Sonne ist ja schön, Mega-Hitze weniger: Die Rekordhitze in diesem Sommer war für viele Menschen eine enorme Belastung. Bei 40 Grad im Schatten vergeht einem die Lust an der Bewegung. Die hohen Temperaturen sind aber nicht nur unangenehm. Sie stellen auch die Wasseraufbereitung vor enorme Herausforderungen – vor allem die Aufbereitung des Trinkwassers: „Heiße Sommer zeigen, dass Trinkwasserhygiene nicht am Wasserzähler endet“, meint Robert Friedl, Verkaufsleiter PoE beim Wasseraufbereitungsspezialisten BWT in Österreich. Friedl weiter: „Wer seine Hausinstallation gut plant, regelmäßig nutzt und vor Kalk und Partikeln schützt, sorgt dafür, dass die Qualität, die der Wasserversorger liefert, auch am Wasserhahn ankommt. Gleichzeitig erhält er den Wert seines Gebäudes.“
Mehr Geschäft
Der Klimawandel beschert den Herstellern von Wasseraufbereitungsanlagen zusätzliches Geschäft. Das liegt daran, dass die Wasserleitungen in den Mauern und selbst die Wasser führenden Leitungen im Boden irgendwann so stark erwärmt werden, dass es hygienisch bedenklich wird. Steigt die Temperatur auf über 20 Grad bestehe die erhöhte Gefahr der Verkeimung einer Anlage. „Zahlreiche pathogene Mikroorganismen fühlen sich in einer Umgebungstemperatur zwischen 20 und 55 Grad nämlich besonders wohl und verbreiten sich dementsprechend schneller“, erläutert man beim Systemhersteller Viega.

Die Herausforderung laut Viega: „Ist die Kaltwasserleitung einmal mit Legionellen oder anderen Bakterien kontaminiert, gestaltet sich der Reinigungsprozess der Anlage überaus aufwendig.“ Es könnte zum Beispiel eine Desinfektion erforderlich werden. „Um Zeit, Kosten und Mühen zu sparen, lohnt es sich, Vorkehrungsmaßnahmen zu treffen“, so die Expert*innen des Systemherstellers.
Größte Herausforderungen
„Die größte Herausforderung bei langen Hitzeperioden ist die Erwärmung der Gemäuer und des gesamten Gebäudes“, sagt auch Patrick Prokop, Leader Projects Austria, bei Lixil Europe, dem Eigentümer von Sanitäranbieter Grohe. „Denn durch die lang anhaltende Hitze heizt sich das gesamte Gebäude und damit auch die Leitungen beziehungsweise die Trinkwasserleitungen auf Dauer auf. Wenn Kaltwasser allerdings zu warm wird, können sich Keime ähnlich wie in stagnierendem Wasser schneller vermehren“, so Prokop weiter. „Das ist ein sehr ernst zu nehmendes hygienisches Risiko, da dadurch die hohe Qualität des Trinkwassers aus der Leitung eventuell nicht mehr gewährleistet ist.“

Bei BWT ergänzt man: „Erwärmt sich Wasser in Leitungen oder Speichern über längere Zeit, können sich Mikroorganismen leichter vermehren. Insbesondere in wenig genutzten Leitungsabschnitten oder bei längeren Stagnationszeiten steigt das hygienische Risiko durch die Bildung von Biofilmen im Leitungssystem.
Technische Maßnahmen
Die Hersteller empfehlen eine Reih von technischen Maßnahmen, mit denen man verhindern kann, dass sich das Wasser in den Gebäuden zu stark erwärmt und dadurch hygienische Probleme entstehen. Die wichtigsten technischen Maßnahmen liegen aus Sicht von Lixil-Manager Prokop in der Verantwortung von Planung und Installation. „Konkret bedeutet das: Schon bei der Planung eines Gebäudes ist grundsätzlich auf eine ausreichende Kälte- und Wärmeisolierung zu achten. Speziell auf das Trinkwasser bezogen, achten Installateur*innen und Planer*innen den geltenden Normen entsprechend ohnehin auf eine getrennte Leitungsführung von Warm- und Kaltwasserleitungen, um eine Wärmeübertragung zu vermeiden.“

