Die aktuelle Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria zeigt bei den heimischen Glashandwerksbetrieben nach wie vor eine angespannte Situation. Im ersten Quartal 2026 gingen die Auftragseingänge der Branche gegenüber dem Vorjahresquartal nominell um 2,9 Prozent zurück. Damit entwickelte sich das Glashandwerk schlechter als das Gewerbe und Handwerk insgesamt, das ein Minus von 2,1 Prozent verzeichnete. Besonders deutlich wird die Schwäche bei der realen Entwicklung: Da die Verkaufspreise im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 4,7 Prozent angehoben wurden, errechnet sich bei den Auftragseingängen ein mengenmäßiger Rückgang von 7,3 Prozent. Nur 12 Prozent der Betriebe meldeten steigende Auftragseingänge, während 53 Prozent Rückgänge registrierten. 

Geschäftslage bleibt angespannt

Auch die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage fällt weiterhin verhalten aus. Im zweiten Quartal bezeichneten lediglich ein Prozent der Glaserbetriebe ihre Geschäftslage als gut. 77 Prozent bewerteten sie als saisonüblich, 22 Prozent als schlecht. Damit liegt der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen bei minus 21 Prozentpunkten. Gegenüber dem Vorquartal hat sich die Stimmung allerdings verbessert: Im ersten Quartal lag der Saldo noch bei minus 37 Prozentpunkten. Der Aufwärtstrend ist somit erkennbar, bewegt sich aber weiterhin auf niedrigem Niveau. 

Interessanter präsentiert sich der Auftragsbestand. Er sicherte den Betrieben im zweiten Quartal durchschnittlich eine Vollauslastung von 6,8 Wochen. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht das einem kräftigen Plus von 31,7 Prozent. Allerdings verteilt sich dieser Bestand sehr unterschiedlich: 65 Prozent der Betriebe verfügten über Aufträge für lediglich ein bis vier Wochen, 6 Prozent für fünf bis neun Wochen. Immerhin 24 Prozent kamen auf zehn bis 19 Wochen und 2 Prozent auf 20 Wochen oder mehr; 3 Prozent hatten überhaupt keinen Auftragsbestand. 

Der überwiegende Teil der Aufträge kommt dabei aus dem privaten und gewerblichen Bereich: 87 Prozent des Gesamtauftragsbestands entfielen auf diese Auftraggebergruppe. Öffentliche Bauprojekte, die über Generalunternehmer oder Bauträger abgewickelt werden, machten 7 Prozent aus, weitere 6 Prozent entfielen auf Direktvergaben durch Bund, Länder und Gemeinden. 

Hoffnung auf Belebung

Trotz der schwierigen Ausgangslage blicken die Glasbetriebe deutlich optimistischer auf das dritte Quartal. 32 Prozent erwarten steigende Auftragseingänge gegenüber dem dritten Quartal 2025, 49 Prozent rechnen mit einer unveränderten Entwicklung und nur 19 Prozent mit Rückgängen. Daraus ergibt sich ein positiver Saldo von plus 13 Prozentpunkten. Im Vorquartal hatte dieser noch bei minus 2 Prozentpunkten gelegen. Auch gegenüber dem Vorjahr hat sich die Erwartung leicht verbessert. 

Dabei bestehen allerdings deutliche Unterschiede nach Auftraggebern. Bei privaten und gewerblichen Kunden erwarten 32 Prozent steigende und lediglich 11 Prozent sinkende Auftragseingänge. Bei öffentlichen Auftraggebern rechnen dagegen nur 2 Prozent mit einer Steigerung, während 19 Prozent Rückgänge erwarten. 

Auch bei den Kapazitäten zeigt sich Spielraum: 60 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge übernehmen, weitere 30 Prozent innerhalb von drei Monaten. Gleichzeitig ist der Anteil der sofort verfügbaren Kapazitäten gegenüber dem Vorjahr von 69 auf 60 Prozent gesunken – ein Hinweis darauf, dass der gestiegene Auftragsbestand zumindest teilweise bereits für eine bessere Auslastung sorgt. 

Beim Personal bleiben die Betriebe vorsichtig. Für Juli bis September planen 93 Prozent, ihren Beschäftigtenstand konstant zu halten. 4 Prozent wollen Mitarbeiter einstellen, 3 Prozent planen einen Abbau. Insgesamt ergibt sich daraus ein erwartetes Beschäftigungsplus von lediglich 0,4 Prozent, deutlich weniger als im Vergleichsquartal des Vorjahres (+2,1 Prozent). 

Der Druck hält an

Fazit: Das Glashandwerk ist noch nicht aus der konjunkturellen Talsohle heraus. Die schwachen Auftragseingänge zu Jahresbeginn und die weiterhin überwiegend negative Beurteilung der Geschäftslage zeigen, dass der Druck anhält. Gleichzeitig gibt der um fast ein Drittel gestiegene Auftragsbestand Anlass zur Hoffnung. Vor allem die deutlich verbesserten Auftragserwartungen für das dritte Quartal könnten auf eine beginnende Stabilisierung hindeuten. Im Vergleich zum gesamten Gewerbe und Handwerk, dessen Erwartungen weiterhin mit einem Saldo von minus 11 Prozentpunkten pessimistisch ausfallen, sind die Glaserbetriebe sogar ausgesprochen zuversichtlich.

Quelle: KMU Forschung Austria, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk Österreich, 2. Quartal 2026 sowie Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk – Glaser, 2. Quartal 2026, Juli 2026.