Farbe ist weit mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks. Sie kann Räume gliedern, Proportionen verändern, Orientierung schaffen und Stimmungen beeinflussen. Wie prägt Farbe also Räume, Architektur und Wahrnehmung? Das Online-Training „Farbrausch“ der Jung Akademie spannt den Bogen von historischen Farblehren über das Bauhaus bis zu Le Corbusiers Polychromie Architecturale.Einen Schwerpunkt bildet die Entwicklung von Farbtheorien und systematischen Farbordnungen. Mit historischen Ansätzen von Demokrit bis zu Isaac Newton, Johann Wolfgang von Goethe und Philipp Otto Runge zeichnet das Training nach, wie sich das Verständnis von Farbe verändert hat. Johannes Itten, Wassily Kandinsky und Paul Klee untersuchten am Bauhaus Beziehungen, Kontraste und Wirkungen von Farben und prägten damit die moderne Farbenlehre. Heute ermöglichen Systeme wie RAL, NCS, Munsell oder Pantone, Farbtöne eindeutig zu benennen, vergleichbar zu machen und reproduzierbar einzusetzen. Das Training ordnet diese unterschiedlichen Ansätze ein und vermittelt damit Grundlagen für einen bewussteren Umgang mit Farbe.

Goethe Institut Kuala Lumpur
Goethe Institut Kuala Lumpur © Kit Cheng

Anhand prägnanter Architekturbeispiele zeigt das Training, wie unterschiedlich Farbe wirken und als Entwurfsinstrument eingesetzt werden kann: Sie folgt Geometrien, hebt einzelne Bauteile hervor, schafft Kontraste oder verbindet Materialien und Flächen zu einem räumlichen Gesamtkonzept. Frank Lloyd Wrights Fallingwater veranschaulicht einen differenzierten Umgang mit Farbe in der Architektur der Moderne. Die Meisterhäuser in Dessau zeigen, dass sich hinter der vermeintlich weißen Moderne überraschend intensive Farbkonzepte verbergen. Für einen expressiven zeitgenössischen Einsatz steht die Markthal von MVRDV in Rotterdam, deren farbintensiver Innenraum wesentlich zur Identität und Raumwirkung des Gebäudes beiträgt.

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Goethe Institut Kuala Lumpur
Goethe Institut Kuala Lumpur © Kit Cheng

Farbe in der gebauten Praxis

Wie unterschiedlich sich Farbe als Teil eines architektonischen Gesamtkonzepts einsetzen lässt, zeigen drei JUNG Referenzprojekte in Kuala Lumpur, Vilnius und der Lüneburger Südheide. Dabei reicht das Spektrum von bewusst gesetzten Farbkontrasten über eine konsequent monochrome Gestaltung bis zu differenzierten, auf Materialien und Raumstimmungen abgestimmten Farbwelten.

Wohnung in Vilnius
Wohnung in Vilnius © Lina Adinavičienė

Im Goethe-Institut Kuala Lumpur entwickelte das malaysische Büro Stoked Associates eine Innenarchitektur, die den Ort als Sprachinstitut und kulturellen Treffpunkt gleichermaßen interpretiert. Empfang, Veranstaltungsbereiche, Studierlounge, Unterrichtsräume und Büros erhalten durch unterschiedliche Farben jeweils einen eigenen Charakter. Die Elektroinstallation wird konsequent in dieses Konzept einbezogen: LS 990 sowie KNX Tastsensoren F 50 in Les Couleurs Le Corbusier spielen je nach Bereich mit Kontrasten, Komplementärwirkungen oder ruhigen Kombinationen. So unterstützen die Bedienelemente die jeweilige Raumstimmung und werden selbst Teil der farblichen Gestaltung.

Wohnung in Vilnius
Wohnung in Vilnius © Lina Adinavičienė

Beim Strazdelio Street Apartment in Vilnius kehrt sich die übliche Gestaltungsreihenfolge gewissermaßen um: Für die Innenarchitektinnen von Migle & Milda stand der Schalter am Anfang der Farbplanung. Ausgangspunkt war LS 990 in 32090 rouge vermillon 31 aus der Les Couleurs Le Corbusier Farbauswahl. Wände, Decke und Einbaumöbel des Flurs greifen exakt diesen Rotton auf und entwickeln ihn zu einer monochromen Raumkomposition weiter. Der Schalter setzt hier keinen Akzent, sondern gibt die Farbe für den gesamten Raum vor. Damit wird aus einem Element der Elektroinstallation der Ausgangspunkt für das Interior Design.

