Rainer Grundwald über einen Aufschwung mit Hindernissen:

Das aktuelle Jahr läuft wesentlich besser als die vergangenen beiden Jahre. Die gesamte Baubranche hatte zwei, drei extrem schwierige Jahre. Anfang dieses Jahres hatten wir den Eindruck, dass endlich wieder etwas Bewegung in den Markt kommt. Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist das allerdings schlagartig abgebremst worden. Mittlerweile hat sich die Situation wieder etwas eingependelt. Insgesamt sind wir mit dem bisherigen Geschäftsverlauf deutlich zufriedener als in den Vorjahren.

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Vermietung läuft gut

Was gut läuft, und was weniger gut:

In der Vermietung ist die Nachfrage gut. Wir sind mit der Auslastung unseres Mietparks sehr zufrieden. Auch bei Montagen, Reparaturen und beim Service unserer eigenen Krane sowie der Kundenkrane ist unsere Mannschaft sehr gut ausgelastet. Beim Verkauf sind wir hingegen noch nicht zufrieden. Da spüren wir bei den Kunden weiterhin eine deutliche Investitionszurückhaltung. Es wird wahrscheinlich einen stärkeren wirtschaftlichen Impuls brauchen, bis auch der Verkauf wieder auf ein angemessenes Niveau kommt.

Ob er schon Anzeichen einer Erholung im Wohnbau sieht:

Nein, die Entwicklung im Wohnbau ist noch extrem verhalten. In Wien gibt es einige große Stadtentwicklungsgebiete, in denen wir mit unseren Kranen vertreten sind. Aber die Zahl der wirklich großvolumigen Wohnbauprojekte ist überschaubar. Einen Aufschwung sehe ich dort noch nicht. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weiter auseinander. Wenn man sich Neubewilligungen, Fertigstellungen und Bevölkerungsentwicklung ansieht, wird aus meiner Sicht klar, dass wieder stärker in den Neubau investiert werden muss.

Wie die Bauwirtschaft mit der Flaute im Wohnbau umgeht:

Nach dem Schock 2023 müssen sich die Geschäftsmodelle von Immobilienentwicklern und Wohnbauträgern allmählich an das neue Normal angepasst haben. Zinsen, Baukosten und Unsicherheiten sind nun einmal Teil dieses Umfelds. Meine Erwartung ist, dass die Unternehmen zunehmend Wege finden, damit umzugehen und ihre Projekte wieder voranzutreiben. 2023 ist vieles praktisch auf null gegangen. Dieses neue Normal kommt langsam an, aber es muss noch stärker ankommen.

Mit welcher Entwicklung er in den kommenden Jahren rechnet:

Ich glaube zwar, dass wir wirtschaftlich und speziell in der Baubranche die Talsohle durchschritten haben. Aber so steil, wie es nach unten gegangen ist, wird es ganz sicher nicht wieder nach oben gehen. Ich rechne eher über mehrere Jahre mit einer leichten, schrittweisen Verbesserung. Auch für 2027 erwarte ich keinen großen Aufschwung.

Wie sich Stirnimann in Österreich darauf einstellt:

Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und uns an den Markt angepasst. Wir sind vom Team her sehr gut aufgestellt, haben intensiv an unserer Kostenstruktur gearbeitet und auch unseren Mietpark entsprechend ausgerichtet. Diesen wollen wir nun wieder aufstocken. Unser Ziel für die nächsten Jahre ist solides, ertragsorientiertes Wachstum. Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern darauf achten, dass die einzelnen Schritte wirtschaftlich zusammenpassen.

Was das mittelfristig bis 2030 bedeutet:

Fünfjahrespläne zu schmieden, ist in Zeiten wie diesen natürlich schwierig. Unsere strategische Richtung ist trotzdem klar: Wir wollen mit dem Markt wachsen und möglichst auch etwas stärker als der Markt. Dafür wollen wir unseren Mietpark weiter ausbauen, bestehende Kunden nachhaltig betreuen und neue Kunden gewinnen.

Welche Maßnahmen die Politik setzten könnte, um der Bauwirtschaft zu helfen …

Ein wichtiges Thema ist die Vereinfachung von Verfahren. Dazu gehören aus meiner Sicht auch die Bauordnungen. Österreich braucht keine neun Bauordnungen. Außerdem müsste der leistbare Wohnbau wieder angekurbelt werden. Dabei geht es nicht darum, ständig nach neuen Förderungen oder nach dem Staat zu rufen. Entscheidend sind Rahmenbedingungen, unter denen sich Investitionen wieder rechnen – auch für soziale Wohnbauträger. Gerade dort hat es in den vergangenen Jahren eine starke Zurückhaltung gegeben.

… und was noch:

Österreich braucht aus meiner Sicht bei großen strukturellen Themen mehr Reformbereitschaft. Dazu zählen der Föderalismus, das Gesundheitswesen und die Pensionen. Ich würde mir wünschen, dass die Politik hier deutlich mutiger vorgeht.