Das Stationsgebäude Süd am Gelände des AKH Wien dient als Ausweichquartier während der Modernisierung des Bettenhauses Ost. Auf 4.000 Quadratmetern Nutzfläche entstanden 46 Zimmer für 88 Patient:innen, eine Tagesklinik sowie 45 Therapieräume. Alle vier Obergeschoße wurden in Holzmodulbauweise errichtet: 112 vorgefertigte Holzmodule wurden auf der Baustelle millimetergenau montiert.
Planung stellte Weichen für Holzmodulbau
Bei der Projektierung hatten die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und eine zügige Errichtung Priorität. Der Brandschutz sorgte jedoch zunächst für Bedenken. „Durch die spezielle Nutzung unterliegt ein Krankenhaus vielen Auflagen und ist technisch sehr komplex“, sagt Werner Hoyer-Weber, Geschäftsführer von Hoyer Brandschutz in Wien. „Wir konnten aber darlegen, dass es für jede Anforderung eine Lösung im Brandschutz gibt. Auch der Holzbau ist in den Richtlinien mittlerweile verankert.“
Eine Einschränkung gab es dennoch: Aufgrund der Gebäudehöhe mussten die zwei Treppenhäuser an den Stirnseiten des Gebäudes als nicht brennbarer Massivbau ausgeführt werden. Zwischen den Treppenhäusern konnten die jeweils 32 Quadratmeter großen Holzmodule ohne wesentliche Abweichungen von der Bauordnung neben- und aufeinander platziert werden.
Holzmodule übertreffen Brandschutzanforderungen
Da das statische System des Gebäudes auf Holz beruht, war die Frage des Abrands zentral für die Tragfähigkeit im Brandfall. Die Holzmodule wurden aus statischen Gründen größer dimensioniert, was dem Brandschutz zugutekam. Mit ihrer Holzdicke erfüllen die Module nicht nur den geforderten Feuerwiderstand von 30 Minuten, sondern 90 Minuten – und damit deutlich mehr als gesetzlich vorgeschrieben.

Eine weitere Herausforderung ergab sich aus der Bauweise, denn die Holzmodule liegen jeweils auf den Decken der darunterliegenden Module auf. Sämtliche Auflager- und Knotenpunkte mussten daher sorgfältig beurteilt werden, um die Tragfähigkeit des Gesamtsystems sicherzustellen.
Jedes Detail wurde einzeln geprüft
Der hohe Vorfertigungsgrad setzte voraus, dass die Brandschutzplanung mit sämtlichen relevanten Ausführungsdetails schon mit Baubeginn abgeschlossen war. Die kompakte Planungsphase war durch brandschutztechnische Einzelprüfungen geprägt. Jedes Detail der Holzmodule – von der Konstruktionsweise über den Transport bis hin zur Montage – musste auf seine Übereinstimmung mit dem Brandschutzkonzept überprüft werden.
„Jede Anschlussituation, Schraube oder Befestigung kann im Brandfall Auswirkungen haben. Jedes Loch kann eine Schwachung des Holzes bedeuten und jeder Hohlraum zwischen den Holzmodulen einen Einbrand zur Folge haben“, erklärt Werner Hoyer-Weber. „Oft liegt im Brandschutz die Herausforderung darin, das schwächste Glied zu finden.“
Sicherer Aufenthalt und geordnete Evakuierung
Die Planung von Hoyer Brandschutz sieht vor, dass Patient:innen im Brandfall bis zu 60 Minuten im Zimmer verbleiben können. Dafür wurde eine Zellenstruktur gebildet und jedes Modul brandschutztechnisch von den benachbarten Modulen abgetrennt. Mit der AKH-Feuerwache gibt es zudem eine Betriebsfeuerwehr, die in wenigen Minuten vor Ort ist und über Fluchtmaßnahmen entscheiden kann.

Für eine Evakuierung ist jedes Obergeschoß als Brandabschnitt ausgebildet und in drei Evakuierungsabschnitte unterteilt. In Kombination mit den Personen- und Lastenaufzügen – von denen sich jeweils zwei in den Treppenhäusern an den Stirnseiten befinden – ermöglicht das Konzept eine optimale Entfluchtung. So kann unabhängig vom Brandort stets in den benachbarten Brandabschnitt auf gleicher Ebene oder über eine Aufzugsanlage evakuiert werden.
Stille Alarmierung schützt vor Panik
Die Anlagentechnik wurde an die Bedürfnisse des Krankenhausbetriebs angepasst. Eine Brandmeldeanlage im Schutzumfang „Vollschutz“ sorgt für eine rasche Branddetektion. Um Panik unter den Patient*innen zu vermeiden, erfolgt jedoch eine stille Alarmierung. Diese wird an vorab definierte Stellen übertragen – etwa an die AKH-Feuerwache, die Leitstelle oder die Stationsstützpunkte. Zudem ist das Gebäude mit einer Objektfunkanlage ausgestattet, die den ungestörten Funkverkehr in sämtlichen Räumen und Geschoßen sichert.
Branchenkenner sieht wegweisenden Charakter
Nach erfolgreichem Abschluss betont Werner Hoyer-Weber den Pioniercharakter des Projekts: „Es ist wegweisend, dass man sich in einer Krankenhausnutzung so klar für diese nachhaltige Umsetzung entschieden hat. Das spürbare Engagement des Bauherrn und aller Gewerke hat die Realisierung ermöglicht.“
Gleichzeitig mahnt der Fachplaner zur Sachlichkeit im Umgang mit dem Baustoff Holz: „Holz ist und bleibt ein brennbarer Baustoff. In Brandschutzkonzepten wird er aber eingebettet in eine Gesamtheit an abgestimmten Maßnahmen wie Brandabschnitte, Abschottungen oder Anlagentechnik“, erklärt Hoyer-Weber. Damit bleibe ein Brand – wie bei Beton, Ziegel und anderen nicht brennbaren Baustoffen – stets auf einen minimalen Bereich beschränkt.