„Mit den CEM-II/C-Zementen stellt unsere Industrie einen wichtigen Hebel für die Dekarbonisierung des Bauens zur Verfügung. Das ZBG Seestadt Aspern zeigt, wie sich dieser CO₂-reduzierte Zement in einem Großprojekt bewährt“. Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) und Vorstand Beton Dialog Österreich, zeigte sich bei einem Besuch auf der Baustelle von Österreichs größter Berufsschule durchaus stolz.
Großer Stil
Bei der neuen Zentralberufsschule Seestadt Aspern, in der künftig bis zu 7.500 Schülerinnen und Schüler im Jahr ausgebildet werden, kommt erstmals in großem Stil in Österreich der klinkerreduzierte Zement CEM II/C zum Einsatz. Das bringt eine deutliche CO₂-Einsparung im Vergleich zu herkömmlichem Beton.

Für die rund 38.000 Kubikmeter Ortbeton, die in den Bau fließen, wird ausschließlich CEM II/C verwendet. Zemente dieses Typs enthalten deutlich weniger Klinker als herkömmliche Zemente, nämlich nur rund 50 bis 64 Prozent. Mit dem geringeren Klinkeranteil sinkt auch der CO₂-Fußabdruck des Bindemittels spürbar – „bei gleichbleibender Verarbeitbarkeit, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit des Betons“, wie die VÖZ betont.
58 Prozent weniger CO2
Im Fall der ZBG Aspern sprechen der ausführende Baukonzern Porr und Bauträger Apleona Austria, der das Schulgebäude im Auftrag der Stadt Wien errichten von der CO₂-Einsparung von 58 Prozent oder rund 5.000 Tonnen im Vergleich zum von der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (ÖBV) definierten Referenzbeton. „Ressourcenschonendes Bauen mit CO₂-reduzierten Baustoffen ist eines der Kernthemen der Porr“, sagt Karl-Heinz Strauss, CEO der Porr. „Am ZBG Seestadt Aspern haben wir mit dem CEM-II/C-Zement sehr gute Erfahrungen gemacht: Wir konnten ihn mit Anpassungen an der Rezeptur genauso zuverlässig verarbeiten wie herkömmlichen Zement, ohne Kompromisse bei der Qualität.“
Highlight-Projekte wie dieses sind aus Sicht der Zementindustrie entscheidend, um die die Akzeptanz der CO₂-reduzierten Sorten am Markt zu steigern. Es brauche eine gewisse Zeit, bis sich Veränderungen durchsetzen, so VÖZ-Geschäftsführer Spaun. Es sei deshalb wichtig, dass die großen Bauunternehmen wie eine Porr und die öffentlichen Auftraggeber vorangehen. „Nur so bringt man etwas in die Märkte hinein. Kleinere Baumeister werden diesem Beispiel folgen“, meint Spaun.
Die Nachfrage steigt
Und es bewegt sich tatsächlich schon etwas. Zementhersteller Holcim, der das Material für die ZBG Aspern liefert, berichtet von einer erfreulichen Entwicklung. 12 bis 13 Prozent des in Österreich verkauften Zements entfallen bei Holcim laut Produktmanager Giv Noori-Khadjavi bereits auf CEM II/C-Zement. „Es läuft ausgezeichnet. Unser Werk in Mannersdorf produziert pro Jahr bereits 150.000 Tonnen CEM II/C-Zement“, sagt Noori-Khadjavi. „Und wir planen das weiter deutlich zu steigern.“ Innerhalb der kommenden drei bis vier Jahre wolle man den CO₂-reduzierten Zement zur Hauptsorte entwickeln.
In Aspern setzt man auch bei der Haustechnik auf Nachhaltigkeit. Die Energieversorgung des ZBG kommt weitgehend ohne fossile Energieträger aus. Über ein Feld aus rund 140 Erdwärmesonden wird Geothermie erschlossen, die mittels Fußbodenheizung und Deckenpaneelen im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen genutzt wird. Ergänzt wird das System durch bauliche Verschattung und Sonnenschutzglas gegen sommerliche Überhitzung, eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung sowie Photovoltaikanlagen mit rund 470 kWp auf den Dachflächen, die einen Teil des Strombedarfs vor Ort decken.