„Wir können nicht stehen bleiben, wir müssen die Zukunft entwickeln“, sagt Roland Gruber, Gründer und Partner bei nonconform, bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Herausforderungen seien klar: steigende Baukosten, wachsender Flächenverbrauch und zunehmender Druck zur Klimaneutralität. Die klassische Antwort darauf sei jedoch nach wie vor dieselbe: Neubau. Genau hier setzt die Baureduktionsplanung an. „Der beste Quadratmeter ist der, der nicht gebaut werden muss“, so Gruber.

Im Zentrum steht die sogenannte „Phase Null“. Noch bevor überhaupt geplant wird, geht es darum, den tatsächlichen Bedarf zu klären, Nutzungen zu hinterfragen und bestehende Strukturen neu zu denken. Gebäude werden nicht als statische Objekte verstanden, sondern als Systeme, die sich flexibel nutzen lassen, je nach Tageszeit, Nutzer*innengruppe oder organisatorischem Konzept. Dieser Zugang ist nicht nur eine planerische, sondern auch eine kulturelle Herausforderung. Viele Projekte starteten nach wie vor mit einem „Wunsch ans Christkind“, sagt Gruber. „Es werden Wunschzettel erstellt, ohne zu klären: Was brauchen wir wirklich?“ Mehr Zeit und Ressourcen in der Anfangsphase zu investieren, lohne sich jedoch: „Das reduziert langfristig die Kosten.“

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FH Campus gedanklich leer geräumt

Wie diese Logik konkret funktioniert, zeigt der Campus der FH Vorarlberg in Dornbirn. Über Jahre gewachsen, ergänzt durch zahlreiche Zubauten, war die Struktur komplex und wenig effizient. „Wir haben den Campus gedanklich leergeräumt“, sagt Johanna Treberspurg, Partnerin bei nonconform. In Workshops wurde die gesamte Organisation neu gedacht, Fachbereiche wurden anders angeordnet, Nutzungen neu verteilt. Das Ergebnis: Der Standort konnte erhalten und weiterentwickelt werden. Statt einer großflächigen Expansion wurde kompakt weitergebaut, bestehende Gebäude wurden besser genutzt. „Durch viel Hirnschmalz ist ein Mehr an Nutzfläche entstanden und gleichzeitig ein Mehr an Arbeitsqualität, mehr Leben am Campus und anpassungsfähigere Räume.“

FH Vorarlberg in Dornbirn: Durch Neuorganisation und kompakte Erweiterung konnte der Campus im Bestand weiterentwickelt werden.
FH Vorarlberg in Dornbirn: Durch Neuorganisation und kompakte Erweiterung konnte der Campus im Bestand weiterentwickelt werden. © nonconform

Schule im Bestand: Kottingbrunn

Ein ähnlicher Ansatz wurde in der Volksschule Kottingbrunn verfolgt. Das Gebäude aus den 1960er-Jahren war technisch veraltet und funktional überholt. „Es war eine typische Gangschule“, sagt Wolfgang Haas, Gemeinderat in Kottingbrunn. Über die Jahre wurde das Gebäude zwar erweitert, jedoch ohne grundlegende funktionale Anpassung. Die Folge: steigender Raumbedarf, aber keine Verbesserung der Nutzung. Im Rahmen eines intensiven Beteiligungsprozesses wurden Anforderungen neu definiert und der Bestand grundlegend überarbeitet. Ziel war es, Lernen, Betreuung und gemeinschaftliche Nutzung besser miteinander zu verzahnen. „Am Ende waren alle begeistert“, so Haas. Das Projekt zeigt, dass Baureduktion nicht Verzicht bedeutet, sondern eine qualitative Verbesserung.

Volksschule Kottingbrunn: Der Bestand wurde funktional neu organisiert und durch flexible Nutzungen zukunftsfit gemacht.
Volksschule Kottingbrunn: Der Bestand wurde funktional neu organisiert und durch flexible Nutzungen zukunftsfit gemacht. © nonconform

Bankbestand: Kärntner Sparkasse

Auch im privaten Sektor gewinnt der Ansatz an Bedeutung. Die Kärntner Sparkasse stand vor der Entscheidung, einen neuen Standort zu errichten oder den bestehenden weiterzuentwickeln. „Wir haben uns bewusst gegen einen Neubau entschieden“, sagt Markus Ogris-Linder, Leitung Human Resources bei der Kärntner Sparkasse in Klagenfurt. Stattdessen wurde der historische Bestand im Stadtzentrum transformiert. Entstanden ist eine offene Arbeitswelt mit multifunktionalen Flächen, neuen Begegnungszonen und erweiterten Nutzungen. „Das Haus brummt jetzt wie ein Bienenstock“, so Ogris-Linder. Neben klassischen Bankfunktionen bietet das Gebäude heute auch Raum für Veranstaltungen, Austausch und neue Formen der Interaktion.

