Bernhard Ahrer über den Aufschwung, der auf sich warten lässt:

Wir bewegen uns heuer auf einem stabilen, leicht positiven Kurs. Von einem Aufschwung merke ich allerdings noch nichts. Positiv ist die Resonanz auf unsere neuen Serien wie Hansa Genesis und Aurelia. Auch berührungslose Armaturen werden sehr gut angenommen, weil Hygiene und Komfort an Bedeutung gewinnen. Im Wohnbau sehe ich dagegen noch keine Trendwende.

Markt hat sich verändert

Was sich heuer am Markt verändert hat:

Wir sehen eine stärkere Spreizung: Im privaten Bereich, wenn sich jemand bewusst ein neues Bad leistet, werden durchaus hochwertige Produkte gewählt. Im Projektgeschäft, etwa bei Hotels oder öffentlichen Bauten, geht es dagegen stärker in Richtung preisbewusster Lösungen. Häufig wird zunächst ein Premiumprodukt in einer bestimmten Farbe angeboten. In der nächsten Phase fällt zuerst die Farbe weg. Und wenn das Budget immer noch nicht passt, geht man beim Produkt noch ein oder zwei Stufen nach unten. Das ist seit diesem Jahr deutlich stärker zu beobachten.

Womit er für das Geschäftsjahr 2027 rechnet:

Wenn man sich die verschiedenen Marktstudien anschaut, heißt es seit Jahren: nächstes Jahr. Ich sehe aber auch für 2027 noch keine wesentliche Veränderung. Ich gehe davon aus, dass der Markt sich auch 2027 flach entwickeln wird.

Ob das auch für das Projektgeschäft gilt:

Ja. Die Projektpipeline hat sich heuer deutlich reduziert, vieles wurde verschoben. Ein positiver Faktor in Österreich ist allerdings die starke privat geführte Hotellerie, vor allem im Westen. Häuser in einer hohen Sterne-Kategorie müssen regelmäßig renovieren, um ihr Niveau halten zu können. Das ist durchaus ein Konjunkturtreiber.

Wie Hansa in den kommenden Jahren zulegen will:

Wir haben eine klare Produktpipeline bis 2030. Bis dahin werden wir fast unser gesamtes Produktsortiment einmal erneuert haben. Über neue Produkte wollen wir Marktanteile gewinnen und weiter zu den Top drei in Österreich gehören. Dabei stellen wir unsere Kunden in den Mittelpunkt: die Installateurbetriebe und den Endkunden.

Worin sich die Erwartungen von Installateuren und Endkunden unterscheiden:

Für den Installateur muss ein Produkt einfach und zuverlässig zu verarbeiten sein. Er braucht die Sicherheit, dass es langlebig ist, Ersatzteile lange verfügbar bleiben und ihm jemand hilft, wenn ein Problem auftritt. Beim Endkunden stehen dagegen Design, Funktion und natürlich der Preis stärker im Vordergrund.

Wie sich das in der Produktentwicklung von Hansa niederschlägt:

Ein Beispiel ist unser neues Unterputzsystem Easymix. Den bekannten Unterputzkörper Bluebox haben wir beibehalten. Der Installateur kennt das System und muss sich bei der Montage nicht umstellen. Gleichzeitig haben wir für den Endkunden ein sehr schlankes, flaches Design mit einer logischen Bedienung geschaffen, bei der Temperatureinstellung und Wassermenge voneinander getrennt sind. Damit versuchen wir, genau diese beiden Anforderungen zusammenzubringen.

Was er von Förderungen für den Heizungstausch hält:

Ich kann Förderungen nachvollziehen, wenn sie dazu beitragen, dass nachhaltige Energieträger verwendet werden. Sie führen aber auch zu einer Verschiebung am Markt: Ein Teil der Tätigkeit der Installateure wird in den Heizungskeller verlagert. Ein Heizungstausch ist für einen Installateur oft einfacher kalkulierbar als eine Badrenovierung, bei der mehrere Gewerke koordiniert werden müssen. Wenn zuerst Fenster erneuert, das Gebäude thermisch saniert und anschließend noch die Heizung getauscht wird, ist danach häufig kein Geld mehr für das Badezimmer vorhanden.

Welche Folgen diese Verschiebung hat:

Dadurch entsteht aus meiner Sicht ein Sanierungsstau im Bad. Gleichzeitig beginnt die Babyboomer-Generation, Immobilien an die nächste Generation zu übergeben. Häuser und Wohnungen werden dann selbst genutzt, renoviert oder verkauft – und häufig ebenfalls saniert. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass zwischen 2030 und 2040 eine große Renovierungswelle auf uns zukommt.

Was oder wen es braucht, um diese Sanierungswelle bewältige zu können:

Wir werden Fachkräfte benötigen. Ich freue mich daher über jeden jungen Menschen, der sich für den Installateur-Beruf entscheidet. Ich halte ihn für sehr zukunftsträchtig. Die KI kann einen Installateur oder eine Installateurin unterstützen, aber sie wird sie kaum ersetzen können. Deshalb fördern wir Lehrlinge auch mit Schulungen in unserem Aquapunkt.