Herr Ochsner, Stiebel Eltron hat eine Aufstockung seiner Beteiligung an Ihrem Unternehmen von derzeit 35 Prozent auf 50 Prozent beim Kartellamt angemeldet. Einfache Frage: Warum machen Sie das?

Kari Ochsner: Es geht darum, die Eigenständigkeit des Unternehmens abzusichern. Ochsner besteht seit 155 Jahren. Ich möchte das Unternehmen in einem zunehmend intensiven Wettbewerbsumfeld absichern und für die nächste Generation aufstellen. Dafür brauchen wir langfristig verlässliche Voraussetzungen für notwendige Synergien und für Investitionen, die wir gemeinsam heben können.

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Eigenständigkeit abgesichert

Die Eigenständigkeit absichern – ist das nicht ein Widerspruch, wenn man weitere Anteile abgibt?

Nein, Ochsner Wärmepumpen bleibt eigenständig. Wir sprechen über die Gesellschafterebene, nicht über eine Zusammenlegung der operativen Unternehmen. Unsere Eigenständigkeit ist damit für die nächste Generation abgesichert. Gleichzeitig bietet die Aufstockung der Beteiligung neue Möglichkeiten. Das ist zentral: Wir können in Forschung und Entwicklung, beim Einkauf und in der Produktion viel stärker zusammenarbeiten.

Die Erhöhung auf 50 Prozent schafft neue rechtliche Grundlagen?

Genau. Im Rahmen der geltenden Regeln ist uns der Austausch bestimmter Informationen nicht erlaubt, da wir im Wettbewerb stehen. Das ändert sich bei einer Beteiligung von 50 zu 50 Prozent. Daher muss die Transaktion auch kartellrechtlich geprüft werden.

Können Sie die neuen Möglichkeiten genauer erläutern?

Wir können beim Einkauf und in der Produktion enger zusammenarbeiten. Wir beliefern uns bereits gegenseitig mit Produkten. Das kann künftig intensiver werden. Im Verbund können wir dann auch überlegen, an welchem Standort bestimmte Maschinen am sinnvollsten produziert werden. Mit einem starken Partner haben wir zudem das notwendige Kapital für weitere Investitionen zur Verfügung.

Gibt es auch eine engere Kooperation im Vertrieb?

Nein, bei den Marken und im Vertrieb bleibt die Trennung bestehen. Ochsner und Stiebel Eltron werden weiterhin eigenständige Marken mit getrennten Vertriebswegen sein. Das ist auch für Stiebel wichtig.

Das führt mich zu der Frage, warum Stiebel Eltron seine Beteiligung aufstocken will. Welche Stärken von Ochsner sind für Stiebel Eltron besonders interessant?

Wärmepumpe von Ochsner
Wärmepumpe von Ochsner: bei größeren Leistungsbereichen ab 25 Kilowatt erhebliche technologische Kompetenzen. © Ochsner

Ochsner ist vor allem im Premiumbereich stark. Wir sind der Miele unter den Wärmepumpen. Zudem haben wir bei größeren Leistungsbereichen ab 25 Kilowatt aufwärts erhebliche technologische Kompetenzen und eine sehr gute Marktposition. Genau dort wird die Nachfrage in Zukunft deutlich wachsen. Ich denke dabei vor allem an die Dekarbonisierung von Mehrfamilienhäusern und kommunalen Gebäuden. Stiebel Eltron kann sein Portfolio in diesem Bereich mit Ochsner gezielt ergänzen.

Kommen wir noch einmal auf das Verhältnis zu Stiebel Eltron zu sprechen. Wie würden Sie das beschreiben?

Als eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Die Verhandlungen über die Aufstockung waren von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt. Stiebel Eltron hat seine Unternehmensgröße dabei nie ausgespielt. Das war für mich wichtig. Ich kenne die Familie und das Management gut. Uns verbindet ein gemeinsames Verständnis davon, wie man mit Kunden, Partnern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortungsvoll umgeht und langfristig denkt.

Welche Rolle spielt eigentlich die Herkunft des Partners?

Sie spielt eine große Rolle. Stiebel Eltron ist ein deutsches Familienunternehmen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass eine solche Partnerschaft mit einem großen asiatischen oder amerikanischen Konzern auf dieselbe Weise funktionieren würde. Das ist ein entscheidender Punkt: Es geht mir darum, Schlüsselunternehmen der Wärmepumpenbranche in europäischem Eigentum zu halten. Für Kunden, Installateure und Anlagenerrichter ist es wichtig, dass es weiterhin europäische Hersteller gibt. Davon bin ich fest überzeugt – auch in meiner Funktion als Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich.

Warum ist das so wichtig?

Wir sollten vermeiden, dass es in der Wärmepumpenbranche ähnlich läuft wie in anderen Schlüsselindustrien, etwa bei Photovoltaik und Batterien. Dort haben chinesische Anbieter die Europäer vom Markt verdrängt. Dasselbe strategische Ziel verfolgen sie auch bei Wärmepumpen.

Was können die Europäer dagegen tun?

Die europäischen Hersteller müssen sich rechtzeitig verbünden. Wenn wir uns nicht rechtzeitig zusammenschließen, wird es für einzelne mittelständische Unternehmen immer schwieriger, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Ich hoffe, dass auch andere Unternehmen rechtzeitig Allianzen schmieden.

Die europäischen Staaten versuchen die eigene Industrie zu unterstützen. Die Gesetzgebung der EU sieht vor, dass Förderungen für den Einbau von Wärmepumpen daran geknüpft werden können, ob die Geräte in der EU hergestellt worden sind. Was halten Sie davon?

Das ist ein guter Ansatz. Es birgt aber auch Risiken, wenn Unternehmen aus Asien oder den USA mit Übernahmen darauf reagieren: Sie kaufen einfach europäische Hersteller und überwinden damit diese Hürde. Daher sind mir die Allianzen der europäischen Hersteller so wichtig. Mit unserer Partnerschaft mit Stiebel Eltron sichern wir unsere Eigenständigkeit, ohne die unternehmerische Verantwortung aus der Hand zu geben. Entscheidend ist, dass wir die europäische Produktion und Wertschöpfung erhalten.

Wie wollen Sie diese Eigenständigkeit nutzen? Was sind Ihre strategischen Ziele für die kommenden Jahre?

Wir legen den Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung größerer Wohngebäude, von Mehrfamilienhäusern und kommunalen Gebäuden. Dafür haben wir die ideale Technik. In diesem Bereich sehen wir auch die größten Wachstumsmöglichkeiten.

In welchem Tempo wollen Sie expandieren.

Wir wollen kontinuierlich wachsen, aber nachhaltig und profitabel. In der Vergangenheit sind manche Unternehmen unserer Branche in sehr kurzer Zeit stark gewachsen. Das war aus meiner Sicht nicht immer gesund. Wir wollen stabile und profitable Umsatzzuwächse erzielen. Leicht zweistellige Wachstumsraten pro Jahr sind unser Anspruch, aber wir wollen kein Wachstum um jeden Preis.

Können Sie mir dazu Zahlen nennen?

Für 2027 rechnen wir mit einem Wachstum von fünf bis zehn Prozent. Unser Umsatzziel liegt dann bei 75 Millionen Euro. Die vergangenen Jahre waren volatil, auch weil sich die Märkte förderungsbedingt unterschiedlich entwickelt haben. Das ist für uns allerdings nichts Neues: Als Unternehmen mit langer Erfahrung in der Heizungs- und Wärmepumpenbranche haben wir schon viele volatile Phasen erlebt.