Das zweite Kreislaufforum Holz der Holzforschung Austria fand am 17. September 2026 in Wien statt. Rund 70 Teilnehmende beschäftigten sich mit Kreislaufkonzepten, Praxisempfehlungen, zirkulärer Planung und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Wiederverwendung von Holz und Holzbauteilen.
Martin Weigl-Kuska, Seminarleiter bei der Holzforschung Austria in Wien, stellte zum Auftakt das Forschungsprojekt TimberLoop vor. Darin wurden Grundlagen für eine holzbasierte Kreislaufwirtschaft untersucht. Christoph Paul von Brantner Österreich beleuchtete anschließend rechtliche Rahmenbedingungen, Verwertungswege und die Kaskadennutzung von Bau- und Abbruchholz. Veronika Reinberg von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) präsentierte eine Studie zu zirkulären Massenströmen: In einem Szenario für 2050 könnten demnach zehn Prozent des Inputs für Holzbauprodukte aus Altholz durch Re-Use oder Remanufacturing stammen.
Wiederverwendung von Holzbauteilen
Ein Schwerpunkt des Forums lag auf der Frage, wie sich die Kreislauffähigkeit von Bauteilen bewerten und bereits bei der Planung berücksichtigen lässt. Sandra Schuster von der Technischen Universität München erläuterte Voraussetzungen sowie Möglichkeiten zur Bewertung und Dokumentation der Demontierbarkeit von Holzbauwerken. Daniel Dieren von der Technischen Universität Braunschweig sieht laut den präsentierten Ergebnissen insbesondere im Holztafelbau Potenzial für kreislauffähige Konstruktionen.
Erfahrungen mit der Wiederverwendung tafelförmiger Holzbauteile präsentierte Peter Schober von der Technischen Universität Wien. Grundlage war der Wiederaufbau eines Musterhauses. Die rückgebauten Elemente wurden bewertet und in einer eigens entwickelten Datenbank erfasst, die künftig bei der Planung mit Re-Use-Bauteilen unterstützen soll.
Kreislauffähigkeit schon bei der Planung berücksichtigen
Auch die Planung stand im Mittelpunkt. Marius Valente von der Technischen Universität Wien verwies darauf, dass für eine kreislauforientierte Materialnutzung eine entsprechende Praxis unter allen Beteiligten der Bauwirtschaft etabliert werden müsse. Ernst Dengg von der Technischen Universität Graz beschäftigte sich mit der Frage, wie Vollholzbauteile entlang der Wertschöpfungskette geplant werden können, damit sie über mehrere Gebäudezyklen unversehrt bleiben.
Thomas Romm von Forschen Planen Bauen stellte das Projekt ZiFa 2.0 vor. Die Stadt Wien verfolgt darin das Ziel, kreislauffähiges Planen und Bauen ab 2030 bei Neubauten und Sanierungen zum Standard zu machen. Andreas Murauer von Schmid Holzbau ergänzte Erfahrungen zur Entwicklung zirkulärer Baukonzepte bei öffentlichen Ausschreibungen anhand eines Schulprojekts in Tullnerbach.
Von Produktpässen bis zu neuen Holzprodukten
Simon Winter von der Holzforschung Austria thematisierte die Entwicklung von Environmental Product Declarations (EPD), also Umweltproduktdeklarationen, hin zu digitalen Informationssystemen wie dem digitalen Produktpass. Martin Weigl-Kuska zeigte anhand von Fallbeispielen unterschiedliche Verwertungswege für schadstoffbelastetes Altholz auf. Kurt Pock von KPZT präsentierte ausgeführte Beispiele für zirkuläres Planen und Bauen aus dem deutschsprachigen Raum. Für eine breitere Umsetzung seien laut Pock gemeinsame Anstrengungen von Planung, Bauherrschaft und Industrie erforderlich.
Mit der Marktrealität zirkulärer Holzlieferketten beschäftigte sich Lena Silbermayr von der Wirtschaftsuniversität Wien. Andreas Weidenhiller von der Holzforschung Austria präsentierte Forschungsergebnisse zu Stablamellen aus rückgebautem Brettschichtholz. Weitere Fragen, darunter die Keilzinkenfestigkeit und mechanische Eigenschaften, werden derzeit im Forschungsprojekt Grade2New untersucht. Anna-Vera Deinhammer von der Fachhochschule Wien beleuchtete schließlich Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz (KI) für zirkuläres Bauen.
Zum Abschluss plädierte Martin Weigl-Kuska dafür, Kreislaufwirtschaft nicht nur unter Nachhaltigkeitsaspekten zu betrachten, sondern auch als Wirtschaftszweig zu entwickeln.