„Derzeit gehe ich davon aus, dass wir auf diesem Niveau bleiben werden. Von einer dynamischen Erholung sind wir noch entfernt.“ Wolfgang Holzhaider, Landesinnungsmeister Bau Oberösterreich, macht sich keine gesteigerten Illusionen über den weiteren Geschäftsverlauf in diesem Jahr. Man könnte es auch so formulieren:  nichts Neues Ob der Enns.

Seite zwei Jahren seitwärts

Etwas ausführlicher: „Im Hochbau erleben wir seit rund zwei Jahren eine Seitwärtsbewegung. Die Situation hat sich weder deutlich verbessert noch verschlechtert“, so Holzhaider. „Der Markt bleibt hart umkämpft, weil der frei finanzierte Wohnbau massiv eingebrochen ist. Gleichzeitig ist auch das traditionell starke Segment des Einfamilienhauses deutlich zurückgegangen.“ Anfang des Jahres habe es zwar erste positive Signale, doch die Krise im Iran verbunden mit Unsicherheiten und steigenden Energiepreisen habe diese Entwicklung wieder gebremst (siehe auch das ausführliche Interview mit Holzhaider auf den Seiten 6 und 7).

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Holzhaiders Pendant vom Baunebengewerbe beurteilt die Lage recht ähnlich. „Die Situation ist nach wie vor sehr zäh. Zu Jahresbeginn, im Jänner und Februar, gab es noch einen gewissen Optimismus. Vieles schien wieder planbarer zu werden. Doch die geopolitischen Entwicklungen haben die Stimmung rasch kippen lassen. Das merkt man unmittelbar in unserer Branche“, meint Martin Greiner. Der Landesinnungsmeister des Baunebengewerbes glaubt zwar, dass der Tiefpunkt erreicht ist. Aber: „Einen großen Aufschwung erwarten wir derzeit nicht. Es wird ein schwieriges Übergangsjahr bleiben.“

Unsicherheit und Zinsen

Die Unsicherheit rund um die geopolitische Lage und steigende Zinsen wirken aus Sicht von Greiner bremsend. „Sobald die Zinsen steigen, werden Banken vorsichtiger, Investitionen zurückgestellt und auch private Bauherren halten sich zurück.“ Ausgenommen von der aktuellen Flaute ist nur eines der Gewerke, die er vertritt: die Brunnenmeister. „Aufgrund der anhaltenden Trockenheit versiegen vielerorts Brunnen, nicht nur in Oberösterreich, sondern österreichweit. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach ihren Leistungen“, erläutert Greiner.

Projekt der Habau auf der Westautobahn: Infrastruktur als Lichtblick für die Großen.
Projekt der Habau auf der Westautobahn: Infrastruktur als Lichtblick für die Großen. © Mike Wolf/Asfinag/Habau

Etwas und wohl

Etwas besser läuft es wohl bei den Zulieferern der oberösterreichischen Bauwirtschaft – wobei die Betonung auf „etwas“ und „wohl“ liegt. „Die Geschäftsentwicklung ist weiterhin von einem herausfordernden Marktumfeld geprägt. Positiv hervorzuheben sind einige Großprojekte sowie eine ganz leichte Erholung im Wohnbau“, sagt Heimo Berger, Geschäftsführer der Leube Gruppe. Der Chef des Baustoffherstellers schränkt aber gleich ein: „Gleichzeitig bewegen wir uns in einem intensiven Preiswettbewerb. Gestiegene Kosten, insbesondere in der Logistik, setzen die Margen zusätzlich unter Druck.“ Für das Gesamtjahr erwartet er „eine ähnliche Entwicklung wie bisher“.

