Baustellensicherheit hat sich in Österreich von einem operativen Randthema zu einem strategischen Planungsbestandteil entwickelt. Dementsprechend stark wächst die Nachfrage nach vernetzten und digitalen Lösungen. Die Bauzeitung sprach mit Dominik Müller, Geschäftsführer Zeppelin Rental Österreich, über Kosten- und Effizienzdruck, Baustellenmanagement und welche Vorteile elektronische Zutrittssysteme für Anwender*innen bieten.
Bauzeitung: Inwiefern wachsen Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und andere Gewerke zu integrierten Systemen zusammen?
Dominik Müller: Die Branche ist von starkem Kosten- und Effizienzdruck geprägt, wodurch Digitalisierung und optimierte Prozesssteuerung zunehmend an Relevanz gewinnen. Der klare Trend geht weg von Einzellösungen hin zu integrierten Systemen. Zutrittskontrolle entwickelt sich dabei vom reinen Sicherheitsinstrument zum zentralen Steuerungstool auf der Baustelle – für Anwesenheiten, Berechtigungen und die Koordination von Nachunternehmern.
Bei Zeppelin Rental ist sie bereits heute ein zentrales Instrument und wird neben der Zutrittskontrolle auch für die Versorgungslogistik, die Ereignisdokumentation sowie je nach Bedarf auch für die Entsorgungslogistik und weitere baulogistische Leistungen eingebunden. Videoüberwachung ergänzt diese Systeme als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes aus Perimeterschutz, Alarmierung und digitaler Baustellenorganisation. Damit wird Baustellenmanagement zunehmend datenbasiert, transparenter und effizienter gesteuert.
Wie stark hat sich der Einsatz mobiler Überwachungssysteme auf Baustellen etabliert?
Die Nachfrage nach Überwachungssystemen in Leistungsverzeichnissen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Insbesondere mobile Kameralösungen werden verstärkt nachgefragt, da sie sich durch ihre hohe Flexibilität auszeichnen und effizient an die laufend verändernden Anforderungen und Bauphasen auf Baustellen anpassen lassen.
Welche Vorteile bieten elektronische Zutrittssysteme gegenüber klassischen Baustellenabsicherungen?
Elektronische Zutrittssysteme bieten gegenüber klassischen Baustellenabsicherungen deutlich mehr Steuerbarkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Sie ermöglichen eine rollen- und zeitbasierte Vergabe von Berechtigungen, die gezielte Steuerung von Fremdfirmen sowie eine lückenlose Dokumentation und schnelle Reaktionsfähigkeit bei Kontrollen. Auch Behörden profitieren von der hohen Transparenz und der kurzfristigen Verfügbarkeit der Daten. Durch diese Optimierung in der Datenverarbeitung werden auch die Bauabläufe weniger gestört. Aber es gilt immer: Je stärker solche Systeme personenbezogene Daten verarbeiten, desto wichtiger sind eine saubere DSGVO-Prüfung, Zweckbindung und Verhältnismäßigkeit.
Die Integration von Drehkreuzen, Zutrittscontainern, Videoüberwachung oder digitalen Baustellenplattformen ist bei elektronischen Zutrittssystemen selbstverständlich gegeben, was bei Excel-Tabellen, mobilen Bauzäunen oder bei grundsätzlich offenen Baustellen entfällt. Dadurch verbessern sie nicht nur den Schutz vor unbefugtem Zutritt, sondern auch die Effizienz der Baustellenlogistik und Dokumentation und schaffen so einen klaren Mehrwert im operativen Betrieb.
Wie hat sich die Bedeutung der Baustellensicherheit in Österreich in den letzten Jahren verändert?
Die Baustellensicherheit hat spürbar an Bedeutung gewonnen – sowohl in Bezug auf den Arbeitsschutz als auch auf den Schutz vor Diebstahl, Vandalismus und unbefugtem Zutritt. Treiber dieser Entwicklung sind einerseits die zunehmende Professionalität von Tätergruppen, andererseits das herausfordernde wirtschaftliche Umfeld der Bauwirtschaft.
Gerade nach der Rezessionsphase sind Margen und Zeitpläne stärker unter Druck, wodurch Störungen, Verzögerungen und Materialverluste deutlich kritischer werden. Sicherheit wird daher heute verstärkt als wesentlicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor gesehen – und nicht mehr nur als verpflichtende Maßnahme.
Hr. Müller, herzlichen Dank für das Gespräch.