„Nachhaltigkeit ist für Austrotherm kein Trend, sondern seit Jahrzehnten Teil unserer Unternehmens-DNA. Das liegt auch in der Natur unseres Produkts: Die nachhaltigste Energie ist jene, die gar nicht erst verbraucht wird. Mit guter Dämmung lassen sich Energieverbrauch und Emissionen über Jahrzehnte hinweg dauerhaft reduzieren.“

Grün aus Prinzip

Die Aussage von Austrotherm Österreich-Geschäftsführer Maximilian Schmid steht stellvertretend für die Branche. Nachhaltigkeit ergibt sich für die Dämmstoffhersteller praktisch automatisch aus dem Produkt: Wer dämmt, spart Energie. Aber dabei belassen es die Anbieter nicht. Sie setzen forciert auf Kreislaufwirtschaft und die Entwicklung neuer, nachhaltiger Produkte.

Recycling bei Austrotherm
Recyclinganlage von Austrotherm: seit 2025 in Betrieb. © Austrotherm

„Heute denken wir Nachhaltigkeit aber noch weiter“, erläutert Austrotherm-Geschäftsführer Schmid. „Von der Bodenplatte über den Sockel und die Fassade bis hin zum Dach wollen wir Lösungen schaffen, die nicht nur Energie sparen, sondern nach ihrer Nutzung auch wieder als Rohstoff für neue Produkte eingesetzt werden können.“

Recycling im Burgenland

Das Unternehmen hat 2025 im burgenländischen Purbach eine Recycling-Anlage in Betrieb genommen, um EPS- und XPS-Dämmstoffe wieder in den Stoffkreislauf zurückzuführen. „Unser Ziel ist es, ab 2027 in Österreich sämtliche EPS-Fassadensysteme und XPS-Dämmstoffe recyceln zu können, unabhängig davon, wann sie verbaut wurden. Damit schließen wir den Kreislauf und machen Dämmstoffe fit für die Zukunft“, so Schmid.

Austrotherm-Projekt in Frankfurt
Austrotherm-Projekt in Frankfurt: nicht nur wirksam, sonder auch ansehnlich. © Austrotherm

Ein Beispiel für innovative Produkte, die helfen den CO₂-Footprint zu senken, ist das neue Attikaelement von Austrotherm. „Es erleichtert die Verarbeitung auf der Baustelle und verbessert gleichzeitig die energetische Qualität von Gebäuden“, erklärt Schmid. „Gerade im Bereich der Attika entstehen häufig Wärmebrücken, weil dieser Bereich oft gar nicht oder nur unzureichend gedämmt wird.“ Das Attikaelement ermöglichte eine einfache und wirkungsvolle Dämmung dieser konstruktiv anspruchsvollen Zone und trage so dazu bei, Wärmeverluste im Dachbereich nachhaltig zu reduzieren.

Klare Ziele

Bei Saint-Gobain hat man sich zum Ziel gesetzt, „bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen und gleichzeitig unsere Wettbewerbsfähigkeit durch nachhaltige Innovationen weiter zu stärken“, so Michael Allesch, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb von Saint-Gobain Austria. „Um das zu erreichen, setzt der Konzern auf klare Zwischenziele: Bis 2030 wollen wir unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber 2017 um 33 Prozent reduzieren.“ Dieses Ziel habe man bereits übertroffen: „Ende 2025 lagen wir bei einer Reduktion von 35“, meint Allesch. „Damit zeigt sich, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.“

Saint-Gobain
Klare Ziele bei Saint-Gobain: bis 2050 klimaneutral. © Saint-Gobain Austria

In Österreich man unter anderem auf Grünstrom, energieeffiziente Produktionsprozesse und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft. „Ein Beispiel dafür ist unser Gips-Recycling, mit dem wertvolle Rohstoffe im Kreislauf geführt und die wertvolle Ressource Gips geschont werden – ganz ohne Kompensationszertifikate“, erläutert Allesch.

Lange im Kreislauf

Saint-Gobain Austria verfolge das Ziel, seine Baustoffe so lange und hochwertig wie möglich im Kreislauf zu halten. „Daher wird bereits bei der Produktentwicklung an Rückbau beziehungsweise Recycling gedacht. Die Trennbarkeit von Einzelkomponenten spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn nur so kann hochwertiges Recycling erfolgen und die langfristige Zirkularität von Produkten sichergestellt werden“, meint Allesch weiter.

