„Der Klimaschutz steht nicht mehr nur unter Rechtfertigungsdruck. Er wird in vielen Diskussionen sogar verleugnet.“ Günther Achs, Geschäftsführer des Ingenieurbüros FCP.VCE und Vorsitzender der Klina-Initiative, thematisierte zur Eröffnung des Klina Tages 2026 den politischen und wirtschaftlichen Gegenwind. „Maßnahmen werden sehr oft nicht als Investition in die Zukunft gesehen, sondern als zusätzliche Kosten. Dabei greift die Frage, wie wir uns Klimaschutz in einer Wirtschaftskrise leisten können, zu kurz“, so Achs weiter. Beim Klina Tag diskutierten rund 120 Fachleute aus Forschung und Praxis darüber, wie Klimaschutz vom Wissen ins Handeln kommt. Im Fokus standen verlässliche politische Rahmenbedingungen und konkrete Lösungen für Gebäude und Infrastruktur. Der Tenor unter dem Motto „Just Do It Green“: Die Instrumente sind vielfach vorhanden – umgesetzt werden sie zu langsam.
Wer ist zuständig?
Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb nahm in ihrer Keynote „Wer ist eigentlich zuständig für Klimaschutz?“ die Politik in die Pflicht. Technische Lösungen allein reichten nicht aus. Es brauche verlässliche Regeln, die klimafreundliches Handeln erleichtern, statt Veränderungen durch kurzfristige Eingriffe abzuschwächen. In der Podiumsdiskussion kritisierte sie als Beispiel die Spritpreisbremse: Werden Preissignale politisch abgefedert, sinke der Anreiz, Mobilitätsverhalten und Strukturen anzupassen. Kurzfristige Entlastung könne damit langfristige Anpassungen verzögern.
Kromp-Kolb forderte eine ehrliche Bestandsaufnahme der Klimapolitik, verbindliche Vorgaben für die Wirtschaft sowie Klimaschutz und Klimawandelanpassung mit gleichem Gewicht. Carbon Capture and Storage dürfe nicht zum Vorwand werden, Emissionsreduktionen aufzuschieben. Neben erneuerbaren Energien müssten Effizienz, Suffizienz und ein geringerer Energieverbrauch stärker in den Mittelpunkt rücken.
Verantwortung ende jedoch nicht bei der Politik. Kromp-Kolb unterschied zwischen dem ökologischen Fußabdruck – den eigenen Auswirkungen auf Umwelt und Klima – und dem Handabdruck, also dem Einfluss auf andere und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Gefragt seien daher sowohl klimafreundliches Verhalten als auch Engagement im beruflichen Umfeld, in öffentlichen Debatten und gegenüber der Politik.
Nicht nur Fassaden
Auch Fassadenbegrünung zeige die Grenzen isolierter Maßnahmen: Begrünte Fassaden können Gebäude und Stadträume kühlen. Sie würden jedoch nicht ausreichen, um den Klimawandel einzudämmen, und ihre Wirkung hängt von den örtlichen Bedingungen ab. Fehlt in Hitze- und Trockenperioden das Wasser für die Pflanzen, sinkt auch deren Kühleffekt.
Expert*innen aus Wissenschaft, Planung und Baupraxis zeigten anschließend konkrete Ansätze für klimagerechtes Bauen. Die Beiträge reichten von nachhaltigem Brückenbau, Zertifizierung und Baukultur über Mobilität und Bauwerksbegrünung bis zu Erdwärmekonzepten, Klimarisikoanalysen und klimaangepassten Entwässerungslösungen. Damit verband das Programm politische Voraussetzungen mit Instrumenten für Planung, Errichtung und Betrieb.
Die Psychologin Maria Resch erklärte in ihrer abschließenden Keynote „Smart genug für die Analyse – zu menschlich für die Lösung“, warum Wissen nicht automatisch zu entsprechendem Verhalten führt: Bequemlichkeit, Routinen, Zeitdruck oder ungünstige äußere Bedingungen ließen den „inneren Schweinehund“ häufig gewinnen.
Klimaschutz könne nicht davon abhängen, dass Menschen ausgeschlafen seien, genügend Zeit hätten und ideale Bedingungen vorfänden – das wären „Laborbedingungen“. Nachhaltiges Verhalten müsse einfach, naheliegend und alltagstauglich werden, gerade wenn die bequemere Entscheidung in eine andere Richtung weist. Resch schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Kromp-Kolb: für einen bewussten Umgang mit unseren Ressourcen dürfen wir unseren hohen, teils luxuriösen Lebensstandard nicht mit Lebensqualität gleichsetzen.