
Herr Körbler, Herr Pirkner, der Bau kämpft mit einer hartnäckigen Flaute. Mit welchen Worten würden Sie die Lage im Spezialtiefbau bezeichnen?
Andreas Körbler: Herausfordernd und durchwachsen. Wir haben eine hohe Inflation, steigende Energiepreise und in den vergangenen Jahren allein bei den Löhnen Kostenerhöhungen von mehr als 20 Prozent erlebt. Diese Kosten können wir aber nicht entsprechend weitergeben. Die Preise sind im Wesentlichen stabil geblieben, die Margen daher gesunken. Gleichzeitig gibt es weniger Projekte. Weniger Arbeit trifft also auf die gleichen Marktteilnehmer – entsprechend hoch ist der Konkurrenzkampf.
Auch öffentliche Aufträge
Betrifft das auch öffentliche Aufträge?
Körbler: Ja. Große Infrastrukturprojekte wurden teilweise um zwei oder drei Jahre verschoben. Für unsere Branche entsteht dadurch ein Vakuum. Im Energiesektor wären zum Beispiel große Investitionen notwendig, doch Genehmigungsverfahren dauern teilweise sehr lange. Windparks, Kraftwerksprojekte und andere Vorhaben kommen nicht in dem Tempo, das eigentlich notwendig wäre.
Welche Segmente entwickeln sich derzeit besser?
Thomas Pirkner: Man sieht beispielsweise, dass Erdwärmebohrungen in den vergangenen Jahren stark zugelegt haben. Das ist grundsätzlich ein interessantes Feld für unsere Mitgliedsbetriebe. Wir reden hier häufig über Bohrungen von rund 100 oder 120 Metern Tiefe. Man braucht dafür großes Know-how, die entsprechende Ausrüstung und gut ausgebildete Fachkräfte. Wenn ein Gebäude fertig ist und die Anlage anschließend nicht funktioniert, hat man ein großes Problem. Deshalb sind Ausbildung und Qualitätssicherung für uns als Branchenvertretung besonders wichtig.
Das wäre ein Beispiel für ein Segment, das der Flaute trotzt. Gibt es weitere?
Körbler: Überall dort, wo aufgrund klimatischer Veränderungen Maßnahmen notwendig werden, entsteht Arbeit. Teilweise geschieht das allerdings noch nicht langfristig geplant, sondern als Reaktion auf konkrete Ereignisse. Dann muss rasch gesichert werden –im alpinen Bereich z.B. mit Ankern, Spritzbeton- oder, Netzen.
Wird der Klimawandel damit zu einem wichtigen Treiber für den Spezialtiefbau?
Körbler: Das kann man so sehen. Hochwasserschutz ist definitiv ein Thema. Dabei geht es um Dicht- und Schmalwände, Gründungen oder Fundamente für mobile Hochwasserschutzsysteme. Wie tief solche Konstruktionen reichen, hängt von der Geologie und den jeweiligen Anforderungen ab.
Wie schaut es beim Brunnenbau aus? Profitiert er ebenfalls von den klimatischen Veränderungen?
Pirkner: Dort ist die Nachfrage derzeit enorm. Die Brunnenbauer bekommen laufend Anfragen von Menschen, deren bestehende Brunnen nicht mehr genügend Wasser liefern und die deshalb tiefer bohren wollen. Auch hier braucht es Fachkräfte und entsprechend qualifizierte Unternehmen.
Kommen wir zurück zur Ausgangslage: Sie haben von einem herausfordernden Markt gesprochen. Wie gehen die Branche damit um?
Körbler: Wir müssen unsere Kosten im Griff behalten, die Effizienz weiter erhöhen. Kostendruck zwingt zur Innovation: Oft sind es kleine Verbesserungen am Gerät oder im Arbeitsablauf. Über Jahrzehnte sind der Branche dadurch enorme Produktivitätssteigerungen gelungen. Geräte wurden größer und leistungsfähiger, gleichzeitig braucht man teilweise weniger Personal. Ohne diese Entwicklung könnten unsere Unternehmen heute kaum konkurrenzfähig arbeiten.
Was erwarten Sie in den kommenden Jahren vom Markt?
Körbler: Das ist schwer vorherzusagen. Aber Jammern hilft nichts. Als Unternehmen müssen wir jeden Tag überlegen, wie wir besser und effizienter werden können. Auf den Markt selbst haben wir nur begrenzten Einfluss. Also müssen wir uns anpassen, unsere Fachkräfte halten und vorbereitet sein, wenn die Investitionen wieder anziehen.
Abschließende Frage: Welche Rolle spielen dabei Digitalisierung und KI?
Körbler: Sie helfen uns effizienter zu werden. Es können zum Beispiel Arbeitsprotokolle digital erfasst werden, Vermessungsdaten über GPS eingebunden und die Daten anschließend ausgewertet werden. Die nächste Frage ist, was die Künstliche Intelligenz aus diesen Daten machen kann. Ich bin zudem ziemlich sicher, dass irgendwann Bohrgeräte weitgehend autonom auf Baustellen fahren und sie remote überwacht werden.
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