Baukonjunktur: Die erhoffte Trendwende bleibt aus

„Die erhoffte Erholung wurde quasi in der Straße von Hormuz versenkt.“ Mit diesen Worten blickte Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich, bei der heutigen Konjunktur-Pressekonferenz auf die Entwicklung der vergangenen Monate zurück. Noch im April hatte es erste Anzeichen einer Trendwende gegeben, insbesondere im Baugewerbe. Die geopolitischen Verwerfungen und erneut gestiegenen Energiekosten hätten diese Hoffnungen jedoch zunichtegemacht. Zwar zeichnen WIFO und IHS mittlerweile ein vorsichtig positiveres Bild für die österreichische Gesamtwirtschaft, für den Bau bleiben die Aussichten jedoch verhalten.

Spartenobmann Manfred Denk

Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk

„Die erhoffte Erholung wurde quasi in der Straße von Hormuz versenkt.“

Die Zahlen der KMU Forschung Austria bestätigen die anhaltend schwierige Lage. Im ersten Halbjahr 2026 gingen Auftragseingänge und Umsätze im Gewerbe und Handwerk nominell um 1,8 Prozent zurück. Unter Berücksichtigung der um 2,7 Prozent gestiegenen Verkaufspreise ergibt sich ein reales Minus von 4,4 Prozent. Nur ein Viertel der Betriebe verzeichnete Zuwächse, während 32 Prozent Rückgänge meldeten. Besonders betroffen waren unter anderem Unternehmen der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik.

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Tabelle 1: Q3
© KMU Forschung Austria/WKO

Baugewerbe verliert an Schwung

Im dritten Quartal 2026 stieg der Auftragsbestand der investitionsgüternahen Branchen gegenüber dem Vorjahr zwar um 1,6 Prozent. Im Baugewerbe selbst fiel der Zuwachs mit lediglich 0,2 Prozent jedoch äußerst bescheiden aus. Zum Vergleich: Im ersten Quartal hatte das Plus noch 15,5 Prozent betragen, im zweiten Quartal acht Prozent.

Auch die Entwicklung der Baunebengewerbe ist uneinheitlich. Während Maler und Tapezierer beim Auftragsbestand um 3,5 Prozent zulegten, verzeichneten Hafner, Platten- und Fliesenleger sowie Keramiker einen Rückgang von 6,8 Prozent. Im Holzbau betrug das Minus 3,9 Prozent, im Bauhilfsgewerbe 3,6 Prozent. Bei den Fliesenlegern erfolgte der Rückgang allerdings von einem vergleichsweise hohen Niveau, die Auslastung bleibt laut KMU Forschung Austria relativ solide.

Insgesamt sind die Betriebe der investitionsgüternahen Branchen durchschnittlich für 12,5 Wochen ausgelastet. Gleichzeitig meldeten 45 Prozent freie Kapazitäten und könnten sofort zusätzliche Aufträge übernehmen. Laut Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria ist das für ein drittes Quartal ein ungewöhnlich hoher Wert, der zuletzt 2017 erreicht wurde.

Auch der Blick auf das Jahresende verspricht wenig Besserung. Für das vierte Quartal liegt der Erwartungssaldo der investitionsgüternahen Branchen bei minus 15 Prozentpunkten. Die schwache Nachfrage dürfte die Betriebe somit weiter beschäftigen.

Zahlen für das Q4
© KMU Forschung Austria/WKO

Sieben Jahre rückläufiges Geschäft

Manfred Denk fand angesichts dieser Entwicklung deutliche Worte. Die Erwartungen der Unternehmen lägen mittlerweile seit 16 Quartalen in Folge im negativen Bereich. „Vier volle Jahre unter Wasser“, wie er es formulierte. Irgendwann gehe einem dann die Luft aus, warnte der Bundesspartenobmann. Für 2026 zeichne sich bereits das siebte Jahr in Folge mit einem realen Minus im Gewerbe und Handwerk ab. „Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Konjunktur zu einem Schrecken ohne Ende wird.“

Als wesentlichen Hebel für einen Ausweg aus dieser Entwicklung sieht Denk die Bauwirtschaft. Dass diese weit über die eigentliche Branche hinaus Bedeutung hat, unterstrich auch Robert Jägersberger, Bundesinnungsmeister des Baugewerbes und dieses Mal Gast am Podium der Pressekonferenz. Unter Einbeziehung von Zulieferern sowie indirekten wirtschaftlichen Effekten bezifferte er die Gesamtwirkung der Bau- und Immobilienwirtschaft auf 84,8 Milliarden Euro beziehungsweise rund 20 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. „Geht es dem Bau gut, geht es uns allen gut“, zitierte Jägersberger eine bekannte Redewendung. Davon sei man derzeit allerdings weit entfernt.

