Für die Untersuchung wurden über einen Zeitraum von sechs Wochen im Sommer Messungen in einem Raum eines Wiener Bestandsgebäudes durchgeführt. Neben der Raumtemperatur wurden auch Faktoren wie Luftqualität, Tageslicht und Lärmbelastung bewertet. Ergänzend kamen Gebäudesimulationen zum Einsatz, um verschiedene Klimaszenarien bis zum Jahr 2100 zu analysieren. Die entwickelte Bewertungsmethode eignet sich für unterschiedliche Gebäudetypen und kann auch bei denkmalgeschützten Objekten angewendet werden.

Nutzer*innenverhalten als Schlüsselfaktor

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Das Verhalten der Bewohner*innen hat erheblichen Einfluss auf den sommerlichen Wohnkomfort. Zwar gelten Nachtlüftung und frühzeitige Verschattung als besonders wirksame Maßnahmen, sie werden im Alltag jedoch häufig nicht konsequent umgesetzt. Organisatorische Hürden oder auch Verkehrslärm erschweren die optimale Nutzung. Zudem stehen thermischer Komfort, gute Luftqualität, ausreichendes Tageslicht und Lärmschutz oft in einem Spannungsverhältnis.

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Neben baulichen Maßnahmen helfen auch klare Abläufe und technische Unterstützung. Anzeigen für Innen- und Außentemperaturen oder die Luftqualität können dabei helfen, den richtigen Zeitpunkt zum Lüften oder Verschatten besser zu erkennen. Bewusstes Nutzer*innenverhalten bleibt jedoch ein entscheidender Faktor.

Analyse der Oberflächentemperaturen einer Fassade an einem heißem Sommertag in der Ottakringer Straße, 1160 Wien: mit Fassadenbegrünung links und Wärmedämmverbundsystem mit Balkonen rechts.
Analyse der Oberflächentemperaturen einer Fassade an einem heißem Sommertag in der Ottakringer Straße, 1160 Wien: mit Fassadenbegrünung links und Wärmedämmverbundsystem mit Balkonen rechts. © Tobias Steiner

Gebäudehülle als wirksamer Hitzeschutz

Auch die Gebäudehülle spielt eine wichtige Rolle. Helle Fassaden reflektieren Sonnenstrahlung besser als dunkle Oberflächen und reduzieren so die Wärmeaufnahme. Besonders effektiv sind außenliegende Sonnenschutzsysteme, die die Oberflächentemperaturen deutlich senken und die Raumtemperatur um mehrere Grad reduzieren können. 

Die Ausrichtung eines Gebäudes beeinflusst ebenfalls den Wärmeeintrag. Während Wärmedämmung im Winter Vorteile bringt, kann sie im Sommer zu einer stärkeren Überwärmung führen – ihr Einfluss ist jedoch geringer als jener von Verschattung und Nachtlüftung. Ein hoher Fensteranteil erhöht zudem das Risiko einer Überhitzung, während die Art der Verglasung vergleichsweise wenig Einfluss hat.

Temperaturverteilung bei dunkler (links) und heller (rechts) Oberfläche des Bestandsmauerwerks, links jeweils Außenoberfläche, rechts jeweils Innenwandoberfläche, Schrittweite in Tage, jeweils 24:00, innerhalb einer Woche.
Temperaturverteilung bei dunkler (links) und heller (rechts) Oberfläche des Bestandsmauerwerks, links jeweils Außenoberfläche, rechts jeweils Innenwandoberfläche, Schrittweite in Tage, jeweils 24:00, innerhalb einer Woche. © Tobias Steiner

Nur Zusammenspiel führt zum Erfolg

Die Studie macht deutlich, dass viele technisch sinnvolle Maßnahmen ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn sie im Alltag konsequent angewendet werden. Gleichzeitig zeigt sie, dass einseitige Optimierungen – etwa ausschließlich auf möglichst niedrige Temperaturen – häufig zulasten anderer Komfortaspekte wie Tageslicht oder Raumluftqualität gehen.

Insgesamt belegen die Ergebnisse, dass sich durch intelligentes Lüften und Verschatten, gezielte Sanierungsmaßnahmen und eine geeignete Materialwahl auch künftig ein hoher sommerlicher Wohnkomfort erreichen lässt. Das gilt nicht nur für Neubauten, sondern ebenso für Gründerzeitgebäude und denkmalgeschützte Häuser. 
Die Studie liefert damit wertvolle Grundlagen für eine nachhaltige Anpassung des Gebäudebestands an den Klimawandel und bietet Orientierung für Eigentümer*innen und Planende sowie Bauträger.
(bt)

Autor: DI Dr. Tobias Steiner, IBO