Der Konzern erzielt nach eigenen Angaben bereits 73 Prozent seines Umsatzes mit nachhaltigen Produkten und Lösungen. Als Beispiel dafür nennt Allesch die Dämmstoffe Isover Lanaé und Isover Insulsafe. Die Dämmwolle Isover Lanaé besteht aus bis zu 80 Prozent Recyclingglas. Sie hat eine helle Farbe, die durch ein Bindemittel entsteht, dessen Rohstoffbasis überwiegend aus Inhaltsstoffen aus der Zucker- und Getreideindustrie stammt. „Ihre angenehme Haptik ist das Ergebnis eines neuen Herstellungsprozesses. Das Produkt erfüllt hohe Standards hinsichtlich Wohngesundheit sowie Brand-, Schall- und Wärmeschutz“, so Allesch.

Isover Lanaé
Isover Lanaé: besteht aus bis zu 80 Prozent Recyclingglas. © Saint-Gobain Austria

Bei Insulsafe handelt es sich um eine innovative Mineralwolle-Einblasdämmung, die ebenfalls weitgehend aus Recyclingglas hergestellt wird. Sie ist speziell für die werkseitige Vorfertigung sowie das saubere Einblasen in Dachstühle und den Holzrahmenbau gedacht.

Bereits 100 Tonnen

Der heimische Hersteller Steinbacher Dämmstoffe setzt ebenfalls stark auf Recycling. „Mit dem von uns mitinitiierten System EPSsolutely sammeln wir EPS-Verschnitte direkt von Baustellen und führen sie in den Materialkreislauf zurück. Inzwischen wurden über 100 Tonnen zurückgeführt, Tendenz steigend“, sagt Geschäftsführer Roland Hebbel.

Steinbacher-Produktion
Steinbacher-Werk: neue Produkte mit Rohstoffen aus nachwachsenden Quellen. © Steinbacher Dämmstoffe

Als weiteres Beispiel führt er die PE-Rohrisolierung Steinoflex Loop an. „Sie enthält mehr als 51 Prozent Rezyklat und reduziert dadurch den CO₂-Fußabdruck gegenüber dem marktüblichen Standard um bis zu 38 Prozent“, so Hebbel. „Für uns zeigt dies: Kreislaufwirtschaft funktioniert dann, wenn aus Recycling auch technisch leistungsfähige Produkte entstehen.“

Energiebedarf senken

„Für uns entscheidet nicht die Art des Materials, sondern sein Nutzen über den gesamten Lebenszyklus. Das wichtigste Ziel bleibt, den Energiebedarf und damit die Treibhausgasemissionen von Gebäuden dauerhaft zu senken, nach dem Motto: Die beste Energie ist jene, die man gar nicht braucht“, betont Hebel weiter. „Unsere Dämmstoffe auf Kunststoffbasis bieten hier durch hohe Dämmleistung, einfache Verarbeitung, Langlebigkeit und Kreislauffähigkeit starke Vorteile. Auch Bewertungsinstrumente wie der OI3-Index zeigen dies.“

Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen aber auch neue Produkte auf Basis von alternativen Rohstoffen. „Im PE-Bereich setzen wir bereits auf Rohstoffe aus nachwachsenden Quellen“, meint Hebbel. „Diese sind aktuell noch kostenaufwändiger und die Nachfrage nach solchen Produkten ist gering. Entscheidend wird in Zukunft sein, mit weniger Rohstoff dauerhaft mehr Dämmleistung zu erreichen und Materialien nach ihrer Nutzung wieder in den Kreislauf zurückzuführen.“

Nachhaltigkeit das Wichtigste

„Um langfristig erfolgreich zu sein und sich entwickeln zu können, war und ist Nachhaltigkeit das Wichtigste und Notwendigste für ein österreichisches Familienunternehmen wie Baumit“, betont dessen Geschäftsführer Georg Bursik. „Ökonomischer Fortschritt muss sich dabei stets in einem Gleichgewicht mit sozialer Verantwortung und ökologischer Verträglichkeit befinden.“

Baumit-Team
Baumit-Chef Georg Bursik (r.): ökonomischer Fortschritt, soziale Verantwortung und ökologische Verträglichkeit. © Baumit

Der Baustoffspezialist bündelt seine Maßnahmen im Bereich Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und CO₂-Reduktion in der Strategie GO2morrow. Sie ist „ist unsere Haltung über Generationen hinweg zu denken, unser Anspruch die Zukunft positiv zu gestalten sowie unser Ansporn als österreichischer Familienbetrieb Verantwortung gegenüber Umwelt, Wirtschaft, Mitarbeiter*innen und Gesellschaft zu zeigen“, erklärt Bursik. 