Kärntner Sparkasse in Klagenfurt: Der denkmalgeschützte Bestand wurde zur offenen Arbeitswelt mit vielfältigen Nutzungen weiterentwickelt. © nonconform

Region entwickeln: Hochschwarzwald

Im Hochschwarzwald geht der Ansatz über einzelne Gebäude hinaus. Hier begleitet nonconform einen Entwicklungsprozess in einer gesamten Tourismusregion mit 21 Gemeinden. „Wir müssen uns fragen: Wofür stehen wir?“, sagt Patrick Schreib, Geschäftsführer Hochschwarzwald Tourismus. Statt Wachstum durch immer neue Angebote setzt die Region auf Konsolidierung und Profilbildung. Konkret bedeutet das auch Reduktion. „Wir machen eine Inventur“, so Schreib. Das bestehende Angebot wird überprüft, Überkapazitäten werden abgebaut. So soll etwa das Wanderwegenetz deutlich reduziert werden. Ziel ist mehr Qualität statt Quantität. „Weniger ist mehr“ wird zur strategischen Leitlinie, ein Ansatz, der sich bewusst vom bisherigen Wachstumsdenken im Tourismus abgrenzt.

Hochschwarzwald: In 21 Gemeinden wird touristische Infrastruktur neu bewertet und gezielt reduziert, um Qualität und Profil zu stärken.
Hochschwarzwald: In 21 Gemeinden wird touristische Infrastruktur neu bewertet und gezielt reduziert, um Qualität und Profil zu stärken. © nonconform

Ortskern stärken: Ruhstorf an der Rott

Wie Baureduktion im kommunalen Kontext wirkt, zeigt das Beispiel Ruhstorf an der Rott bei Passau. Ein leerstehender Gasthof im Ortszentrum wurde zum Ausgangspunkt für eine umfassende Entwicklung. „Wir haben nicht auf die Probleme geschaut, sondern auf die Qualitäten“, sagt Katharina Forster, Partnerin bei nonconform über das Projekt. Im Beteiligungsprozess wurden verborgene Potenziale sichtbar: ein Bach hinter dem Gebäude, gewachsene Grünstrukturen, identitätsstiftende Elemente. Forster spricht von „goldener Energie“, also immateriellen Werten, die einen Ort prägen. Auf dieser Basis entstand eine Vision für die Weiterentwicklung. Heute ist ein neuer Ortsplatz entstanden, der als Treffpunkt genutzt wird. „Ein gelungenes Stück Ortskern“, so Forster. Mehr Aufenthaltsqualität, weniger versiegelte Fläche und stärkere Einbindung der Bevölkerung sind das Ergebnis.

Ruhstorf an der Rott: Durch Aktivierung vorhandener Qualitäten entstand ein neuer Ortsplatz mit hoher Aufenthaltsqualität.
Ruhstorf an der Rott: Durch Aktivierung vorhandener Qualitäten entstand ein neuer Ortsplatz mit hoher Aufenthaltsqualität. © Rottaler Fotofreunde via nonconform

Transformation im großen Maßstab

Ein besonders großes Projekt ist das ehemalige Industrieareal in Bergisch Gladbach bei Köln. Nach der Schließung einer Papierfabrik stand ein 37 Hektar großes Gelände leer. Die erste Reaktion: Abriss und Neubau. „Wir durften dabei sein, das Areal neu zu denken“, sagt Gruber. Stattdessen wurde die bestehende Struktur erhalten und schrittweise neu belebt. Erste Teile des Areals werden bereits eröffnet. Für Gruber steht dahinter ein grundlegendes Prinzip: „Wir müssen aus dem Donut wieder einen Krapfen machen“, also ausgehölte Ortskerne stärken.

Zanders-Areal in Bergisch Gladbach: Ein ehemaliges Industriegebiet wird schrittweise transformiert und neu belebt.
Zanders-Areal in Bergisch Gladbach: Ein ehemaliges Industriegebiet wird schrittweise transformiert und neu belebt. © nonconform

Zwischen Anspruch und Realität

Dass dieser Ansatz nicht immer einfach umzusetzen ist, wurde in der Diskussion im Rahmen der pressekonferenz deutlich. „Der Schmerz entsteht oft beim Umsetzen, am Ende ist die Freude aber groß“, sagt etwa Patrick Schreib. Ein entscheidender Faktor sei Vertrauen zwischen Planung, Politik und Bevölkerung. Prozesse seien individuell und nicht standardisierbar. Gleichzeitig spielt auch der finanzielle Druck eine Rolle. „Die Bürgermeister haben weniger finanzielle Mittel, das darf man nicht unterschätzen“, sagt Roland Gruber. Gerade knappe Budgets würden dazu zwingen, genauer zu überlegen, wofür investiert wird, denn „gar nichts zu investieren geht nicht“, so Gruber. Der Druck führe dazu, bestehende Strukturen intensiver zu hinterfragen und damit letztlich auch neue Lösungen zu entwickeln.

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