Kreislaufgerechtes Sanieren heißt auf jeden Fall mehr Gehirnschmalz, mehr Planung, mehr Engagement. Einfach weil unser System noch nicht auf diese Art zu denken und bauen ausgerichtet ist. Und man braucht ein taubes Ohr für Aussagen wie: Das geht nicht.“ Gabriela Sonnleitner, Geschäftsführerin des Social Business Magdas, weiß, wovon sie spricht: Magdas lässt derzeit in der Laufberggasse 12 im zweiten Wiener Gemeindebezirk ein ehemaliges Pflegeheim aus den 70er Jahren zu seinem neuen Hotel „Vienna Prater“ umbauen. Dabei setzt man auf Kreislaufwirtschaft und Reuse. „Sanieren im Bestand ist aufwendiger als ein Neubau auf der grünen Wiese – spart aber riesige Mengen grauer Energie“, argumentiert man bei Magdas.
Gemeinsam sanieren
Bei dem Projekt arbeitet das Social Business der Erzdiözese mit Atelier Heiss Architekten und Expertinnen und Experten für Architektur und Haustechnik zusammen. Gemeinsam will man zeigen, wie kreislauffähiges Bauen und innovative Gebäudetechnik im Hotelbetrieb praxistauglich werden. Das Gebäude wird umfassend saniert und auf einen modernen 3-Sterne+ Hotelstandard gebracht. Die Eröffnung des barrierefreien Gartenhotels ist für das Frühjahr 2027 geplant.
Erhalt der Struktur
Der Erhalt der bestehenden Grundstruktur verhindert unnötige Abbruch-Emissionen. Zudem setzt man beim Interieur intensiv auf Kreislaufwirtschaft: Zahlreiche Baustoffe und Möbel – von ausgemusterten ÖBB-Kleiderhaken über Mosaike aus Fliesen aus dem Bestand bis hin zu Reuse-Parkettböden – erhalten durch Upcycling ein zweites Leben. „Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketing-Gag, sondern bauliche Verantwortung“, sagt Magdas-Geschäftsführerin Sonnleitner. „Wir beweisen, dass man ein komplexes Bestandsobjekt aus den 1970er-Jahren mit all seinen baulichen Defiziten in ein echtes Vorzeigeprojekt verwandeln kann – ökologisch konsequent, wirtschaftlich durchdacht und ein Ort zum Wohlfühlen.“

Nicht alles geht
Dabei ist aus ihrer Sicht wichtig, „dass das gesamte Team dieses Thema ernst nimmt und sich bemüht Ideen in die Realität umzusetzen“. Trotzdem könne man viele Vorschläge nicht realisieren, weil Reuse-Materialien behördliche Auflagen nicht erfüllen oder gewünschtes Material nicht zeitgerecht gefunden wird. „Wir versuchen einerseits Dinge, die bereits im Haus waren, wieder einzusetzen. Da scheitern wir teilweise, weil es für diese alten Materialien keine Zertifizierungen gibt, die den heutigen Anforderungen entsprechen“, erläutert Sonnleitner. Sie habe mit ihrem Team beispielsweise monatelang gesucht, bis man jemanden gefunden habe, der die Gläser ehemaliger Lampen so bearbeitet, damit sie zertifizierbar wurden.
Möbel aus Altholz
Eine weitere Idee war es, Möbel aus Altholz zu bauen. „In Österreich konnten wir dieses Holz in den gebrauchten Mengen und Sorten nicht zeitgerecht finden. In den Niederlangen gäbe es einen Markt, wo damit gehandelt wird. Wir wollten aber kein Altholz aus den Niederlanden importieren“ berichtet die Magdas-Chefin. Die Rettung kam unverhofft durch den European Song Contest (ESC): Über die Wiener Materialnomaden, die sich auf Kreislaufwirtschaft spezialisiert haben, erhielt Magdas Zugang zu den Bühnenbauten des ESC aus Holz. Mit diesem Holz wurden die Möbel dann gezimmert.
Nicht teurer
Geld sparen lässt sich mit dem Fokus auf Kreislaufwirtschaft nicht unbedingt. „Manche nachhaltige Investitionen sind anfangs höher, wenn sie sich langfristig rechnen, berücksichtigen wir das im Business Case“, meint Sonnleitner. Den Einsatz von Reuse-Materialien versuche man kostenneutral zu kalkulieren. „Die Wiederaufbereitung von alten Möbeln sollte nicht teurer sein als ein neues Design-Stück.“

Am Fokus auf Nachhaltigkeit hält Magdas auch in anderen Bereichen fest: Durch die umfassende thermische Sanierung der Hülle, neue Holz-Alu-Fenster und den vollständigen Verzicht auf fossile Energieträger soll das Gebäude im Betrieb 372 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen. Bei der Fassadengestaltung setzt man auf nachwachsende Holzweichfaserdämmplatten. In den 103 Hotelzimmern kommt ein neuartiges Klimapaneel des Wiener Unternehmens Abaton zum Einsatz, über das die Bauzeitung bereits berichtet hat (siehe: Bauzeitung 4/2025). Das Paneel kühlt und heizt geräuschlos ohne Zugluft und reduziert durch ein patentiertes Feuchtepuffer-System den Kühlstrombedarf um 45 Prozent im Vergleich zu konventionellen Kühldecken.
Klimaschonend kühlen
Gekühlt wird klimaschonend per Free Cooling über das Wiener Grundwasser. Gleichzeitig wird Barrierefreiheit nicht nachträglich eingebaut, sondern wurde von der ersten Planungssekunde an als architektonische Grundanforderung behandelt. „Wir wollten kein Haus, das barrierefrei wirkt, sondern eines, das schön ist – und für alle funktioniert“, betont Sonnleitner.

Das Magdas Hotel Vienna Prater wird nach seiner Fertigstellung im kommenden Jahr 103 Zimmer, vier Seminarräume und ein für ganz Wien offenes Restaurant mit Garten und Blick auf den Prater bieten. Und es soll als Social Business weiterhin Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt schaffen. „Die Transformation eines alten Pflegeheims in ein offenes, lebendiges Hotel war architektonische Präzisionsarbeit“, sagt Severa Horner, Partnerin bei Atelier Heiss Architekten. „Wir haben die bestehende Struktur respektiert, aber durch gezielte Entkernung, viel Licht und nachhaltige Materialien einen Ort geschaffen, der atmet und Begegnung fördert.“
„Kreislaufgerechtes Sanieren heißt auf jeden Fall mehr Gehirnschmalz, mehr Planung, mehr Engagement. Einfach weil unser System noch nicht auf diese Art zu denken und bauen ausgerichtet ist. Und man braucht ein taubes Ohr für Aussagen wie: Das geht nicht.“
Gabriela Sonnleitner, Geschäftsführerin Magdas
