Johann Bosch über die Auswirkungen der Flaute am Bau auf sein wichtigstes Geschäftsfeld:
Wir liegen beim Umsatz heuer leicht über dem Vorjahr, aber der Markt ist schwierig. Wir sehen seit rund drei Jahren rückläufige Verkaufszahlen bei Baumaschinen. Das betrifft uns unmittelbar, denn rund 50 bis 60 Prozent unseres Geschäfts entfallen auf Maschinensteuerungen. Und wir rüsten überwiegend Neumaschinen aus. Natürlich kann man auch eine gebrauchte Maschine nachrüsten, aber eine Maschinensteuerung wird hauptsächlich auf Neumaschinen aufgebaut. Wenn weniger neue Maschinen verkauft werden, spüren wir das.
Wie sich das zweite wichtige Segment, die Vermessungstechnik, entwickelt:
Unsere großen, langjährigen Kunden investieren zwar weiterhin, aber auch sie sind bei Neuanschaffungen zurückhaltend. Uns fehlen derzeit einfach die großen Projekte. Für uns ist vor allem der Tiefbau relevant – also Straßen-, Bahn-, Autobahn- und Spezialtiefbau. Dort werden grundsätzlich viele Maschinen und damit auch viele Steuerungen benötigt.
Was eine moderne Maschinensteuerung heute leistet:
Nehmen wir einen Bagger als Beispiel. Der Fahrer verfügt in der Kabine über ein Display, auf dem er einen Soll-Ist-Vergleich sieht: Wo befindet sich die Schneidkante seines Löffels und wo soll sie laut Planung sein? Auf der Maschine sitzen GPS-Empfänger, die ihre exakte Position bestimmen. Sensoren erfassen die Bewegungen bis zur Löffelschneide. Zusammen mit einem hinterlegten 3D-Modell weiß der Fahrer damit genau, wo und wie tief er baggern muss. Früher hat er sich an einem Holzpflock in der Erde orientiert. Das ist vorbei. Die Pflöcke gibt es nicht mehr.
Wie weit die Automatisierung bei den Baumaschinen bereits ist …
Raupen und Grader arbeiten seit Jahren bereits mit Automatik: Der Fahrer gibt die entsprechende Funktion frei, und das Schild hält automatisch die richtige Höhe. Beim Bagger ist das deutlich komplexer. Dort spielen Löffelgewicht, Material und Arbeitsgeschwindigkeit eine Rolle. Hier setzt sich aber die Halbautomatik immer mehr durch: Der Fahrer bewegt hier beispielsweise nur noch den Stiel selbst. Ausleger und Löffelbewegung übernimmt die Maschine.
Warum die Automatisierung sich nur langsam durchsetzt:
Viele Baggerfahrer wollen noch selbst arbeiten. Man muss auch sagen, dass die ersten Systeme nicht immer optimal funktioniert haben. Mittlerweile läuft die Halbautomatik sehr gut. Technisch hat sich enorm viel getan. Moderne Gyro-Sensoren messen nicht nur Winkel, sondern auch Beschleunigungen und arbeiten wesentlich schneller. Dazu kommt die gestiegene Rechenleistung. Vieles, was heute in kompakter Form möglich ist, wäre vor 15 oder 20 Jahren technisch kaum umsetzbar gewesen.
Wo er bis 2030 die größten Entwicklungsmöglichkeiten für Sitech Austria sieht:
Ein wichtiges Thema ist die vernetzte Baustelle. Wir verbauen seit Jahren Modems in die Maschinen, unsere Vermessungsgeräte verfügen ebenfalls über entsprechende Datenverbindungen. Dadurch können 3D-Daten aus der Zentrale über Cloud-Lösungen direkt auf die Maschinen geschickt werden. Umgekehrt lassen sich Produktivitätsdaten abrufen.
Wozu diese Daten verwendet werden:
Bei Walzen kann beispielsweise dokumentiert werden, wo, wann und mit welcher Qualität verdichtet wurde. Das ist ein wesentlicher Fortschritt. Diese Art von Dokumentation wird immer wichtiger. Bei öffentlichen Ausschreibungen wird zunehmend gefordert werden, bestimmte Arbeiten exakt nachzuweisen. Bei einem großen Speicherteich oder einem Damm ist die Verdichtung schließlich sicherheitsrelevant. Da muss nachvollziehbar sein, wie gearbeitet wurde. In diesem Bereich sehe ich viel Potenzial für digitale Dienstleistungen sowie Service- und Supportpakete.
Was er sich von der Politik wünscht, um die Bauwirtschaft zu unterstützen:
Vor allem mehr Infrastrukturprojekte: Ausbau und Sanierung des Straßennetzes, Hochwasserschutz oder Projekte rund um die Energiewende sind für unsere Branche wichtig. Viele Vorhaben wurden aus Kostengründen zurückgestellt. Wenn man nach Deutschland blickt und sieht, welche Summen dort für Infrastruktur vorgesehen sind, kann man neidisch werden. Deutschland will in den nächsten Jahren 500 Milliarden Euro investieren. Umgerechnet wären das 50 Milliarden in Österreich. Davon ist nichts zu sehen.
