Georg F. Hesselbach, der große Visionär und Menschengewinner, hat uns und damit seine geschäftliche Heimat, die Welt des Glases, am 1. Juli 2026 für immer verlassen. Mit ihm ist nunmehr der letzte der großen deutschen Isolierglas-Pioniere verstorben – Georg F. Hesselbach, der Protagonist und der Wegbereiter der modernen Glasbeschichtungs-Technologie. Mit dem beschichteten Fensterglas „iplus“ ist er bereits zu Lebzeiten dauerhaft in die Geschichte des Glases eingegangen. In Anerkennung dieser strategischen Innovationsleistung wurde ihm im September 2003 das deutsche Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Als sein unmittelbarer Wegbegleiter in den Jahren 1975 bis 2005 möchte ich einige der wichtigsten Meilensteine besonders würdigen.

Die wichtigsten Meilensteine von Georg F. Hesselbach

Als Seiteneinsteiger begann er 1971 auf der grünen Wiese von Lauenförde mit der Isolierglasfertigung, ein Marktsegment, das die beiden Glaskonzerne Flachglas AG und Saint Gobain mit ihrer zentralen Industriefertigung dominierten. Georg F. Hesselbach wählte von Anbeginn und unerschrocken den Weg der dezentralen Produktion und der direkten Belieferung der Kunden des Glashandels, den Fensterbauern und Glasern. Markt- und Kundennähe war das Gebot der Stunde. 

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Es verwunderte nicht, dass Interpane bei dieser offensichtlich gegen die Glasindustrie gerichteten Produktions- und Vertriebspolitik als Eindringling und unangenehmer Wettbewerber wahrgenommen wurde – aber nicht nur. Georg Hesselbach gelang es in kürzester Zeit, dass die gleiche Glasindustrie in dem expansiven Rivalen Interpane aber auch einen hochinteressanten Großkunden für das dem Isolierglas zugrundeliegende Basisglas, dem Floatglas, sah. 

Georg F. Hesselbach begann auffallend frühzeitig, ein Feeling für aufkommende Trends zu entwickeln. Die Ölkrise 1973, die die Glas- und Fensterbranche und damit den Absatz von energiesparendem Isolierglas enorm beflügelte, inspirierte Georg F. Hesselbach zu ersten Überlegungen, ein wärmetechnisch weiter verbessertes Isolierglas herzustellen. Das Hightech-Produkt „beschichtetes Isolierglas“ trat im Frühjahr 1979 seinen Siegeszug an und ist unter dem Markennamen „iplus“ nach wie vor Trendsetter. 

Beizeiten war der rationelle inner- und außerbetriebliche Transport von Flachglas, ein Thema, das den Gründer von Interpane faszinierte. Konsequent gründeten 1976 Georg F. Hesselbach und Siegfried Glaser das lokale Gestell- und Fahrzeugumbau-Unternehmen Hegla, das heute weltweit als anerkannter Spezialhersteller für Sondermaschinen erfolgreich agiert. 
Horizontale Diversifikation und Internationalisierung waren in den 1980er Jahren die Zugkräfte für Prosperität und Expansion der Interpane-Gruppe. 1986 erfolgte mit der Umwandlung in die Interpane Glas Industrie AG die strategische Weichenstellung für den zügigen Ausbau der Auslandsmärkte. 
Georg F. Hesselbach verfügte über die besondere Gabe, Menschen zu gewinnen und sie für seine Ideen zu begeistern wie beispielhaft Prof. Gläser im Bereich der Interpane Beschichtungstechnologie und Siegfried Glaser bei Hegla. Sie griffen Hesselbachs Visionen beherzt auf und nutzten den erforderlichen und eingeräumten Freiraum, sein Gedankengut anzureichern und mit großem Erfolg in die Tat umzusetzen. Dieser persönliche und engagierte Einsatz seiner engsten Führungskräfte und Mitarbeiter hat ganz wesentlich zu dem phantastischen Unternehmenserfolg des Unternehmens beigetragen. 

Die Krönung der persönlichen Ambitionen und unternehmerischen Aktivitäten von Georg F. Hesselbach war 2001 der Einstieg in die Floatglasherstellung, die lange Zeit den internationalen Glaskonzernen vorbehalten war. Die schon früh von Georg F. Hesselbach angestrebte vertikale Diversifikation, von der Glaserzeugung bis hin zur architektonisch-anspruchsvollen Form der Glasveredelung im Fassadenbau, war nunmehr gelungen.  

Mit größter Dankbarkeit schaue ich auf mehr als 30 Jahre erfolgreiche und freundschaftlich verbundene Zusammenarbeit zurück. Voller Respekt für die Lebensleistung von Georg F. Hesselbach verneige ich mich in Demut und nehme in voller Trauer Abschied von einer der ganz großen Unternehmerpersönlichkeiten im Metier Flachglas.  

Sind wir Interpaner nicht nur traurig, seien wir stolz und dankbar!

Autor Bernd Kramer trat 1975 als Mitgeschäftsführer bei Interpane ein und war von 1993 bis 2005 Vorstandsvorsitzender der Interpane Glas Industrie AG.
(bt)