Aktuell stabiler

Aus Sicht von Sui-Kai Lu, COO vom Betonfertigteil-Spezialist Oberndorfer, zeigt sich die Geschäftsentwicklung „aktuell stabiler als noch im Jahr 2025. Mengenmäßig ist eine leichte Erholung erkennbar. „Auch wenn es noch zu früh ist, von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen, da das Marktumfeld weiterhin von Unsicherheit geprägt ist.“ Positiv hervorzuheben sei vor allem der Industrie- und Gewerbebau. In diesem Bereich beobachte man weiterhin Investitionen sowie eine vorsichtig steigende Nachfrage nach effizienten Fertigteillösungen. „Vor allem bei Projekten, bei welchen Tempo, Qualität und Planungssicherheit entscheidend sind, kommen unsere Stärken gut zur Geltung“ meint Lu. Im Wohnbau bleibe die Lage hingegen angespannt. „Zahlreiche Vorhaben werden nach wie vor verschoben, gleichzeitig ist der Preisdruck am Markt hoch, was die gesamte Branche deutlich zu spüren bekommt.“

Moderate Steigerung

Für das Gesamtjahr geht man bei Oberndorfer insgesamt von einer vorsichtigen Stabilisierung aus. „Im Vergleich zu 2025 rechnen wir mit moderat steigenden Mengen, wobei der intensive Wettbewerb und der anhaltende Preisdruck bestehen bleiben.“ Mit einer abschließenden Prognose hält sich COO Lu aber zurück. Seine vorsichtige Einschätzung: „Maßgeblich wird sein, wie sich Zinsen und Investitionsbereitschaft entwickeln. Sollten die Zinsen nicht weiter steigen und sich die aktuell hohen Energiepreise infolge des Irankonflikts wieder normalisieren, erwarten wir eher eine schrittweise Erholung als einen raschen Aufschwung.“

Michael Wardian, Geschäftsführer der Kirchdorfer Gruppe, die ursprünglich in Kirchdorf an der Krems gegründet wurde, tut sich schwer, den Geschäftsverlauf isoliert für Oberösterreich zu betrachten. Das sei für eine internationale Gruppe schwierig, „denn wir produzieren ja in OÖ nicht nur für OÖ“. In den Kernbereichen Materials (Zement und Steinbrücke) und Concrete Solutions (Fertigteile) verzeichne man eine gute Entwicklung und gute Auftragseingänge. Dazu gehörte zum Beispiel ein Auftrag für die Produktion von Tübbingen in München.

Etwas zuversichtlicher

Wardian zeigt sich eine Spur zuversichtlicher als manche seiner Kollegen: „Ein Anziehen am Wohnungsmarkt wird von der großen Bauindustrie zwar erst mit 2028 prognostiziert, aber ich erwarte es schon etwas früher. Das Jahr 2026 schätze ich wieder als ein sehr herausforderndes Jahr für die Industrie ein“, sagt er. „Unser Ziel ist es dennoch, dieses so erfolgreich wie das Jahr 2025 abzuschließen. Ich gehe bei unserem derzeitigen Auftragsstand auch davon aus, dass wir das schaffen.“

Deutlich besser als das Baugewerbe und manche Lieferanten kommt die Bauindustrie durch die Wohnbauflaute. Das gilt auch für die Habau Group. Sie profitiert laut CEO Hubert Wetschnig „von ihrer breit aufgestellten Konzernstruktur und ihrer Position als Komplettanbieter entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Bauwesens“.  Während die Nachfrage im Hochbau in Oberösterreich wie auch österreichweit weiterhin verhalten bleib, verzeichne man eine sehr gute Auftragslage im Infrastrukturbereich – vor allem im Segment der Verkehrsinfrastruktur von ÖBB und Asfinag.

Belebung ab 2027

Für das restliche Jahr 2026 erwarte er keine grundlegenden Veränderungen. Der Fokus des Marktes verlagere sich weiterhin in Richtung Infrastruktur und Energie, während der Hochbau vorerst herausfordernd bleibe. Wetschnig: „Langfristig bin ich jedoch zuversichtlich: Der Bedarf an Wohnraum ist da, weshalb ich ab 2027 mit einer spürbaren Belebung des Marktes rechne.“