Markus Scheffer über den Vorteil, „mehrere Standbeine“ zu haben:
Grundsätzlich sind wir mit der Entwicklung zufrieden. Wir sind stabil ins Jahr gestartet und profitieren davon, dass wir mehrere Standbeine haben. Gleichzeitig merken wir natürlich deutlich, dass sich der Wärmepumpenmarkt derzeit schwieriger entwickelt als erwartet. Der Gesamtmarkt ist im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel zurückgegangen. Das beschäftigt uns, weil Wärmepumpen aus unserer Sicht weiterhin die zentrale Zukunftstechnologie im Heizungsbereich sind.
Worauf er den Rückgang bei den Wärmepumpen zurückführt:
Ich glaube, dass viele Menschen aktuell verunsichert sind. Die wirtschaftliche Lage spielt dabei eine große Rolle. Steigende Arbeitslosigkeit, Insolvenzen und die allgemeine Unsicherheit führen dazu, dass größere Investitionen aufgeschoben werden – selbst dann, wenn attraktive Förderungen vorhanden sind. Dazu kommen Diskussionen rund um Fördermodelle und politische Rahmenbedingungen. Menschen brauchen Stabilität und Planbarkeit.
Warum der Wärmepumpenmarkt in Deutschland wieder besser läuft – und in Österreich nicht:
Dort ist das Bewusstsein für Energieunabhängigkeit zuletzt stärker geworden. Gerade durch geopolitische Krisen ist vielen klar geworden, wie wichtig der Ausstieg aus Öl und Gas ist. Die Wärmepumpe bietet dafür eine sehr gute Lösung. Wir hoffen natürlich, dass dieser Effekt auch in Österreich stärker einsetzt. Die Nachfrage ist grundsätzlich vorhanden.
Welche Geschäftsbereiche sich derzeit positiv entwickeln:
Sehr stabil läuft weiterhin unser Gasgeschäft. Ebenso unser Servicebereich. Diese beiden Säulen helfen uns momentan dabei, den weiteren Ausbau unseres Wärmepumpengeschäfts zu finanzieren. Das Gasgeschäft wird mittel- und langfristig zwar zurückgehen, kurzfristig bleibt es aber ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäftsmodells.
Über Lieferengpässe als Folge des Irankriegs:
Das betrifft unsere Branche. Vor allem bei Rohstoffen merken wir die Entwicklungen deutlich. Ein gutes Beispiel ist Kupfer. Wärmepumpen benötigen wesentlich mehr Kupfer als klassische Gasgeräte. Gleichzeitig befinden sich die Rohstoffpreise auf einem sehr hohen Niveau.
Wie er damit umgeht:
Wir beobachten die Situation sehr genau und versuchen natürlich, diese Entwicklungen bestmöglich zu steuern. Aber steigende Energie- und Rohstoffkosten wirken sich entlang der gesamten Lieferkette aus. Das lässt sich nicht vollständig vermeiden.
Mit welchem Ergebnis er heuer für das Gesamtjahr rechnet:
Wir gehen von einem moderaten Wachstum aus – insgesamt im niedrigen einstelligen Bereich. Mehr erwarten wir derzeit realistischerweise nicht.
Zur strategischen Ausrichtung von Vaillant Österreich in den kommenden Jahren:
Unsere Richtung ist klar: Wir wollen die Transformation hin zu nachhaltigen Heizsystemen konsequent weiter vorantreiben. Vaillant versteht sich als Technologieführer bei Wärmepumpen, und diese Position wollen wir weiter stärken. Wenn Österreich seine Klimaziele ernst nimmt, müssen in den kommenden Jahren hunderttausende alte Öl- und Gasheizungen ersetzt werden. Genau darauf richten wir uns aus.
Über die Bedeutung der neuen Wärmepumpenfertigung in der Slowakei:
Die Nähe zur Produktion bringt uns enorme Vorteile. Wir haben kürzere Wege, einen engeren Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort und können unsere Partner direkt in die Fertigung mitnehmen.
Welche neuen Produkte Vaillant in der Pipeline hat:
Wir befinden uns mitten in der Einführung einer komplett neuen Wärmepumpengeneration. Das ist für uns aktuell eines der wichtigsten Projekte überhaupt. In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir mehrere neue Produkte und Systeme auf den Markt bringen, die sowohl die Bedürfnisse unserer Partner als auch die Anforderungen unserer Endkunden erfüllen.
Welche Rolle digitale Lösungen künftig spielen:
Eine sehr große Rolle. Unsere neuen Wärmepumpen werden schrittweise mit einer neuen Elektronikplattform ausgestattet. Damit schaffen wir die Grundlage für intelligente Steuerungssysteme und digitale Services. Über Apps können Nutzer ihren Energieverbrauch analysieren, Geräte steuern oder dynamische Stromtarife optimal nutzen. Das Thema Effizienz endet heute nicht mehr beim Heizgerät selbst, sondern umfasst das gesamte Energiemanagement eines Hauses.