„Die österreichische Bauwirtschaft ist sehr leistungsfähig. Immerhin sind zahlreiche heimische Bauunternehmen in Europa sehr erfolgreich. Dennoch sind diese Zahlen ein eindeutiger Hinweis, dass wir ein strukturelles Problem haben.“ Das strukturelle Problem, das der Bauunternehmer und Innungsvertreter Anton Rieder anspricht, wird in einer aktuellen Studie der Zukunftsagentur Bau (ZAB) verdeutlicht: Die Bruttowertschöpfung pro Kopf ist in den vergangenen knapp 20 Jahren in der österreichischen Bauwirtschaft um mehr als 70 Prozent gesunken. Für Rieder ist klar: Das ist ein Weckruf, und das Thema muss man sich dringend genauer anschauen.
Wie wichtig ist das?
Genauer anschauen – das war auch das Stichwort für die „Bauzeitung“. Sie ging dem Sachverhalt in ihrer aktuellen Leser*innenumfrage auf den Grund. Um es vorwegzunehmen: Die Betriebe des Baugewerbes bestätigen die Ergebnisse der diversen Studien nicht. Sie halten das Thema für wichtig, sehen aber echte Fortschritte in den vergangenen Jahren.
„Wie wichtig ist das Thema ‚Produktivität verbessern‘ in Ihrem Unternehmen?“, lautete die Einstiegsfrage. Bei 32 Prozent der befragten Betriebe hat das Thema „höchste Priorität“. Weitere 61 Prozent halt es für wichtig, „man kann sich immer verbessern“. Nur bei sieben Prozent spielt es keine Rolle.
Mit der zweiten Frage wollte die Bauzeitung herausfinden, wie sich die Produktivität in den vergangenen fünf Jahren in den Betrieben entwickelt hat. Hier kommen die größten Widersprüche zu den Produktivitäts-Studien zum Vorschein: 57 Prozent der Befragten berichten von Verbesserung – 11 Prozent sprechen von einer deutlichen Verbesserung, „hat sich erhöht“, meinen 46 Prozent. Bei 29 Prozent der Betriebe ist laut dieser Umfrage die Produktivität gleichgeblieben. Von einer Verschlechterung berichten nur 11 Prozent, von einer deutlichen Verschlechterung sogar nur 4.
Viel Potenzial
Ziemlich positiv wirkt sich laut dieser Umfrage die Digitalisierung auf die Produktivität aus. 25 Prozent der Befragten nutzen sie bereits intensiv. 54 Prozent meinen, dass sie hilft und ein großes Potenzial bietet. Weitere 11 Prozent entschieden sich bei der Umfrage für die Antwort „sie hilft ein wenig“. Noch gar nichts bringt sie nur bei 4 Prozent der befragten Betriebe. Die Antwort „das ist alles Blödsinn“ fand überhaupt keinen Zuspruch.
Abschließend wollte die Bauzeitung wissen, wo die Befragten die größten Hindernisse bei der Produktivitätssteigerung sehen und wo Sie ansetzen. Hier scheint der Faktor Zeit eine wichtige Rolle zu spielen – oder besser gesagt: der Mangel an diesem Gut. „Verfügbare Zeit zur Planung, Einführung, Umsetzung dieser Maßnahmen“, lautete eine Antwort, „man müsste sich mehr Zeit nehmen“, eine andere. Eine weitere Hürde besteht in der Dynamik der technologischen Entwicklung. Das beschreibt ein Befragter so: „Tools entwickeln sich sehr schnell. Sobald man einen Prozess digital optimiert hat, ist diese Optimierung bereits überholt.“
Stehen uns im Weg
Der wichtigste Faktor beim Ringen um mehr Produktivität dürfte aber der Mensch sein. „Einen gelebten Prozess digitalisieren heißt noch lange nicht, dass er dadurch ‚besser‘ oder effizienter wird. Das Verständnis zum Neudenken fehlt sehr oft“, heißt es in einem Statement. „Mitarbeiter“, schreibt ein weiterer Teilnehmer, „die Menschen“ ein anderer, „entsprechend ausgebildetes Personal“ ein dritter. Etwas mehr Worte wurden in diesem Statement investiert: „Wir stehen uns oft selbst im Weg. Es ist wichtig, dass die ganze Mannschaft erkennt, wie wichtig das Thema ist.“