Wie läuft das aktuelle Geschäftsjahr für Ihre Branche? Wann rechnen Sie mit einer nachhaltigen Erholung?

Das Geschäftsjahr bleibt für die Baustoffindustrie herausfordernd. Die Gestehungskosten steigen während gleichzeitig der Markt schrumpft. Die Bauwirtschaft befindet sich mittlerweile seit fast sieben Jahren in einer Krise, die reale Wertschöpfung liegt rund ein Viertel unter dem Niveau von 2018. Hauptgrund ist die anhaltende Schwäche im Wohnbau infolge hoher Bau- und Finanzierungskosten sowie des massiven Rückgangs bei Baubewilligungen. Positiv ist, dass sich der Abwärtstrend zuletzt etwas abgeschwächt hat, von Stabilisierung sind wir aber weit entfernt. Derzeit erwarten wir eher eine Verbesserung der Situation in kleinen Schritten, als einen raschen Aufschwung. Unterstützend wirken derzeit die wieder gesunkenen Zinsen und deren stabile Entwicklung, die steigende Kreditnachfrage sowie die allgemein leicht verbesserte Konjunkturperspektive für Österreich.

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Was stimmt Sie zuversichtlich, was nachdenklich?

Zuversichtlich stimmt, dass der Bedarf an Wohnraum, Infrastruktur und energetische Sanierung unverändert hoch ist. Gebaut werden muss auch für die Zukunft. Unsere nach wie vor wachsende Gesellschaft braucht Wohnraum, Infrastruktur muss modernisiert werden und auch die Energiewende ist voranzutreiben. Der Baustoffindustrie kommt dabei eine zentrale Rolle zu, Gebäudesanierung, Dekarbonisierung und der Ausbau einer klimafitten Infrastruktur verlangt nach mineralischen Bau- und Rohstoffen. Nachdenklich stimmt mich, dass die Klimaschutzdebatte viel zu oft eine „gegen die Industrie“-Debatte ist. Das behindert Lösungen.

Was erwarten Sie sich von der Politik? Welche Maßnahmen sollte sie dringend setzen, um die Bauwirtschaft zu unterstützen?

Priorität haben Maßnahmen zur Belebung des Wohnbaus, raschere Genehmigungsverfahren und eine konsequente Förderung von Sanierungs- und Infrastrukturinvestitionen. Gerade der Wohnbau braucht neue Impulse, damit wieder mehr Projekte umgesetzt werden können. Was wir nicht brauchen, sind ungleiche Marktzugänge. Einseitige Förderungen egal welcher Bauweise oder Baustoffe sind Gift für Innovation und Marktentwicklung. Dagegen sprechen wir uns aus und erwarten von der Politik, dass sie faire und gleiche Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer setzt.