Die Meldung sorgte im Juli für Schlagzeilen: In Linz verzeichneten die Behörden ein gehäuftes Auftreten von Legionellen-Erkrankungen. „In Kühltürmen eines Unternehmens im Bereich der Wiener Straße konnte bei Analysen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) eine starke Verkeimung mit Legionellen nachgewiesen werden“, teilte das Land Oberösterreich mit. Im September wurden weitere kontaminierte Kühltürme identifiziert, diesmal im Linzer Industriegebiet-Hafen, identifiziert. Zum Redaktionsschluss waren in Linz und Umgebung seit dem Sommer insgesamt 32 Personen erkrankt, drei davon tödlich.
Fiese Bakterien
Bei Legionellen handelt es sich um Bakterien, die sich in Wasserleitungen und anderen wasserführenden Anlagen vermehren können. Gefährlich werden sie vor allem, wenn man winzige belastete Wassertröpfchen einatmet, etwa in der Umgebung von Kühltürmen aber auch beim Duschen oder im Trinkwasser. Eine Infektion kann mild verlaufen, aber auch eine schwere Lungenentzündung auslösen – die sogenannte Legionärskrankheit. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Lungenerkrankungen.

Dass die Erkrankungen in Linz im Sommer, im Zuge der Rekordhitze, auftreten sind, ist aus Sicht von Experten kein Zufall: Legionellen mögen es warm. Die hohen Temperaturen, mit denen wir auch in Österreich in den Sommermonaten zunehmend konfrontiert sind, führt dazu, dass sie verstärkt zu einem Problem werden. „Die Hitze hat einen großen Einfluss“, bestätigt Jörg Wiesbauer, Seminarleiter beim Systemhersteller Viega.
Saisonaler Effekt
„Wenn man sich den zeitlichen Verlauf der Legionellen-Erkrankungen in Österreich anschaut, sieht man einen saisonalen Effekt. Im Februar oder März sind die Zahlen relativ niedrig, Richtung Sommer steigen sie an“, so Wiesbauer weiter. Für ihn gibt es dafür zwei wesentliche Punkte: Einerseits können Infektionen durch Kühltürme und Verdunstungsrückkühler auftreten. Andererseits erwärmt sich im Sommer aber auch das Kaltwasser.
„Dass sich die Spitze bei den Erkrankungen bis in den September hineinzieht, ist für mich ein Hinweis darauf, dass auch das eine Rolle spielt“, so der Viega-Experte weiter. „Im September laufen schließlich viele Verdunstungsrückkühlanlagen nicht mehr so intensiv wie im Hochsommer. Dafür steckt die Wärme dann im Boden und im Erdreich und kann zu höheren Temperaturen beim Trinkwasser kalt führen.“
Thomas Luksch, Inhaber des Installationstechnik-Büros Lutho und stellvertretender Innungsmeister der Installateure in Oberösterreich, ergänzt: „Das Thema Legionellen wird vielfach ausschließlich mit Trinkwasserinstallationen in Verbindung gebracht. Tatsächlich zeigt die praktische Erfahrung, dass Legionellen dort auftreten können, wo Wasser unter geeigneten Bedingungen mikrobiologisches Wachstum ermöglicht und gleichzeitig Aerosole freigesetzt werden.“
Technischer Unterschied
Luksch verweist darauf, dass Kühltürme oder Verdunstungsanlagen sich technisch „wesentlich von Trinkwasserinstallationen unterscheiden“. Die Vorfälle in Linz verdeutlichen aber aus seiner Sicht, „dass Betrieb, Wartung und Überwachung einer Anlage letztlich entscheidender sind als die reine technische Ausführung“.
Die steigenden Temperaturen im Sommer, das sieht Luksch genauso wie Wiesbauer, haben verstärken die Legionellen-Problematik. „Die Betriebszeiten von Kühl- und Vernebelungsanlagen zu. Dazu zählen beispielsweise Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme sowie Wasservernebelungsanlagen, wie sie in Tourismusregionen, Gastgärten oder öffentlichen Bereichen zur sommerlichen Kühlung eingesetzt werden“, so Luksch. „Bei diesen Anlagen steht insbesondere die laufende Überwachung der Wasserqualität und der Wartungszustände im Vordergrund. Dort sind vor allem die Betreiber gefordert.“
Aber auch das Trinkwasser in unseren Gebäuden ist betroffen: Durch die Hitze „steigen die Temperaturen in Installationsschächten, Technikräumen und Zwischendecken. Dadurch können sich Kaltwasserleitungen stärker erwärmen als dies früher der Fall war“, erläutert Luksch. Für die klassische Trinkwasserinstallation stelle die steigende Umgebungstemperatur eine zusätzliche Herausforderung dar. Luksch: „Die wesentliche Aufgabe des Installateurs besteht darin, bereits bei Planung und Ausführung Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen hygienisch sicheren Betrieb ermöglichen.“
Normen reichen aus
Seiner Ansicht nach reichen die bestehenden Regelwerke und Normen dafür aus – zumal sie in den vergangenen Jahren verschärft wurden. Die wesentlichen Neuerungen basieren auf der EU Trinkwasserrichtline und deren Umsetzung in nationales Recht mit den drei Normen ÖN B 1921, ÖN H 5155 und der zuletzt im April 2025 erschienenen ÖN B2531. „Besonders relevant sind in allen drei Normen die Hygieneaspekte, die auf die Überwärmung des Kaltwassers abzielen“, erläutert Friedrich Singer, Produktmanager Rohrsysteme bei Geberit.
Die drei neuen Normen haben eine unterschiedliche Bedeutung für den Arbeitsalltag von Installateuren und Planern zur Trinkwasserhygiene: Die überarbeitete Önorm H 5155 regelt den Bereich Wärmedämmung und Korrosionsschutz. Trinkwasser spielt hier eine Rolle, aber nicht ausschließlich. Die Önorm B 1921, die schon vor zwei Jahren erlassen wurde, wird von Experten „Hygienenorm“ genannt. Sie erfasst die mikrobiologischen Anforderungen an die Beschaffenheit des Wassers und deren Überwachung bei Trinkwasserwärmungsanlagen. Die dritte Norm im Bunde – die neue Önorm B 2531 – regelt schließlich, wie diese Anforderungen technisch umgesetzt werden müssen. Sie ist für den Arbeitsalltag auf den Baustellen die relevanteste Norm.
Die neuen Normen definieren die Maßnahmen, die Planer und Installateure gegen die Erwärmung ergreifen können. Eine dieser Maßnahmen betrifft die Trennung von Kaltwasser- und Warmwasserleitungen. Sie dürfen laut Önorm B 2531 nicht mehr in unmittelbarer Nähe ohne Trennung im selben Schacht geführt werden. Die Norm sieht dafür zwei Möglichkeiten vor: Entweder werden Kaltwasser- und Warmwasserleitungen gleich in zwei getrennten Schächten geführt oder man kann in dem gemeinsamen Schacht eine Schachttrennung einbauen.
Neben der fachgerechten Installation sehen Fachleute den Hebel im Kampf gegen Legionellen aber vor allem im ordnungsgemäßen Betrieb. Dazu Viega-Seminarleiter Wiesbauer: „Entscheidend ist, das gesamte System so zu planen, zu betreiben und zu warten, dass Legionellen möglichst keine Bedingungen vorfinden, unter denen sie sich stark vermehren können. Dazu gehören die richtigen Temperaturen, die Vermeidung längerer Stagnation, eine fachgerechte Leitungsführung und eine regelmäßige Wartung.“