Darüber hinaus lassen sich die Leitungen isolieren, vor allem in Bereichen mit hoher Umgebungstemperatur oder in der Nähe von Warmwasserleitungen. Nachträglich ist zudem eine Beschattung des gesamten Gebäudes denkbar, sodass sich das Gemäuer nicht so stark aufheizt. Zudem lassen sich bauliche Maßnahmen durchführen, durch die sich das Gebäude weniger stark aufheizt, etwa eine zusätzliche Dämmung oder entsprechende Belüftungskonzepte.
Keine Stagnation
Prokop rät zudem dazu, das Wasser regelmäßig auszutauschen und stagnierendes Wasser zu vermeiden: „Bereits nach drei Tagen Stillstand sollte das Wasser an allen Entnahmestellen mindestens fünf Minuten laufen.“ Ob Gästebad, Waschbecken im Keller oder Außenzapfstelle im Garten – auch selten genutzte Entnahmestellen müssen regelmäßig betätigt werden, um Stagnation zu vermeiden. „Das spart langfristig Kosten, denn nach vier Wochen ohne Zirkulation in den Leitungen muss die Trinkwasseranlage aus Sicherheitsgründen professionell gespült werden“, so Prokop.
Schlüssel zur Hygiene
„Diese Maßnahmen sind der Schlüssel zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser. Das spart langfristig Aufwand und Kosten für alle Beteiligten. Unsere Rolle als Hersteller ist es, Produkte anzubieten, die diese Anforderungen unterstützen und zusätzlichen Komfort bieten“, meint er.
Bei BWT betont man vor allem zwei Aspekte: „Entscheidend sind eine fachgerechte Planung und regelmäßige Nutzung der Trinkwasserinstallation.“ Zu den wichtigen Maßnahmen zählen die BWT-Expert*innen unter anderem die gute thermische Trennung von Kalt- und Warmwasserleitungen, die ausreichende Dämmung der Rohrleitungen, die Vermeidung von Stagnationsstrecken, den regelmäßigen Wasseraustausch in selten genutzten Leitungsabschnitten sowie die Einhaltung der empfohlenen Temperaturgrenzen für Kalt- und Warmwasser. Zum raten sie zum Einsatz von modernen Überwachungs- und Regelungssysteme zur Sicherstellung eines hygienischen Betriebs. „Dadurch lässt sich das Risiko unerwünschter Erwärmung und mikrobiologischer Belastungen deutlich reduzieren“, so ihr Urteil.
Neuer Planungsstandard
„Steigende Außentemperaturen und längere Hitzeperioden verändern die Anforderungen an die Haustechnik spürbar. Was früher als Ausnahme galt, wird zunehmend zum Planungsstandard“, meint man bei Viega. Der Systemhersteller verweist auf die Weiterentwicklung des Regelwerks: „Normen reagieren bereits auf diese Entwicklung und passen Vorgaben an die klimatischen Veränderungen an.“ So sehe die ÖNORM B 2531:2025 vor, dass Verbrauchsleitungen im Erdreich unterhalb der Frostgrenze, mindestens jedoch 1,5 Meter unter der Oberfläche zu verlegen sind. „Ziel ist nicht nur der Schutz vor Frost, sondern auch der Temperaturerhalt von Kaltwasser.“
Belebende Wirkung
Dadurch, dass sie die Herausforderungen an die Haustechnik erhöhen, haben die steigenden Temperaturen durchaus auch eine belebende Wirkung auf das Geschäft in der Wasseraufbereitung. „Die Nachfrage nach Lösungen zur Trinkwasseraufbereitung entwickelt sich weiterhin sehr positiv“, heißt es bei BWT.
„Neben dem klassischen Wunsch nach entkalktem Wasser für höheren Komfort und besseren Wassergeschmack rücken Themen wie Hygiene und Nachhaltigkeit zunehmend in den Fokus“, so der Wasseraufbereitungsspezialist. „Heiße Sommer machen die Bedeutung einer sicheren und hochwertigen Wasserversorgung für viele Menschen noch greifbarer.“ Gerade private Haushalte sowie Betreiber von Wohn- und Gewerbeimmobilien fragen laut BWT gezielter nach, wie sie ihre Trinkwassersysteme langfristig schützen können.
Geschäft positiv
„Das Geschäft der Trinkwasseraufbereitung bei Grohe entwickelt sich positiv. Wir verzeichneten bei Wassersystemen im Jahr 2025 ein sehr positives Wachstum“, bestätigt auch Lixil-Vertreter Prokop. „Die Produktkategorie ist definitiv gefragt.“ Ein wesentlicher Treiber sei vermutlich zudem auch das gestiegene Bewusstsein für Wasserqualität, Komfort und Nachhaltigkeit. „Verbraucher*innen möchten auf Einweg-Plastikflaschen verzichten, ohne dabei Kompromisse beim Geschmack oder bei der Verfügbarkeit einzugehen. Die Einführung des Flaschenpfands hat diesen Trend zusätzlich verstärkt.“

