Holzbau sei heute weit mehr als die Entscheidung für einen Baustoff, heißt es seitens der Veranstalter. Architektur und Engineering, industrielle Fertigung, Kreislaufwirtschaft und wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssten zusammenspielen, wenn Holzbau in größerem Maßstab eingesetzt werden soll. Genau hier setzte die erste Alpen-Adria-Holzbau-Fachtagung „Holistic Wood – Ganzheitliches Bauen mit Holz im Alpen-Adria-Raum“ an.
Initiiert wurde die Fachtagung von der CU Carinthia University of Applied Sciences | Hochschule Kärnten gemeinsam mit der Forschungsgruppe Innovative, Circular Wood (ICWO) und dem Timber Innovation Network Alpe Adria (TINAA). Sie fand am 3. September 2026 im Rahmen der Internationalen Holzmesse Klagenfurt statt. Fachleute aus Österreich, Slowenien und Italien brachten dabei unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen ein.
Holzbau aus unterschiedlichen Blickwinkeln
Das Programm reichte von Kreislaufwirtschaft und mehrgeschossigem Holzbau über industrielle Fertigung und Verbindungstechnologien bis hin zu Finanzierung, Lebenszykluskosten und Skalierbarkeit. Damit griff die Tagung Themen auf, die in der Praxis oft getrennt voneinander behandelt werden.
Zum Auftakt stellte Richard Woschitz, Stiftungsprofessor für innovativen und zirkulären Holzbau an der CU Hochschule Kärnten in Villach, die Bedeutung des Alpen-Adria-Raums für den Holzbau in den Mittelpunkt. Dabei ging es vor allem um die stärkere Vernetzung von Wissenschaft, Forschung und Praxis sowie um die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg. Gute Voraussetzungen dafür biete die Region bereits heute: 43 Prozent der österreichischen Wertschöpfung im Forst- und Holznetzwerk entfallen laut Woschitz auf die Steiermark und Kärnten. Die Stiftungsprofessur soll diese Kompetenzen stärker verbinden und neue Kooperationen im Alpen-Adria-Raum unterstützen.
Die anschließende Keynote von Bettina Gossak-Kowalski, Architektin bei Circulate ZT, beschäftigte sich mit der Bauwende und dem Schritt vom reinen Materialdenken hin zu einem umfassenderen Systemdenken. Beim zirkulären Bauen gehe es demnach nicht nur um die Errichtung eines Gebäudes, sondern um seinen gesamten Lebenszyklus, von der Materialwahl über die Nutzung bis hin zu Rückbau und Wiederverwendung.
Von Holz-Hybridbau bis Verbindungstechnologien
Wie sich Holzbau vom Einzelprojekt in Richtung breiterer Anwendung entwickeln kann, zeigte Much Untertrifaller, Architekt bei Dietrich Untertrifaller Architekten ZT, anhand des Wiener Wohnbauprojekts B.R.I.O. Der Holz-Hybridbau verbindet ein konsequentes Planungsraster mit einem hohen Vorfertigungsgrad. Vorgefertigte Holzrahmenwände und Betonelemente zeigen dabei, wie sich Bauabläufe verkürzen und gleichzeitig Qualität und Planungssicherheit erhöhen lassen sollen.
Einen Blick nach Slowenien gab Rok Žnidaršič, Architekt bei Medprostor. Anhand verschiedener Projekte im öffentlichen Raum zeigte er, wie Holz sowohl bei Neubauten als auch bei Erweiterungen und Umbauten eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt standen dabei Architektur, Materialwahl und die Ausarbeitung konstruktiver Details.
Einblicke in großmaßstäbliche und internationale Holzbauprojekte gaben Anton Wanas und Jürgen Endler von Rubner Holzbau. Anhand von Projekten vom Pyramidenkogel in Kärnten bis zum Clark International Airport auf den Philippinen zeigten sie unterschiedliche Anforderungen an Planung und Umsetzung komplexer Holzkonstruktionen.
Auch die wirtschaftliche Seite des Holzbaus war Teil des Programms. Bernhard Egert von UBM Development ging der Frage nach, ob Holz künftig als eigene Assetklasse betrachtet werden kann. Dabei standen Finanzierung, Lebenszykluskosten, ESG-Kriterien, EU-Taxonomie und die wirtschaftliche Skalierbarkeit im Mittelpunkt.
Andreas Ringhofer von der TU Graz in Graz widmete sich schließlich der Zukunft von Verbindungstechnologien im Holzbau. Neben Tragfähigkeit und Bemessung spielen demnach zunehmend auch Materialeinsatz, Rückbaubarkeit und Kreislauffähigkeit eine Rolle. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf digitalen Fertigungsmethoden und neuen Ansätzen in der Entwicklung von Holzverbindungen.
Zusammenarbeit über Fach- und Landesgrenzen hinweg
Ein wesentlicher Gedanke von Holistic Wood war es, unterschiedliche Bereiche des Holzbaus an einen Tisch zu bringen. Architektur traf auf Engineering, Forschung auf industrielle Praxis und technische Entwicklung auf Fragen der Finanzierung.
Gleichzeitig stand der Austausch zwischen Österreich, Slowenien und Italien im Mittelpunkt. Gerade diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit biete Möglichkeiten, vorhandenes Wissen besser zu nutzen, gemeinsame Forschungsprojekte zu entwickeln und neue Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen aufzubauen.
Zum Abschluss diskutierten Vertreter*innen aus allen drei Ländern im Panel „Alpen-Adria 2035 – Wird Holz der neue Standard?“ darüber, welche technischen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, damit Holzbau künftig breiter eingesetzt werden kann.
Eine neue Plattform für den Holzbau
Mit Holistic Wood wurde erstmals ein Format geschaffen, das unterschiedliche Bereiche des Holzbaus zusammenführt und gleichzeitig die Vernetzung im Alpen-Adria-Raum stärken soll. Für die CU Carinthia University of Applied Sciences | Hochschule Kärnten und die Forschungsgruppe ICWO ist die Tagung Teil eines längerfristigen Ansatzes: Forschung, Lehre und Praxis sollen enger miteinander verbunden und die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region weiter ausgebaut werden. Die Premiere in Klagenfurt habe dafür einen ersten gemeinsamen Treffpunkt für den fachlichen und grenzüberschreitenden Austausch gebildet.