Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Und die Botschaft ist nicht erfreulich: Im ersten Halbjahr 2026 ist der Absatz von Heizungswärmepumpen in Österreich auf 15.000 Stück gesunken. Das sind 20 Prozent weniger als im Vorjahr und weit entfernt von den Rekordzahlen aus 2023 und 2024. Helmut Weinwurm, Vorstandsvorsitzende Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK) und Österreich-Chef des Bosch-Konzerns, rechnet für das Gesamtjahr mit einem Absatz von 28.000 Stück. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 46.000. Immerhin: Für die kommenden Jahre rechnet er damit, dass der Markt sich zwischen 30.000 und 35.000 Geräten pro Jahr einpendelt.

Schmerzhafter Einbruch

Für den schmerzhaften Einbruch, den die Branche heuer zu verkraften hat, machen die Hersteller allen voran die irrlichternde Förderpolitik verantwortlich. Das Hin und Her zwischen extrem hohen Förderungen und abrupten Förderstopps habe die Kund*innen verunsichert und machen den Herstellern die Steuerung fast unmöglich. Weinwurm denk laut über eine Alternative nach: „Statt komplizierten Förderungen, die sich laufend ändern, kann man die Geräte steuerlich absetzen“, meint er. „Das wäre das Einfachste.“

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Mit seinem Frust über die Förderpolitik ist der VÖK-Präsident nicht allein. „Aktuell sind die Fördermittel für 2026 ausgeschöpft, wodurch faktisch ein Förderstopp besteht. Eine solche Situation bremst einen zuvor belebten Markt unmittelbar aus. Ein Heizungstausch findet dann häufig nur noch dort statt, wo aufgrund eines Defekts akuter Handlungsbedarf besteht“, meint Stefan Posch, Senior Produktmanager für Wärmepumpen bei Bösch. Ein Teil dieser Kund*innen entscheide sich aufgrund der fehlenden Förderung beim Ersatz eines defekten fossilen Heizsystems nicht für ein erneuerbares System, sondern erneut für einen fossilen Kessel. Posch: „Das ist aus unserer Sicht eine bedauerliche Entwicklung.“

Gif für den Markt

Peter Huber, Österreich-Geschäftsführer von Viessmann formuliert es prägnant: „Die inhomogene Fördersituation mit stetigen On-Off bei den Fördergeldern sind Gift für eine kontinuierliche Geschäftsentwicklung“, meint er. „Die Kunden sind zum Teil nicht bereit Aufträge ohne Förderzusage zu vergeben und begeben sich stattdessen in Warteposition.“

Viessmann Wärmepumpe
Wärmepumpen von Viessmann: Das Thema Kühlen hat noch einmal deutlich zugelegt. © Viessmann

Noch deutlicher wird Martin Hagleitner, CEO von Austria Email. „Obwohl Österreich bis 2040, und damit zehn Jahre früher als die EU-Vorgabe, in einem isolierten Alleingang und ‚Irrweg‘ Klimaneutralität anstrebt, fehlen immer noch klare Rahmenbedingungen und Regelungen für den Heizungstausch“, kritisiert er. Das wirke sich ebenso wie die vorzeitig ausgeschöpfte Bundesförderung auf die Investitionsfreude der Haushalte aus. „Konkret zeigt sich, dass Heizungswärmepumpen 2026 unter den Erwartungen bleiben. Der ‚Musterknabe‘ Österreich hat es geschafft, dass ein zweites Jahr in Folge fossile Heizungen zulegen, während Erneuerbare im Rückwärtsgang unterwegs sind“, so Hagleitner weiter. „Dabei wäre bei der Heizungssanierung Tempo angesagt, denn um die Klimaziele zu erreichen, müssten pro Jahr doppelt so viele Heizungen getauscht werden wie derzeit.“

Wärmepumpe von Austria Email
Wärmepumpe von Austria Email: Der Trend geht zu Systemlösungen statt Einzelprodukte und es gibt hohes Potenzial in der Sanierung. © Austria Email/Groupe Atlantic

Was die Hersteller sich von der Politik nun wünschen, lässt sich in einem Wort ausdrücken: Kontinuität. Auf Bundesebene sind für die Sanierungsoffensive 2027 wieder 360 Millionen Euro vorgesehen. Davon sollen 50 Prozent für den Kesseltausch zur Verfügung stehen „Förderungen stellen einen sinnvollen und wertvollen Anreiz dar, um allen Mitgliedern unserer Gesellschaft Heizen mit Wärmepumpen zu ermöglichen. Wir begrüßen den staatlichen Auftrag, die Wärmewende durch gezielte und sinnvolle Förderprogramme gemeinsam herbeizuführen“, meint Christian Buchbauer, Leitung Marketing und technical Pre-Sales bei Vaillant Österreich. Er ergänzt: „Unklare und langfristig unsichere Förderschienen sind jedoch kontraproduktiv und wir begrüßen stringente und nachvollziehbare Unterstützungen für die nicht zuletzt durch geopolitische Entwicklungen dringend notwendige Dekarbonisierung Österreichs.

Bitte kein Stop-and-Go

Hoval Kaskade
Kaskade von Hoval: Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen steigt. © Hoval

Dem stimmt Andreas Grimm, Leiter Produktmarkmanagement Heiztechnik bei Hoval Österreich zu: Entscheidend werde sein, „wie die konkreten Förderbedingungen ausgestaltet werden. Das bisherige Stop-and-Go ist für die Branche problematisch. Wenn Förderprogramme unterjährig ausgeschöpft werden oder sich Rahmenbedingungen kurzfristig ändern, verschieben Endkundinnen und Endkunden Investitionen. Das erschwert gleichzeitig Herstellern und Installationsbetrieben ihre Planung“, meint er. „Aus unserer Sicht wäre deshalb nicht unbedingt die maximal mögliche Förderhöhe ausschlaggebend, sondern vor a

llem eine verlässliche, längerfristige Regelung.“

Unsicherheit bei Kunden

Herz Wärmepumpe
Gerät von Herz Energietechnik: zunehmende Vernetzung der Wärmepumpe mit anderen Komponenten des Energiesystems. © Herz Energietechnik

Manfred Schaffer, Leiter Produktmanagement bei Herz Energietechnik, sieht das ähnlich. „Das Geschäft ist nach wie vor stark von der Förderpolitik abhängig, was für zusätzliche Unsicherheit bei Investoren und Kunden sorgt“, so Schaffer. „Gleichzeitig bleibt das Interesse an energieeffizienten und nachhaltigen Heizlösungen grundsätzlich hoch. Entscheidend für die weitere Marktentwicklung werden daher vor allem stabile und verlässliche Rahmenbedingungen sowie attraktive Fördermodelle sein.“

„Dass der Bund über mehrjährige Budgets verlässliche Rahmenbedingungen schafft, gibt dem Markt grundsätzlich Rückhalt“, konstatiert Martin Daxecker, Produktmanager Wärmepumpe bei Hargassner. Er betont aber auch: „Planbarkeit und einfache Abwicklung sind der Schlüssel. Wenn Abwicklungsmodalitäten oder Förderkontingente kurzfristig angepasst werden, sorgt das bei Häuslbauern für Unsicherheit und führt zu Aufschiebeeffekten.“ Wenn man den Blick nach Deutschland werfe, so Daxecker weiter, sehe man, wie massiv sich unruhige politische Debatten auf die Nachfrage auswirken können. „Das müssen wir in Österreich verhindern.“

Viel Ärger

Bei allem nachvollziehbaren Ärger über das Förderchaos sind die Hersteller vom langfristigen Potenzial der Wärmepumpe überzeugt: „Die Wärmepumpe setzt Ihren Siegeszug fort, allerdings in etwas gedämpfter Form“, meint man bei Windhager NXT – Best Heatpump Technology. Wärmepumpen, so der Hersteller weiter, „bleiben die wichtigste Zukunftstechnologie für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Insbesondere im Sanierungsbereich sehen wir weiterhin großes Potenzial.“

Windhager Wärmepumpe
Klare Meinung bei Windhager: Die Wärmepumpe setzt ihren Siegeszug fort. © Windhager NXT – Best Heatpump Technology

Bei Windhager beobachtet man verschiedene Trends am Markt: „Der Markt entwickelt sich klar in Richtung natürlicher Kältemittel, leistungsmodulierender Wärmepumpen, höherer Vorlauftemperaturen für Sanierungen sowie intelligenter Vernetzung mit Photovoltaik und Smart Grids“, meint man. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach besonders leisen und effizienten Systemen, die sowohl heizen als auch kühlen können und „netzdienlichen“ Wärmepumpen. „Lösungen für dezentralen Geschosswohnbau werden an Bedeutung gewinnen, da der Großteil der Menschen in urbanen Räumen leben.“

Flexible Einsatzfähigkeit

Vaillant-Manager Buchbauer beobachtet bei den technischen Innovationen eine hohe Dynamik im Wärmepumpen-Segment: „Im Fokus stehen sicherlich die flexible Einsatzfähigkeit von neuen Wärmepumpen und die Fokussierung auf den nicht zu vernachlässigenden optischen Aspekt von Geräten, da diese direkt im Blickfeld von unseren Wohnungen und Häusern platziert werden“, erläutert er. „Darüber hinaus sind Connectivity und intelligente Energiemanagement-Lösungen Trends am Markt.“

