Wolfgang Holzhaider, Landesinnungsmeister Bau Oberösterreich, sieht schwere Zeiten auf den Bau zukommen: „Ich befürchte, dass wir am Bau eine ähnliche Entwicklung erleben könnten wie in der europäischen Autoindustrie – mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Arbeitsplatzverlusten“, meint er. Ursache seiner Befürchtungen ist die EU-Gebäuderichtline (EPBD) ihre Umsetzung in Österreich in Form der Richtline OIB 7.
Klimaneutral als Ziel
Dahinter steht das Ziel, den Gebäudebestand in Europa möglichst klimaneutral zu gestalten. Dazu sieht die EPBD strengere Energieeffizienzstandards, die schrittweise Sanierung ineffizienter Gebäude und den Ausbau erneuerbarer Energien vor. Holzhaider befürchtet, dass damit der Neubau massiv erschwert wird. „Der Schwerpunkt liegt sehr stark auf der Erhaltung und Sanierung bestehender Gebäude“, kritisiert er. „Neubauten sollen offenbar möglichst vermieden werden. Diese Ausrichtung halte ich für problematisch, weil die wirtschaftlichen Auswirkungen meiner Ansicht nach zu wenig berücksichtigt werden.“
Die Bauzeitung wollte wissen, ob ihre Leserinnen und Leser diese Sorgen teilen und beleuchtete das Thema in ihrer aktuellen Umfrage. „Die OIB-Richtlinie 7 soll 2027 beschlossen werden. Wissen Sie, worum es dabei geht?“, lautete die Einstiegsfrage. Und immerhin – 29 Prozent der Beteiligten geben an, sich sehr gut (18 Prozent) oder wenigstens gut (elf Prozent) mit der Materie auszukennen. 32 Prozent geben an, das Thema zu kennen. 28 Prozent haben es „schon mal gehört“ und elf Prozent haben eigenem Bekunden nach „keine Ahnung“, worum es geht.
Was halten Sie davon?
Ziemlich die Waage hält sich die Bewertung der OIB 7 bei den Leser*innen aus. „Mit der OIB-Richtlinie 7 soll Nachhaltigkeit im Baurecht verankert werden. Was halten Sie davon?“, wollte die Bauzeitung mit der zweiten Frage in Erfahrung bringen, und 50 Prozent halten das für „sehr notwendig und wichtig“ (14 Prozent) oder für „ziemlich wichtig“ (36 Prozent). Drei Prozent ist das schlicht „egal“. 29 Prozent entscheiden sich für die Antwort „muss nicht sein“, und 18 Prozent halten das für „völligen Unfug“.
Was auch immer Sie von der OIB 7 halten – in einem Punkt sind die Beteiligten ziemlich einig: Der Aufwand, den die neue Richtlinie ihren Unternehmen bereiten wird, ist ziemlich hoch. 25 Prozent gehen von einem „sehr hohen“ Aufwand aus, 47 Prozent von einem „hohen“. „Etwas“ Aufwand erwarten 21 Prozent. Und scheinbar tiefenentspannt sind die verbleibenden sieben Prozent. Sie halten den Aufwand für „nicht der Rede wert“.
Wenig Gelassenheit
Diese Gelassenheit spiegelt sich in den Wortmeldungen zu Fragen vier eher nicht wider. „Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen die größten Herausforderungen bei der Umsetzung der OIB-Richtlinie 7?“, wollte die Bauzeitung wissen. Die Antworten verdeutlichen den Frust viele Akteure im Baugewerbe: „Wir kommen aus den Vorschriften und den bürokratischen Hürden nicht heraus. So kanns nicht weitergehen. Der uns den Bürokratieabbau verkauft hat, ist schon lange Rücktrittreif“, lautet eine Antwort. „Es wird wieder eine Richtlinie herauskommen und das Handwerkzeug, damit man damit arbeiten kann, ist noch nicht fertig. Es wird sich am Anfang wieder keiner auskennen und es wird sich entwickeln müssen.“ heißt es in einer anderen.
„Es ist wahnsinnig aufwendig und der Endkunde hat keinen Mehrnutzen! Die Kosten steigen im Bauwesen für die Bürokratie weiter und verteuert das Bauen immer mehr, ohne dass es eine Auswirkung auf die schon sehr hohe Qualität hat“, meint ein Teilnehmer. Mit Galgenhumor nimmt es ein weiterer: „Ich hoffe, dass sich der zusätzliche Aufwand in Grenzen hält. Es wird wohl bei der Hoffnung bleiben.“ Ein Teilnehmer sieht sogar komplett schwarz: „Hier kommt das völlige AUS für den Bau.“
