„Wir beteiligen uns grundsätzlich nur an Projekten, die einen konkreten Nutzen für die Bauwirtschaft bringen. Es geht nicht darum, einfach ein EU-Projekt durchzuführen oder Fördergelder abzurufen. Entscheidend ist, dass am Ende etwas entsteht, das Unternehmen und Beschäftigten tatsächlich weiterhilft.“ Die Aussage von Harald Kopececk, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Bau (ZAB) und der Bauakademie BWZ OÖ, bezieht sich auf ein Projekt, das genau diese Voraussetzungen aus seiner Sicht bestens erfüllt: Die Rede ist von „Smeralda“.
Kreative Lernformate
Wobei das nur die verkürzte Bezeichnung für das europäische Vorhaben ist. Genau genommen heißt es „Smeralda – Kreative Lernformate für die digitale und nachhaltige Transformation“. Und der Name auch schon recht deutlich an, worum es geht: Das Ziel ist, das Wissen über die Digitalisierung und den Umgang mit digitalen Tools in die Bautriebe zu bringen.
„Viele Bauunternehmen – insbesondere kleine und mittlere Betriebe – sind grundsätzlich bereit, sich weiterzuentwickeln. Was fehlt, sind oft die richtigen Werkzeuge: verständliche Erklärungen, niederschwellige Zugänge und Formate, die sich in einen vollen Arbeitsalltag integrieren lassen, ohne zusätzliche Überforderung zu erzeugen“, meint Kopececk. Diese niederschwelligen Formate sollen im Rahmen von Smeralda entwickelt werden.
Italien und Österreich
An dem Projekt nehmen neben der ZAB noch drei italienische Organisationen teil, die hier auch im Lead sind. Zudem beteiligen sich rund 20 kleine und mittelständische Unternehmen aus Italien und Österreich. Das Vorhaben läuft zwei Jahre. Bis dahin sollen konkrete Konzepte und Tools vorliegen.
Der Handlungsbedarf ist durchaus groß: International zeigt eine Studie des Consulters PWC, dass 82 Prozent der befragten Bauunternehmen und Planungsbüros fehlendes fachliches Know-how als Hauptproblem bei der Digitalisierung sehen. 81 Prozent kämpfen mit Fachkräftemangel. 66 Prozent erkennen das Potenzial von KI, doch nur 9 Prozent schätzen die eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich als stark ein. Die Schere zwischen Erkenntnis und Umsetzung wird größer, nicht kleiner.
Für Österreich zeichnen die Reifegrad-Studien der ZAB ein ähnlich ernüchterndes Bild: Sowohl in der Grundlagenstudie als auch in der Folgeerhebung wurde die heimische Baubranche durchgängig im Bereich des „Digital Beginners“ und bestenfalls im ersten Drittel des „Digital Followers“ eingestuft und das trotz eines breiten Bewusstseins für die Notwendigkeit des Wandels. Kurz gesagt: Die Branche weiß, wohin die Reise gehen soll, aber es fehlen die richtigen Werkzeuge und das nötige Know-how für den Weg dorthin.
Abhilfe durch Smeralda
Smeralda soll hier Abhilfe schaffen – und zwar „nicht mit schwerfälligen Schulungsprogrammen oder abstrakten Konzepten, sondern mit Lernformaten, die dort ansetzen, wo die Menschen wirklich stehen – im Betriebsalltag“, so Kopececk. Das Projekt knüpft dabei an den Ergebnissen des Vorgängerprojekts „Digitaler Reifegrad“ an. Gemeinsam mit rund 20 KMU-Betrieben wurde zunächst erhoben, wo die Unternehmen digital und organisatorisch stehen – und wo es hakt. Diese Bedarfsanalyse bildet die Grundlage für das, was nun folgt. Dabei geht es vor allem darum, wie Inhalte aufbereitet werden.
Statt trockener Handbücher setzen die Projektpartner auf Methoden, die aus der modernen Erwachsenenbildung bekannt sind, in der Baubranche aber bisher kaum Einzug gehalten haben: Kurze Videos, interaktive Elemente und anschauliche Grafiken sollen komplexe Themen greifbar machen, ob es um den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen geht, um die Einführung neuer Software oder um grundlegende Fragen der Betriebsorganisation. Das Ziel: Die Inhalte sind alltagstauglich konzipiert. Sie können in bestehende Abläufe eingebettet werden, ohne den Betrieb zu bremsen.