Bundesinnungsmeister Bau Robert Jägersberger. Copyright: Wilke - Das Fotostudio
Bundesinnungsmeister Bau Robert Jägersberger.Copyright: Wilke – Das Fotostudio

Robert Jägersberger, Bundesinnungsmeister Bau

„Geht’s dem Bau gut, geht’s uns allen gut. Soweit sind wir momentan leider nicht.“

Weniger Vorschriften, mehr Investitionen

Die Forderungen der Interessenvertretung sind nicht neu: einfachere und kürzere Bauverfahren, weniger Vorschriften, günstigere Finanzierungsmöglichkeiten und eine verlässlichere Wohnbauförderung. Jägersberger verwies unter anderem auf die trotz ihres formalen Auslaufens weiterhin wirksamen Kreditvergabestandards der früheren KIM-Verordnung.

Ein besonderes Anliegen ist dem Bundesinnungsmeister das Bauen außerhalb bestehender Normen. Gerade bei Umbauten und Sanierungen müssten Abweichungen von aktuellen Neubauanforderungen möglich sein, ohne dass daraus zivilrechtliche Risiken für die ausführenden Unternehmen entstehen. Er fordert außerdem die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung und kritisierte die mangelnde Planbarkeit von Fördermaßnahmen.

Manfred Denk begrüßte zwar die bestehende Sanierungsoffensive, insbesondere die Förderung des Heizungstauschs und der thermischen Sanierung. Diese Maßnahmen kämen allerdings nur einem Teil der Bauwirtschaft zugute. Umfassende Gebäudesanierungen und der Neubau würden wesentlich mehr Gewerke beschäftigen. Zusätzliche Impulse erhofft er sich auch von kommunalen Infrastrukturprojekten. Die angespannte Finanzlage vieler Gemeinden erschwere jedoch deren Umsetzung.

Einfacheres Bauen müsse zugleich günstigeres Bauen ermöglichen. Denk plädierte deshalb für eine systematische Überprüfung der Kosten von Bauvorschriften, digitale Genehmigungsverfahren und Erleichterungen bei der Sanierung bestehender Gebäude. Auch Nachverdichtungen, Aufstockungen und Ersatzneubauten in bestehenden Ortskernen müssten erleichtert werden.

Infografik: Fazit
© KMU Forschung Austria/WKO

Eine Baustrategie muss her

Über einzelne Maßnahmen hinaus fordert die Wirtschaftskammer nun eine nationale Baustrategie. Jägersberger berief sich dabei auf WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr, der den Bau als wichtigen Ansatzpunkt für eine Belebung der österreichischen Konjunktur bezeichnet hatte. Nach der Industriestrategie brauche es deshalb auch eine Baustrategie. Denk sprach von einem „echten Bauplan für einen Aufschwung“, den Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam mit der Bauwirtschaft und Fachleuten entwickeln sollten.

Doch wie konkret ist diese Forderung bereits? Auf Nachfrage von Handwerk & Bau, wie eine solche Baustrategie aussehen sollte, was ihre wichtigsten Bausteine wären und wer sie umsetzen müsste, verwies Jägersberger erneut auf Felbermayr. An welchen Stellschrauben gedreht werden könne, müsse erst diskutiert und ausgelotet werden. Zunächst gehe es darum, die Idee überhaupt in den Raum zu stellen. Manfred Denk ergänzte, dass insbesondere die zweckgebundene Verwendung der Wohnbauförderungsmittel ein erster Ansatz wäre, um vorhandenes Geld gezielter für den Bau einzusetzen.

Auch die Lehrlingsausbildung unter Druck

Neben der Baukonjunktur thematisierte man bei der Pressekonferenz die zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen für die Lehrlingsausbildung. Angesichts steigender Ausbildungskosten und gekürzter Förderungen würden sich immer mehr Betriebe schwertun, Lehrlinge aufzunehmen. Der WKÖ-Bundesspartenobmann forderte deshalb eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten, eine bessere Berufsorientierung sowie flexiblere Ausbildungsmodelle. Insbesondere die Kürzung der betrieblichen Basisförderung um 25 Prozent kritisierte er scharf.