine Picknick-Kiste produziert werden. Der ebenso geforderte Einsatz wurde mit Tragegriffen und Fräsungen als Schalenhalterung „aufgepeppt“. Als Zusatzaufgabe konnten Fingerzinken anstatt von Schwalbenschwanzzinken gefräst werden.

Klassischer Hobel „am Stiel“: Die Trophäen warten auf die Sieger*innen.
Klassischer Hobel „am Stiel“: Die Trophäen warten auf die Sieger*innen. © Christine Tropper

Zusatz schlägt Zeit

Die Zusatzaufgaben wurden durchgängig von allen Lehrlingen gewählt: „Zusatz schläft Zeit. Für eine Abgabe vor der Nullzeit gibt es einmalig dreihundert Punkte mehr. Die Punkte für die Zusatzaufgabe werden aber neunmal – einmal pro Preisrichter – angerechnet“, erklärt Weichinger-Hieden die Grundidee hinter dem System: „Es muss sich auszahlen, die Challenge anzunehmen – auch wenn das mehr Zeit in Anspruch nimmt.“

Gewohnt humorvoll kommentierte der Bundeslehrlingswart im Endspurt die Bandbreite der abgegebenen Stücke: „Interessant war auch heuer wieder die Auslegung und Interpretation der Pläne – vom Selbstbausatz bis zum fertigen, perfekten Stück war alles dabei“.

Gute Laune bei der Vorstellung der Lehrlinge: Bundeslehrlingswart Ludwig Weichinger-Hieden und Landesinnungsmeister Steiermark Rupert Christian Zach
Gute Laune bei der Vorstellung der Lehrlinge: Bundeslehrlingswart Ludwig Weichinger-Hieden und Landesinnungsmeister Steiermark Rupert Christian Zach © Christine Tropper

Eine bunte Mischung aus Sieger*innen

Genauso spannend wie der Wettbewerb selbst war dann auch die Siegerehrung, die am Abend im prunkvollen Stefaniensaal im Congress Graz über die Bühne ging. Durch die bunte Mischung an Stockerlplätzen quer durch die Bundesländer war bis zum Schluss nicht klar, wer in der Gesamtwertung vorne liegen würde. Am Ende übernahm Oberösterreich den Pokal für den Bundesländersieg vom Vorjahres-Ersten Steiermark. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Vorarlberg und Niederösterreich.

Begleitet wurde die gesamte Veranstaltung von einer Social Media Kampagne quasi in Echtzeit. So konnten auch die Daheimgebliebenen und „Branchen-Ferne“ alle Teile der spannenden Veranstaltung live miterleben.

Der nächste BLW wird vom 18. bis 19. Juni 2027 in Tulln in Niederösterreich ausgetragen.

Die Ergebnisse des BLW 2026 im Überblick

Erstes Lehrjahr

Platz 1: Florian Vierlinger, OÖ, Tischlerei Andexlinger

Platz 2: Michael Meisl, Salzburg, Georg Schönherr

Platz 3: Manuel Taferner, Kärnten, Bau-/Möbeltischlerei Stieger

Die Sieger im ersten Lehrjahr mit ihren Gewinnen. BLW Ludwig Weichinger-Hieden, BIM Gerhard Spitzbart, LIM Rupert Christian Zach, LLW Wolfgang Hasenburger und Josef Herk, WKO-Präsident Steiermark, gratulierten (v.l.)
Die Sieger im ersten Lehrjahr mit ihren Gewinnen. BLW Ludwig Weichinger-Hieden, BIM Gerhard Spitzbart, LIM Rupert Christian Zach, LLW Wolfgang Hasenburger und Josef Herk, WKO-Präsident Steiermark, gratulierten (v.l.) © Christine Tropper

Zweites Lehrjahr

Platz 1: Jakob Riedler, NÖ, Tischlerei Helm

Platz 2: Oliver Leindl, Vorarlberg, Hutle

Platz 3: Simon Tändl, Steiermark, Lieb Bau Weiz

Die Sieger im zweiten Lehrjahr
Die Sieger im zweiten Lehrjahr © Christine Tropper

Drittes Lehrjahr

Platz 1: Johannes Kogler, Kärnten, Lindner Möbel & Treppen

Platz 2: Hannes Pirker, Steiermark, Baumgartner Tischlerwerkstatt

Platz 3: Lukas Wettig, Vorarlberg, Jodo Tischlerei Gebr. Dorner

Die Sieger im dritten Lehrjahr
Die Sieger im dritten Lehrjahr © Christine Tropper

4. Lehrjahr Produktion

Platz 1: Jakob Stöllnberger, OÖ, Stöllnberger

Platz 2: Simon Kaufmann, Vorarlberg, Kaufmann Zimmerei & Tischlerei

Platz 3: Christian Kastner, Salzburg, Manufaktur von Ankershofen

Die Sieger im vierten Lehrjahr Tischlereitechnik Produktion
Die Sieger im vierten Lehrjahr Tischlereitechnik Produktion © Christine Tropper

4. Lehrjahr Planung

Platz 1: Christoph Lehofer, Steiermark, Josef Göbel

Platz 2: Kerstin Pfann, OÖ, H. Inreiter

Platz 3: Lisa Strasser, Kärnten, Sinnex Innenausbau

Die Sieger*innen im vierten Lehrjahr Tischlereitechnik Planung
Die Sieger*innen im vierten Lehrjahr Tischlereitechnik Planung © Christine Tropper

Länderwertung

Platz 1: Oberösterreich

Platz 2: Vorarlberg

Platz 3: Niederösterreich

Oberösterreich holte sich den Sieg in der Länderwertung vor Vorarlberg und Niederösterreich.
Oberösterreich holte sich den Sieg in der Länderwertung vor Vorarlberg und Niederösterreich. © Christine Tropper

„Rookie of the year“

… wurde Jakob Riedler. Diese Auszeichnung erhält der Kandidat mit dem größten (prozentuellen) Punkteabstand zu Platz zwei.

„Rookie of the year“ wurde Jakob Riedler. Diese Auszeichnung erhält der Kandidat mit dem größten (prozentuellen) Punkteabstand zu Platz zwei.
„Rookie of the year“ wurde Jakob Riedler. Diese Auszeichnung erhält der Kandidat mit dem größten (prozentuellen) Punkteabstand zu Platz zwei. © Christine Tropper