Die Unternehmen des Verbandes Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) wollen ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen weiter vorantreiben. Das wirtschaftliche Umfeld habe sich jedoch eingetrübt, wie auf der Jahreshauptversammlung in Linz betont wurde.

„Mit einem Anteil von rund acht Prozent am BIP gehört die Baubranche aus volkswirtschaftlicher Sicht zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen Österreichs. Unsere Betriebe sind vorsichtig optimistisch ins neue Jahr gestartet“, erklärte VÖB-Vorsitzender Michael Wardian. Laut dem zuletzt veröffentlichten VÖB-Konjunkturbarometer rechneten fast neunzig Prozent der Befragten für das erste Halbjahr 2026 mit einem gleichbleibenden (73,5 Prozent) oder steigenden (14,7 Prozent) Umsatz.

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Wirtschaftlicher Dämpfer durch Außenpolitik

„Zwar waren die ersten beiden Monate des Jahres durch Dauerfrost und Schneefall ein wetterbedingter Dämpfer für die Bauwirtschaft, dennoch war die Hoffnung groß, dass wir den Tiefpunkt hinter uns gelassen haben. Für Optimismus sorgten vernünftige Energiepreise und mäßige Zinsen“, sagte Wardian. Das amerikanisch-israelische Abenteuer im Nahen Osten habe vor allem im Hochbau jegliche Hoffnung zunichte gemacht. „Die ursprünglichen Prognosen für die Konjunkturerholung scheinen kaum mehr erreichbar“, so der Vorsitzende.

Dramatischer Rückgang bei Baubewilligungen

Wie dramatisch die Lage vor allem im Wohnbau ist, zeigt ein Blick in die Statistik. 2017, am Höhepunkt der letzten Baukonjunktur, wurden fast 87.000 neue Wohnungen baubewilligt, im Jahr 2025 waren es nur 47.636. Das entspricht einem Rückgang von 45 Prozent, wobei die Anzahl an baubewilligten Wohnungen in Neubauten sogar um 56 Prozent zurückging.

„Selbst im Jahr 2009, inmitten der Wirtschafts- und Finanzkrise, gab es in Österreich mehr Baubewilligungen für neue Wohnungen als im Vorjahr“, sagte VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier. „Nicht zuletzt deshalb fordern wir als VÖB schon seit einiger Zeit die Einführung eines Bauministeriums, welches sich um wichtige Themen wie die Ankurbelung des Wohnbaus, die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes und den Umweltschutz kümmern soll.“

Laut Glasmaier mangelt es nicht nur im Wohnungsbau an Auftrieben. Auch zahlreichen Gemeinden fehle das Geld für dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen in der Kanalisation oder bei Kindergärten. Der Industrie wiederum fehlten angesichts der schwachen Konjunktur die Anreize für Investitionen in neue, nachhaltig gebaute Gebäude. „Eine geradezu toxische Mischung für unsere Betonfertigteilbranche“, wie Wardian festhielt.

Neues Führungsteam und regionalwirtschaftliche Effekte

Bei der Jahreshauptversammlung kam es zu einer Verjüngung des Teams rund um den VÖB-Vorsitzenden Wardian. An seine Seite traten als stellvertretende Vorsitzende Simone Oberndorfer, Geschäftsführerin der Franz Oberndorfer GmbH & Co KG, und Sebastian Eder, Geschäftsführer der Systembau Eder GmbH.

Abgehalten wurde die Versammlung in der Raiffeisen Arena auf der Gugl in Linz. Das Stadion, das einer Studie zufolge jährlich 128,8 Millionen Euro an regionalwirtschaftlichen Effekten generiert, wurde großteils aus Betonfertigteilen eines oberösterreichischen Unternehmens errichtet. „Dadurch, dass Betonfertigteile nahezu immer in der Nähe des jeweiligen Bauvorhabens gefertigt werden, liefert unsere Industrie nicht nur einen immensen Beitrag zur Wertschöpfung in den Regionen, sondern entlastet durch die kurzen Transportwege auch die Umwelt“, sagte Glasmaier.

Forschung für nachhaltigeres Bauen

Um die Transformation des Bauwesens in Richtung Nachhaltigkeit zu unterstützen, beteiligt sich der VÖB an mehreren Forschungs- und Entwicklungsinitiativen. Im Projekt „agileTragwerksplanung“ soll der Material- und Energieeinsatz durch verbesserte Planungs- und Berechnungsmethoden reduziert werden. Schlankere Bauteile, optimierte Querschnitte und eine bessere Abstimmung zwischen Planung, Produktion und Montage sollen zu wirtschaftlicheren und ressourcenschonenderen Fertigteilkonstruktionen führen.

Mit dem Projekt „LZinfra“ wird ein standardisiertes Lebenszyklustool zur Nachhaltigkeitsbewertung von Verkehrsinfrastrukturen entwickelt. Ziel ist eine einheitliche, transparente und praxisnahe Bewertungsmethodik, die ökologische und ökonomische Aspekte eines Bauwerks über den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt. Das Projekt „EcoTwin“ kombiniert digitale Zwillinge mit Nachhaltigkeitsbewertungen und Monitoringdaten, um Infrastrukturbauten über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu optimieren.

Zusätzlich hat der VÖB Branchen-EPDs (Environmental Product Declaration) am Markt positioniert. „Ein EPD liefert umfassende Daten über die Umweltauswirkungen eines Bauprodukts über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. Er ist damit die Grundlage für den gesamtheitlichen Ökobilanzvergleich eines Bauwerkes“, erklärte Glasmaier.