In der tschechischen Stadt Neratovice entsteht derzeit die Dreifaltigkeitskirche mit dem Kardinal-Josef-Beran-Gemeinschaftszentrum. Nach Angaben der Projektbeteiligten handelt es sich um die weltweit erste Kirche, bei der 3D-Betondruck in diesem Umfang zum Einsatz kommt. Neben Teilen des Turms und dem Pfarrhaus soll auch das Hauptschiff mithilfe der Technologie errichtet werden.

© Nadace Neratovického komunitního centra

Generalunternehmer ist die internationale Baugruppe HSF System aus der Purposia Group. Der architektonische Entwurf stammt von Zdeněk Fránek. Bauherr ist die Stiftung des Gemeinschaftszentrums Neratovice. Das erste Untergeschoß einschließlich Fundamente und eines Teils der Turmkonstruktion ist laut Projektangaben bereits fertiggestellt. Auch die Decke darüber sowie die Fundamentkonstruktion des künftigen Pfarrhauses wurden ausgeführt.

Werbung
Leichtes Metall, gewichtige Fragen: ALUMINIUM 2026 in den Startlöchern
In wenigen Wochen wird Düsseldorf zum Treffpunkt der internationalen Aluminiumindustrie. Vom 6. bis 8. Oktober 2026 bringt die ALUMINIUM mehr als 800 Aussteller und über 21.000 Fachbesucher aus mehr als 100 Ländern zusammen – entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Rohstoffen und Halbzeugen über Maschinen, Anlagen und Oberflächentechnik bis zu Recycling.

Hauptschiff aus rund 870 individuellen Elementen

Als nächster wesentlicher Bauabschnitt steht das Hauptschiff an. Sowohl die äußere als auch die innere Schale sollen aus 3D-gedruckten Bauteilen bestehen. Die Elemente fungieren als exakt geformte verlorene Schalung. Sie werden mit Bewehrung verbunden und durch Stahlbetonrippen sowie Ringanker ergänzt. Zwischen den Schalen ist eine Wärmedämmung vorgesehen. Der 3D-Betondruck ermöglicht es laut HSF System, die organische Architektur mit gekrümmten Wänden unmittelbar aus digitalen Modellen umzusetzen. Bei einer konventionellen Bauweise wären dafür große Mengen individuell angefertigter Schalungen notwendig.

© Nadace Neratovického komunitního centra

„Jedes der rund 870 Elemente erhält seinen exakt festgelegten Platz in der Konstruktion. Es handelt sich also nicht um serienmäßig hergestellte identische Blöcke, sondern um eine Vielzahl individueller Komponenten, die jeweils für eine konkrete Position im Gebäude gefertigt werden“, erklärt Martin Janoušek, Bauleiter bei der Baugruppe HSF System.

Drei Verfahren für den 3D-Betondruck

Bei der Umsetzung arbeitet HSF System mit der Tochtergesellschaft Coral Construction Technologies zusammen. Je nach Gebäudeteil kommen drei unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Für das Hauptschiff werden einzelne Bauteile vorgefertigt und anschließend in die Konstruktion integriert. Beim Turm werden die gedruckten Blöcke nach dem Versetzen vollständig mit Beton ausgegossen. Hintergrund ist dessen zusätzliche Nutzung: Die Außenseite soll als öffentlich zugängliche Kletterwand dienen und muss entsprechend belastbar ausgeführt werden.

© Nadace Neratovického komunitního centra

Beim Pfarrhaus wiederum ist ein direkter Druck auf der Baustelle vorgesehen. Ein Bauroboter soll dort die Konstruktion vor Ort schichtweise herstellen. Durch Zusatzmittel werden laut Coral Construction Technologies die Eigenschaften des Betons an das jeweilige Druckverfahren und die konstruktiven Anforderungen angepasst.

Organische Architektur ohne aufwendige Schalung

Architekt Zdeněk Fránek hat die Kirche als organische Struktur mit gewölbten Ovalen, fließenden Übergängen und gekrümmten Linien konzipiert. Vor Baubeginn wurde auf der Baustelle deshalb ein Versuchselement der gekrümmten Wände im Maßstab 1:1 hergestellt. Damit wurden laut Projektbeteiligten das geplante Konstruktionssystem und dessen Stabilität überprüft. Neben der kirchlichen Nutzung soll das neue Zentrum Räume für kulturelle und gesellschaftliche Aktivitäten bieten. Geplant sind unter anderem Klub- und Unterrichtsräume, eine Galerie, Ausstellungsflächen, ein Café und ein Mehrzwecksaal.

Visualisierung des Projekts bei Nacht
© Fránek Architects

Die erste Bauetappe mit dem Rohbau des Hauptteils der Kirche soll nach aktuellem Zeitplan Mitte 2027 abgeschlossen werden. Danach folgen Turm, Pfarrhaus sowie Innen- und Außenarbeiten. Die vollständige Eröffnung ist für Ende 2028 vorgesehen. Das Projektbudget beträgt rund 250 Millionen tschechische Kronen exklusive Umsatzsteuer. Nach Angaben der Stiftung sind derzeit rund 115 Millionen Kronen der Finanzierung gesichert.