Die Hersteller bieten ihren Kundinnen und Kunden eine Reihe von innovativen Produkten an, um ihnen beim Kampf gegen zu hohe Temperaturen im Wasser zu helfen. Viega hat hier beispielsweise das Aquavip-Zirkulationsregulierventil im Programm, das elektronisch für stabile Temperaturen sorgt. „Der gesicherte Temperaturerhalt von Kaltwasser wird immer stärker zu einem zentralen Planungsthema. Gefragt sind Systeme, die Temperaturschwankungen frühzeitig erkennen und regulierend eingreifen“, beschreibt der Hersteller die Herausforderung.
Präzise Temperaturführung
Das Aquavip Zirk-E unterstützt eine präzise Temperaturführung in Zirkulationssystemen und hilft, kritische Bereiche aktiv zu überwachen. Das Ergebnis laut Viega: „stabile Temperaturen für hygienisches Trinkwasser, erhöhte Betriebssicherheit und ein effizienterer Anlagenbetrieb. Gleichzeitig lassen sich Energieverluste reduzieren, was sich langfristig positiv auf die Betriebskosten auswirkt.“
„Hygiene beginnt bei einer sauberen, intakten Installation. Kalk und Partikel schaffen raue Oberflächen und Nischen, in denen sich Biofilme leichter ansiedeln“, betont man bei BWT. Der Hersteller setzt hier mit zwei Lösungen an: Die BWT Perla Weichwasseranlage schützt Rohrleitungen, Armaturen und Wasser führende Geräte vor Kalkablagerungen. „Dadurch bleiben die Oberflächen in der Installation glatter und die Geräte länger leistungsfähig“, so BWT. „Gleichzeitig lassen sich Wartungsaufwand, Energieverbrauch sowie der Einsatz von Reinigungs- und Waschmitteln spürbar reduzieren.“
Neue Lösung

Mit BWT Perla Maxx erweitert BWT dieses Konzept um eine Lösung für die Küche: Eine Mineralisierungskartusche, die vor dem Wasserhahn installiert wird, reichert das enthärtete Wasser mit Mineralien an und sorgt so laut BWT „für wohlschmeckendes, mineralisiertes Trinkwasser direkt aus der Leitung“. Dadurch könne auf den Kauf von Wasserflaschen verzichtet werden – „ein Komfortgewinn für den Alltag und zugleich ein Beitrag zur Reduktion von Verpackung, Transport und Lageraufwand“.
Sand und Rost
Zudem verweist BWT auf seinen Trinkwasserfilter E1, Partikel wie Sand, Rost und sonstige partikuläre Verunreinigungen zurückhält, bevor sie in die Hausinstallation gelangen und dort Ablagerungen verursachen oder Korrosionsprozesse begünstigen. Der Hersteller betont die einfache Reinigung ohne Werkzeug, die es ermögliche den Filter regelmäßig zu warten. „So unterstützt er dauerhaft die Betriebssicherheit und Wasserqualität innerhalb des Gebäudes.“

Lixil-Manager Prokop streicht zum einen die Schulungen hervor, „die wir Installateur*innen und Planer*innen anbieten“. Bei den Produkten verweist er auf die Grohe Blue Wassersysteme, die sehr gefragt seien, wenn es um gekühltes, gefiltertes Trinkwasser geht. Das Besondere: „Das System kühlt das Wasser direkt am Entnahmepunkt und liefert es gefiltert in den Varianten still, medium oder prickelnd.“ Nutzer*innen, so Prokop weiter „erhalten unabhängig von der Temperatur in den Zuleitungen stets erfrischend gekühltes Wasser mit exzellentem Geschmack“.
Guter Geschmack
Der integrierte Filter sorge zusätzlich für „höchste geschmackliche Qualität und bei entsprechendem Modell auch für reines Wasser“. Durch getrennte innen liegende Wasserwege kommen gefiltertes und ungefiltertes Wasser nicht miteinander in Berührung. Nutzer*innen können aus einem breiten Angebot an Filtern wählen, die zudem Verunreinigungen reduzieren und das Wasser mit Mineralien anreichern.
Für höchste Hygieneanforderungen bietet Grohe den Ultrasafe Filter an. Dieser filtert laut Hersteller Schmutzpartikel wie Sand, 99,5 Prozent des Bleigehalts, Chlor sowie 99,999 Prozent aller Bakterien und Mikroplastik mit einer Größe von mehr als einem Mikrometer heraus. „Diese Lösung bietet zusätzliche Sicherheit in Hitzeperioden“, meint Prokop.
Breites Portfolio
Um Stagnation in den Leitungen zu vermeiden, rät er zudem zu Infrarot-gesteuerten Armaturen wie die Grohe Eurosmart Cosmopolitan E oder Grohe Bau Cosmopolitan E. Diese Armaturen lassen sich so programmieren, dass sie automatisch in festgelegten Intervallen spülen. Prokop: „Diese Produkte sind Teil unseres umfassenden Portfolios für Trinkwasseraufbereitung und zeigen, wie technische Innovation Komfort und Hygiene verbindet.“