Landhaus Averbeck
Landhaus Averbeck

Im Landhaus Averbeck in Bergen in der Lüneburger Südheide ist Farbe Teil eines vielschichtigen Zusammenspiels von historischer Bausubstanz, neuen Holzbauten, natürlichen Materialien und individuell gestalteten Innenräumen. Das über Jahrhunderte gewachsene Hofensemble wurde unter anderem durch Carsten Iseken von Iseken Architektur im Jahr 2018 mit Family Cabins ergänzt; die jüngste Innenraumgestaltung der Gästezimmer im Bauernhaus stammt von Désirée Smith. Unterschiedliche Ocker-, Orange-, Terracotta- und Rosétöne sowie Blau- und Graunuancen geben den Zimmern und Aufenthaltsbereichen jeweils eine eigene Atmosphäre. Schalter und Steckdosen aus dem Programm LS 990 in acht Farbtönen von Les Couleurs Le Corbusier greifen die jeweilige Farbwelt auf. Sie verbinden sich Ton in Ton mit Wandflächen, Möbeln und Materialien. Die Elektroinstallation wird so zum selbstverständlichen Bestandteil der Innenarchitektur.

Landhaus Averbeck
Landhaus Averbeck © Landhaus Averbeck GmbH & Co. KG / Timo Jaworr

Die Beispiele aus Kuala Lumpur, Vilnius und Bergen machen die Bandbreite architektonischer Farbgestaltung sichtbar: Farbe prägt Atmosphäre und Raumwirkung, schafft Kontraste oder verbindet Oberflächen, Materialien und Details zu einem stimmigen Ganzen. Das Online-Training „Farbrausch – Farbe als Element der Architektur“ vertieft diese unterschiedlichen Perspektiven und vermittelt Grundlagen für den bewussten Einsatz von Farbe in Architektur und Gestaltung.

Wissen kompakt und digital vermittelt

Das Online-Training umfasst 15 Kapitel zu Farbgeschichte, Farbtheorien und Farbenlehren, Farbpsychologie sowie zu Les Couleurs Le Corbusier. Interaktive Wissenschecks ergänzen die Inhalte und übertragen theoretische Zusammenhänge in die Gestaltungspraxis. Durch das Training führen Nicole Heptner, Architektin und Expertin für Architekturkommunikation und Marketing, sowie Jana Bogatsch, Wirtschaftspsychologin und Referentin der Jung Akademie im Marketing. „Farbrausch“ zeigt, wie differenziert Farbe in Architektur eingesetzt werden kann – und wie aus einem bewusst gewählten Farbton ein integraler Bestandteil des Entwurfs wird. Das Training steht online über die Jung Akademie zur Verfügung. Für die Teilnahme ist ein myJUNG-Account erforderlich, der kostenfrei und unkompliziert selbst erstellt werden kann.

Jung Akademie

Les Couleurs Le Corbusier: Farbe als Teil der Architektur
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Polychromie Architecturale von Le Corbusier. Für den Architekten war Farbe kein dekorativer Zusatz, sondern ein eigenständiges architektonisches Mittel. Mit seinen Farbklaviaturen von 1931 und 1959 entwickelte er ein System aus insgesamt 63 Farbtönen, deren Auswahl und Kombination gezielt auf die räumliche Wirkung ausgerichtet ist. Grundlage sind vor allem Farben der Natur, die Le Corbusier so auswählte, dass sie sich harmonisch miteinander kombinieren lassen. Dabei schrieb er den einzelnen Farbgruppen konkrete räumliche Wirkungen zu: Blau- und Grüntöne können Flächen optisch zurücktreten lassen und Weite erzeugen, während Rot-, Ocker- und Brauntöne Wände stärker im Raum verankern und ihre Präsenz betonen. Grau- und Umbratöne wiederum können Bauteile und Flächen in den Hintergrund rücken. Mit den sogenannten Farbklaviaturen ordnete Le Corbusier die Töne zu unterschiedlichen harmonischen Farbstimmungen und schuf damit ein Werkzeug für die architektonische Farbgestaltung.
 
Genau hier setzt auch die Verbindung zu JUNG an: Der Hersteller bietet Schalter und Steckdosen in den 63 Originalfarben von Les Couleurs Le Corbusier® an. Zudem ist er Teil eines Netzwerks lizenzierter Hersteller unterschiedlicher Produktbereiche. Da alle Partner nach denselben verbindlichen Farbstandards fertigen, lassen sich die Produkte dieser Hersteller farblich aufeinander abstimmen und zu durchgängigen Gestaltungskonzepten verbinden. Bei Jungsind die 63 Farbtöne Les Couleurs Le Corbusier für die Produkte aus der LS Serie erhältlich.