Zwei Schlagworte

Austria Email CEO Hagleitner sieht ebenfalls eine ganze Reihe von Entwicklungen. An erster Stelle nennt er zwei Schlagworte: Systemlösungen statt Einzelprodukte und hohes Potenzial in der Sanierung und im mehrgeschossigen Wohnbau. „Konsumenten verlangen anstelle isolierter Produkte zunehmend ganzheitliche, integrierte Lösungen, die außerdem netz- und systemdienlich sind“, sagt er. „Durch die Kombination mit geeigneten Speichern – Stichwort Verringerung von Taktungen und höhere Lebensdauer – sinken die Lebenszykluskosten von Wärmepumpen, da sich diese schneller amortisieren.“

Trend zum System

„Die eigentlichen Markttrends sehen wir inzwischen weniger beim einzelnen Gerät als beim Gesamtsystem“, bestätigt Hoval-Produktmanager Grimm. Zwei Entwicklungen hält er für besonders wichtig: „Zum einen steigt die Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen und begleitenden Dienstleistungen von der Planung bis zum Betrieb. Zum anderen gewinnen intelligente Energie- und Regelungskonzepte an Bedeutung. Wärmepumpe, Photovoltaik, Speicher, Warmwasserbereitung werden zunehmend als Gesamtsystem gedacht.“

Hargassner Energiemanagement Touch Pro
Hargassner Energiemanagement Touch Pro: „Gefragt ist die intelligente Vernetzung.“

Hargassner-Produktmanager Daxecker sieht als wichtigsten Trend, „Produkte zu schaffen, die mühelos im Feld zu platzieren sind, sei es schalltechnischer Natur oder in Bezug auf einfachste Installation“. Dabei gehe es bei letzterem nicht nur um Installateure, die ohne Kälteschein ein Monoblock-Gerät installieren und in Betrieb nehmen können, „sondern auch darum, den Installateuren die Installation des Geräts so einfach wie möglich zu machen“.  Als zweiten wichtigen Trend betrachtet er „die Bewegung hin zu einem intelligenten Energiemanagement und hybrider Vernetzung“. Dabei gehe es vor allem um die möglichst intelligente Vernetzung und den Einsatz unterschiedlichster Energiequellen unter Einbezug der zu erwartenden Erträge und Energiekosten.

Hargassner Wärmepumpe
Wärmepumpe von Hargassner: "Der Umstieg auf R290 ist in vollem Gang." © Hargassner

Natürliche Kältemittel

Herz Energietechnik-Produktmanager Schaffer weist auf den verstärkten Einsatz natürlicher Kältemittel wie R290 hin. Zudem beobachtet er „die Weiterentwicklung der Geräte für höhere Vorlauftemperaturen sowie die zunehmende Vernetzung der Wärmepumpe mit anderen Komponenten des Energiesystems“. Gerade im Sanierungsbereich würden Wärmepumpen mit höheren Vorlauftemperaturen eine immer wichtigere Rolle spielen, „da sie sich damit auch für bestehende Heizsysteme mit Radiatoren eignen“. Gleichzeitig, so Schaffer weiter, „gewinnen intelligente Regelung, Smart-Grid-Fähigkeit und die Einbindung von Photovoltaik und Energiemanagement zunehmend an Bedeutung.“

Wärmepumpe Mozart von Bösch
Wärmepumpe von Bösch: Nachfrage nach Kühlung über die Wärmepumpe deutlich gestiegen.

Bösch-Produktmanager Posch beobachtet einen „klaren Trend zu günstigeren Lösungen“. Gleichzeitig sei das Thema Kältemittel längst nicht mehr nur für Fachleute relevant, sondern zunehmend auch für Endkund*innen. „Als klaren Markttrend sehen wir Luft-Wasser-Monoblock-Wärmepumpen mit dem Kältemittel Propan R290 – insbesondere in leistbaren, möglichst einfach aufgebauten Systemen“, so Posch. Und er nennt eine weitere Entwicklung: „Darüber hinaus ist die Nachfrage nach Kühlung über die Wärmepumpe nach diesem Rekord-Sommer deutlich gestiegen. Das betrifft sowohl Neuanlagen als auch bestehende Wärmepumpensysteme, bei denen eine Kühlfunktion technisch nachgerüstet werden kann.“

Kühlen statt Heizen

Das sieht auch Viessmann Österreich-Chef Huber so: „Bedingt durch den heißen Sommer hat das Thema Kühlen mit Wärmepumpe nochmals deutlich zugelegt und ist neben dem Trend zu natürlichen Kältemitteln der auffälligste Einfluss Faktor.“