„Niemand auf der Baustelle hat Lust, eine Software zu lernen.“ Jan Wolber, Co-Founder und Geschäftsführer des deutschen Bausoftware-Anbieters Valoon, macht sich keine Illusionen über die Bereitschaft der Beschäftigten am Bau, sich ausgiebig mit anspruchsvoller Technologie zu befassen: „Dafür ist keine Zeit. Dort wird gearbeitet.“

WhatsApp als Einstieg

Das junge Unternehmen mit Hauptsitz in Dortmund hat allerdings ein KI-gestütztes Tool entwickelt, das den Akteurinnen und Akteuren auf der Baustelle den Umgang mit der Technik zur Kommunikation und Dokumentation deutlich erleichtern soll. Dabei setzt man auf ein Tool, das selbst den größten Software-Verweigerern geläufig ist – den Messenger-Dienst WhatsApp.

Werbung
XXXLutz Linz – ein Nutzdach über der Stadt
Beim neuen XXXLutz an der Linzer Donaulände übernimmt das Dach viele Aufgaben: Auf rund 10.000 m² bietet eine Dachterrasse mit Gastronomie den Blick über Linz, begrünte Flächen halten Regenwasser zurück und eine PV-Anlage gewinnt Energie.

Besagte Anwendung wird in der Praxis bereits sehr häufig eingesetzt: Fotos, kurze Nachrichten und Absprachen werden vielfach über WhatsApp oder ähnliche Message-Dienste verschickt. Wolber kennt das aus eigener Erfahrung: „Als Bauleiter habe ich 30 bis 50 WhatsApp-Nachrichten pro Tag erhalten“, meint er. „Die Kommunikation funktioniert damit zwar schnell, die strukturierte Dokumentation bleibe jedoch häufig auf der Strecke. Informationen verschwinden im Chatverlauf, Fotos lassen sich später nur schwer zuordnen und Absprachen werden nicht systematisch archiviert.“

Lücke schließen

Valoon versucht, genau diese Lücke zu schließen. „Wir lassen den Mitarbeitern draußen auf der Baustelle WhatsApp oder den Messenger, den sie gerne benutzen möchten. Auf der anderen Seite schaffen wir für das Büro eine Projektmanagement-Oberfläche. Dazwischen stellen wir die Verbindung her“, erklärt Wolber. Der große Vorteil: Die Beschäftigten müssen damit keine klassische Projektmanagementsoftware erlernen, während die Informationen im Büro dennoch strukturiert verarbeitet werden können.

Über Valoon lassen sich unter anderem Fotodokumentationen, Stundenzettel, Rapporte, Mangelrügen, Behinderungsanzeigen, Aufmaße und Begehungsprotokolle erstellen. Auch Bautagesberichte, Service-Rapporte, Zeiterfassung oder die Verarbeitung von Lieferscheinen sind möglich. Unternehmen können darüber hinaus eigene Berichte und Formulare konfigurieren, beispielsweise für Arbeitsnachweise, Urlaubsanträge oder andere betriebliche Abläufe.

Der Einstieg soll möglichst einfach bleiben. Beschäftigte können einen QR-Code scannen und gelangen damit direkt zu WhatsApp. Dort erfolgt die Registrierung, anschließend stehen über Menüs und Buttons die jeweils benötigten Funktionen zur Verfügung. Möglich wird das durch die technische Schnittstelle zum Messenger. „Er muss keine neue Software erlernen. WhatsApp ist für ihn das Einstiegsportal“, sagt Wolber. Eine eigene Valoon-App gibt es ebenfalls, sie ist für die Nutzung des Systems aber nicht zwingend erforderlich.

Zwei Medien

Wolber geht davon aus, dass die Dokumentation auf Baustellen künftig vor allem über zwei Medien erfolgen wird: Sprache und Fotos. Valoon bietet den Benutzerinnen und Benutzern daher zwei Möglichkeiten der Eingabe: Statt am Smartphone Formularfelder auszufüllen, können sie auch eine Sprachnachricht schicken. Sie können beispielsweise angeben, auf welcher Baustelle sie gearbeitet haben, wer beteiligt war, wie lange die Arbeiten gedauert haben und welche Tätigkeiten ausgeführt wurden. Ergänzend können Fotos übermittelt werden.

„Die KI analysiert die Sprachnachricht und legt daraus beispielsweise einen Bautagesbericht oder Stundenzettel an“, erläutert Wolber. Das Ergebnis landet strukturiert bei der verantwortlichen Person im Büro und kann bei Bedarf bereits auf der Baustelle unterschrieben werden. Die Beschäftigten erhalten zudem eine Rückmeldung darüber, welche Angaben die Software erfasst hat, und können den daraus erstellten Bericht kontrollieren. „Das Ziel ist nicht, dem Nutzer einfach zu sagen: Vertrau der KI. Er soll kontrollieren können, was daraus entstanden ist.“

Unterschiedliche Sprache

Eine weitere Funktion betrifft ein Problem, das auf vielen Baustellen zum Alltag gehört: unterschiedliche Sprachen. Beschäftigte können ihre Angaben in ihrer jeweiligen Muttersprache einsprechen. Die Informationen werden übersetzt und können im Büro in der dort verwendeten Sprache weiterverarbeitet werden. „Das senkt die Hürde noch einmal deutlich“, sagt Wolber. „Bei einem Baustellenbesuch habe ich vor Kurzem zehn Handwerker angesprochen, von denen acht nicht auf Deutsch antworten konnten.“

Der entscheidende Vorteil des Systems liege daher weniger in möglichst vielen Funktionen als in einer möglichst niedrigen Nutzungsschwelle. „Beschäftigte wechseln mitunter mehrfach pro Woche die Baustelle. Müssten sie für unterschiedliche Projekte jeweils eine andere Anwendung installieren und erlernen, stoße die Digitalisierung rasch an praktische Grenzen. „Die größte Herausforderung besteht überhaupt darin, die Leute zum Dokumentieren zu bringen“, sagt Wolber. Dokumentation müsse deshalb mit möglichst wenig zusätzlichem Aufwand parallel zur eigentlichen Bautätigkeit möglich sein.

5.000 Bautsellen

Rund zwei Jahre nach dem Marktstart wird Valoon laut Wolber mittlerweile auf gut 5.000 Baustellen eingesetzt. Rund 80 Prozent des Geschäfts entfallen derzeit auf den DACH-Raum. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Rhomberg Sersa, Baucov, Steuer Group und Alu Group. Nun will man das internationale Wachstum forcieren. „Unser Ziel ist, die Zahl der Kunden jedes Jahr zu verdreifachen.“

Hier finden Sie weitere Informationen: