Gläserne Werkstätten machen Ausbildung im Stadtraum sichtbar: Wer hier vorbeigeht, bleibt gerne stehen. Denn hinter den großen Glasflächen wird nicht dekoriert, sondern gefräst, geschweißt und getüftelt. Das neue Berufsausbildungszentrum der Wirtschaftskammer Steiermark macht aus Werkstätten Schaufenster und aus Passant*innen Zuschauer*innen. So entsteht ein Dialog, der zeigt: Technische Berufe haben nichts zu verbergen, ganz im Gegenteil.

Werkstätten und Wissen unter einem Dach
Die architektonische Konzeption folgt den unterschiedlichen Anforderungen der praktischen und theoretischen Ausbildungsbereiche. Im Erdgeschoss bietet eine großzügige Werkstattplatte mit hohen Räumen, großer Tragfähigkeit und weitläufigen, flexibel nutzbaren Flächen optimale Bedingungen für die praktische Ausbildung.

Der darüberliegende, scheinbar schwebende Baukörper nimmt die theoretischen und spezialisierten Ausbildungsbereiche auf. Diese vertikale Gliederung erlaubt eine klare Trennung zwischen lärmintensiven Werkstätten und ruhigeren Lernumgebungen, während kurze Wege und eine enge Verzahnung der Funktionen gewährleistet bleiben.

Fassade mit Ausstellungscharakter
Großzügige Verglasungen öffnen die Werkstätten zur Straße und machen die praktische Ausbildung nach außen sichtbar. Die Fassade wird damit zum „Schaufenster“, das Einblicke in die unterschiedlichen Berufsfelder ermöglicht. Die rhythmisch gegliederte Glas-Metall-Fassade in den oberen Geschossen vereint gestalterische und energetische Anforderungen. Transparente und geschlossene Elemente sorgen für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tageslichteintrag und Wärmeschutz. Lichthöfe verbessern zusätzlich die natürliche Belichtung der innenliegenden Bereiche. Das klare Fassadenraster spiegelt die innere Organisation wider und ermöglicht zugleich eine langfristige Flexibilität der Nutzung – bis hin zu einer möglichen Umnutzung als Bürogebäude.

TGA zum Herzeigen
Im Center of Excellence wird die Gebäudetechnik selbst zum Lehrmittel. Statt technische Installationen vollständig hinter Verkleidungen zu verbergen, bleiben Technikräume, Versorgungsschächte sowie Lüftungs- und Heizungssysteme bewusst sichtbar und für Ausbildungszwecke nutzbar. So lassen sich technische Zusammenhänge unmittelbar am Gebäude nachvollziehen – die Infrastruktur wird selbst zum Bestandteil der praktischen Ausbildung.

Auch das Energiekonzept ist auf einen ressourcenschonenden Betrieb ausgelegt. Die Wärmeversorgung kombiniert den Anschluss an das bestehende Fernwärmenetz mit einer Geothermieanlage aus 60 Erdwärmesonden und Wärmepumpen. Für die Kälteversorgung steht ein luftgekühlter Kaltwassersatz mit rund 700 kW Leistung zur Verfügung. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt Strom, der unter anderem für den Betrieb der Lüftungsanlagen genutzt wird. (bjr)
