Die Rahmenbedingungen für Klinikprojekte verändern sich grundlegend. Technologische Entwicklungen, steigender Kostendruck und eine zunehmende Komplexität in der medizinischen Versorgung treffen auf langfristige Planungs- und Bauprozesse. Das Ergebnis ist ein Spannungsfeld, das neue Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb von Klinikimmobilien stellt. Dies ist das zentrale Fazit des Branchentreffs „Klinikimmobilie der nächsten Generation“ des Planungs-, Beratungs- und Projektmanagementunternehmens Drees & Sommer in Wien.
Vertreterinnen und Vertreter aus Planung, Bau und Klinikbetrieb diskutierten auf der Veranstaltung, wie sich Klinikimmobilien unter zunehmend dynamischen und unsicheren Rahmenbedingungen zukunftsfähig entwickeln lassen. „Die Herausforderungen im Gesundheitsbau lassen sich heute nicht mehr isoliert betrachten. Erst im Austausch zwischen Planung, Bau und Betrieb entsteht ein gemeinsames Verständnis dafür, wie Klinikimmobilien künftig funktionieren müssen“, erklärt Veranstalter Jürgen Zimmermann, Architekt bei Drees & Sommer.
Klinikprojekte zwischen langen Bauzeiten und schnellem Wandel
Klinikprojekte sind langfristig angelegt, treffen jedoch auf ein Umfeld, in dem sich Medizintechnik, Prozesse und Versorgungsanforderungen deutlich schneller verändern, als Gebäude realisiert werden können. In der Praxis bedeutet das, dass Kliniken auf Basis des aktuellen Stands geplant werden, bei Inbetriebnahme jedoch häufig nicht mehr optimal zu den tatsächlichen Anforderungen passen.
Diese Entwicklung wird durch mehrere Faktoren gleichzeitig verstärkt. Der demografische Wandel führt zu einer älter werdenden Patientenschaft und zu komplexeren Krankheitsbildern mit höherem Versorgungsbedarf. Gleichzeitig verändern sich Behandlungsansätze und Versorgungsmodelle, etwa durch stärker individualisierte Therapien oder den Einsatz von Robotik und künstlicher Intelligenz in Diagnostik und Therapie. Parallel dazu steigt der wirtschaftliche Druck durch begrenzte Budgets, während volatile Preise für Materialien und Energie sowie Fachkräftemangel die Planbarkeit zusätzlich erschweren. Hinzu kommen neue Anforderungen im Vergaberecht.
Technologie allein reicht nicht – Integration entscheidet
Eine zentrale Erkenntnis aus dem fachlichen Austausch ist, dass nicht die Technologie allein über den Erfolg von Innovationen entscheidet, sondern deren Integration in bestehende Strukturen. Praxisbeispiele zeigen, dass selbst hochentwickelte Systeme keinen Mehrwert entfalten, wenn sie nicht in Prozesse, Abläufe und räumliche Voraussetzungen der jeweiligen Gesundheitseinrichtung eingebettet sind.
„Klinikprojekte lassen sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen nur dann erfolgreich umsetzen, wenn Planung, Bau und Betrieb von Beginn an integriert gedacht werden. Genau hier setzt der Ansatz der Gesamtabwicklung an“, betont Gerald Herndlhofer, Partner und Geschäftsführer von Drees & Sommer Österreich.
Gebäude als Teil eines dynamischen Systems
Für die Planung und Umsetzung von Klinikprojekten ergeben sich daraus klare Anforderungen: Gebäude müssen flexibel und anpassungsfähig konzipiert werden, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können. Gleichzeitig ist es erforderlich, Prozesse und Nutzung von Beginn an mitzudenken und Planung, Bau und Betrieb enger miteinander zu verzahnen.
„Die Klinikimmobilie der Zukunft ist damit kein statisches Bauwerk mehr, sondern Teil eines dynamischen Systems, das sich kontinuierlich weiterentwickeln muss“, ergänzt Herndlhofer. Für Drees & Sommer bestätigt sich damit ein zentraler Ansatz in der Entwicklung von Gesundheitsimmobilien: Projekte ganzheitlich zu denken – von den Anforderungen des Betriebs über die Prozesse bis hin zur baulichen Umsetzung. Erste Lösungsansätze in der Branche liegen laut Veranstaltung in alternativen Formen der Zusammenarbeit, etwa durch den verstärkten Einsatz von Early-Contractor-Modellen.