Ob Europa künftig seinen Bedarf an Technologie für die Energiewende aus eigener Produktion decken kann, ist Gegenstand einer aktuellen Studie der Energy Economics Group der TU Wien. Während fossile Brennstoffe an Bedeutung verlieren, gewinnen Solarenergie und Windkraft weltweit an Bedeutung. Die Forschung untersuchte, ob sich Europa damit in eine neue Abhängigkeit begibt oder ob der Aufbau einer eigenen Industrie für Photovoltaik (PV) und Windkraft möglich ist.

Das Forschungsteam berechnete 243 Zukunftsszenarien mit unterschiedlichen Annahmen zur Entwicklung von Rohstoffpreisen, Recyclingkapazitäten und Produktionskosten. Im Zentrum steht das Ziel des EU-Gesetzes „Net-Zero Industry Act“, wonach bis 2030 mindestens 40 Prozent des jährlichen Bedarfs an klimaneutraler Energietechnik innerhalb der Union hergestellt werden sollen.

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Photovoltaik liefert stabile Ergebnisse

Gerade im Bereich Photovoltaik zeigen sich laut den Modellrechnungen stabile Ergebnisse. „Bei einer breiten Palette von Modellannahmen kommen wir zu dem Schluss, dass eine europäische PV-Herstellungskapazität möglich ist, die uns erlaubt, bis 2040 insgesamt 200 Gigawatt an PV-Leistung aus europäischer Herstellung zu installieren“, sagt Sebastian Zwickl-Bernhard von der Energy Economics Group der TU Wien. Weitere 50 Gigawatt könnten aus Recycling gewonnen werden, da alte Anlagen vermehrt als Rohstoffquellen für neue Module genutzt würden.

Ein verstärkter Aufbau europäischer Produktionskapazitäten müsse die Energiewende nicht verlangsamen. „Unsere Daten zeigen: Auch wenn wir Produktionskapazitäten in Europa aufbauen, die etwas höhere Preise verursachen, als man für günstige Importe bezahlen müsste, kommt es zu keiner substanziellen Verzögerung des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen“, so Zwickl-Bernhard. Kurzfristige Effekte seien möglich, langfristig bleibe der Dekarbonisierungspfad Europas intakt.

Modell berücksichtigt gesamten Lebenszyklus

Die Studie berücksichtigt erstmals in einem energieökonomischen Gesamtmodell nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch Materialkosten, Produktion, Recycling und Wiederaufbereitung. Bisherige Modelle hätten diese Dimensionen nicht integriert, so die Forscher.

Mehr Resilienz und weniger Importabhängigkeit erforderten Investitionen und politischen Willen, seien aber erreichbar. Eine Mischung aus eigener Produktion und Import mache Lieferketten robuster und erhöhe die Widerstandsfähigkeit gegenüber politischen oder ökonomischen Turbulenzen. In Zukunft sollen die Modelle um lokale Unterschiede innerhalb Europas sowie detailliertere Erkenntnisse aus der Wiederaufbereitung erweitert werden.