Recyceln statt kübeln

Baumit, so Bursik weiter, „setzt qualitätsgesicherte Rohstoffe gezielt ein und entwickelt Lösungen zur Wieder- und Weiterverwertung von Materialien – etwa durch geeignete Sekundärrohstoffe und die Wiederverwendung von Baustoffen aus bestehenden Gebäuden“. Dazu zählt die Initiative „Recyceln statt kübeln“. Damit holt Baumit gebrauchte Kübel inklusive Deckel kostenlos beim Kunden ab und führt sie dem Recyclingkreislauf zu. Das Sammeln und die Rückgabe sind in den Lieferprozess integriert. „So entsteht aus gebrauchten Verpackungen wertvolles Recyclingmaterial für neue Baumit Kübel“, meint Bursik.

Recyceln statt kübeln
Recyceln statt kübeln: hilft beim späteren Rückbau. © Baumit

Die auf der Baustelle anfallenden EPS-Verschnitte können in Recyclingsäcken zurückgegeben werden. Sie werden zerkleinert, gemahlen und zu hochwertigen Dämmstoffen weiterverarbeitet. „Dadurch können Primärrohstoffe ersetzt und die mit ihrer Herstellung verbundenen CO₂-Emissionen reduziert werden“, erklärt Bursik. „Als nächsten, logischen Schritt wird Baumit Lösungen anbieten, um alte Dämmsysteme nach dem Rückbau wieder als Ressource nutzbar zu machen.“

Kleben statt dübeln

Den späteren Rückbau eines Wärmedämm-Verbundsystems erleichtern soll der Klebeanker Duplex: Da der Dämmstoff bei seinem Einsatz nicht von Dübeln durchdrungen wird, lässt er sich nach dem Entfernen der Deckschicht leichter vom Mauerwerk lösen und sortenreiner aufbereiten. Bursik: „So schafft Baumit bereits bei der Montage bessere Voraussetzungen für die spätere Kreislaufwirtschaft.“

Rockwool Österreich-Geschäftsführer Georg Pehn unterstreicht ebenfalls die Nachhaltigkeit der eigenen Produkte: „Steinwolle von Rockwool trägt seit Jahrzehnten erfolgreich dazu bei, die ökologische, ökonomische und soziale Qualität von Gebäuden zu erhöhen“, sagt er. „Unsere Dämmstoffe sparen während ihrer Lebensdauer das 100-fache des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen ein, die bei ihrer Produktion anfallen.“

Kunden unterstützen

Das Engagement der Rockwool Gruppe gehe aber deutlich über die Entwicklung, Produktion und Bereitstellung von Lösungen aus Steinwolle hinaus. Man wolle auch die Kunden und Partner dabei unterstützen ihren eigenen CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.  Rockwool bietet den Kunden unter anderem den Rücknahme- und Recyclingservice „Rockcycle smart & easy“ für Steinwolle-Dämmstoffe an. Diese werden mithilfe von Entsorgungspartnern zur Wiederverwertung in eines der Werke des Herstellers in Deutschland geliefert. „Auf Wunsch können Kunden eine von zehn Abladestationen selbst anfahren oder Baustellenverschnitt beziehungsweise rückgebaute Rockwool-Dämmungen abholen lassen“, erklärt Pehn.

Rockcycle: Die Wiederverwertung von Dämmstoffverschnitt von ROCKWOOL
Rockcycle von Rockwool: Dämmstoffverschnitt wird wiederverwertet. © Rockwool

Er betont, dass der zentrale Rohstoff für Steinwolle nicht ersetzt werden müsse. „Durch vulkanische Aktivität und die innere Bewegung der Erdplatten schafft die Natur jedes Jahr rund 38.000-mal mehr neue Steinreserven als der Rockwool Konzern zur Herstellung von Steinwolle-Dämmstoffen benötigt“, so Pehn. Allerdings arbeite man daran, neue Bindemittel einzusetzen, „die aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen bestehen, was ein zusätzliches Plus für das gesunde Innenraumklima bedeutet“.

Grüner Strom

Wachsen soll zudem der Anteil von grünem Strom am Energiemix. Auf den Dächern der drei Werke in Deutschland, die auch Österreich beliefern, finden sich bereits große PV-Anlagen. Deren Strom wird genutzt, um die Produktionsanlagen und elektrifizierte Stapler- und Transportfahrzeuge in den Werken mit erneuerbarer Energie zu versorgen.

Dämmung von Rockwool
Dämmung von Rockwool: Hersteller bereits sich auf große Nachfrage vor. © Foto Behrendt/Rockwool

Der Hersteller bereitet sich laut Pehn zudem darauf vor, in den nächsten Jahren steigende Mengen von Dämmstoffen für die Gebäudesanierung zu produzieren. „Wir sind sicher, dass die aktuell noch immer geringe Sanierungsquote in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Zum einen, weil die Emissionen aus dem Gebäudesektor nur mit einer energetischen Ertüchtigung des Bestands zu erreichen sind. Zum anderen, weil hohe Kosten für den Neubau die Aufwendungen für Sanierungen wirtschaftlicher machen.“