„Die Unsicherheiten sind groß, die Betriebe fahren auf Sicht“, brachte Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die allgemeine Lage beim jüngsten Pressegespräch der Bundessparte in Wien auf den Punkt. Für die Malerbranche zeichnen die branchenspezifischen Feindaten der KMU Forschung Austria jedoch ein etwas freundlicheres Bild als für viele andere Gewerke: Der Trend zeigt nach oben.
2025: Nominell im Minus, real deutlich darunter
Das Gesamtjahr 2025 war auch für die Maler-, Lackierer- und Schilderherstellerbetriebe herausfordernd. Im Branchendurchschnitt sank der nominelle Umsatz um 2,7 Prozent – zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt legte nominell um 3,8 Prozent zu. Preisbereinigt ergibt sich ein reales Minus von 5,8 Prozent, das über dem Gesamtschnitt des Gewerbes und Handwerks liegt (–3,3 Prozent).
Dabei ist die Verteilung innerhalb der Branche bemerkenswert gespalten: 50 Prozent der Betriebe meldeten Umsatzsteigerungen, im Schnitt um 8,8 Prozent. Dem gegenüber standen 30 Prozent der Betriebe mit Rückgängen von durchschnittlich 14,3 Prozent – das Ausmaß der Verluste überwog also das der Gewinne. 20 Prozent der Betriebe blieben auf Vorjahresniveau.
Auf der Preisseite konnten die Betriebe ihre Verkaufspreise 2025 um 3,3 Prozent anheben – knapp unter der allgemeinen Inflationsrate von 3,6 Prozent. Kein einziger Betrieb musste die Preise senken, was auf eine gewisse Preissetzungsstärke der Branche hindeutet.
Investitionen: Volumen bricht ein
Ein deutliches Warnsignal sendet die Investitionsentwicklung. 2025 tätigten nur noch 34 Prozent der Betriebe Investitionen. Das investierte Volumen sank im Branchendurchschnitt auf rund 1.300 Euro je Beschäftigten – ein Rückgang von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2.400 Euro). Besonders stark brachen die baulichen Investitionen ein, von 1.100 auf 200 Euro je Beschäftigten. Der Großteil der verbleibenden Investitionen entfiel mit 76 Prozent auf Ersatz, 20 Prozent waren Erweiterungsinvestitionen und vier Prozent Rationalisierungsinvestitionen.
Für 2026 planen 45 Prozent der Betriebe wieder Investitionen, 26 Prozent davon in höherem Ausmaß als im Vorjahr. Das ist ein deutlicheres Aufwärtssignal als in vielen anderen Branchen.
Herausforderungen: Steuern vor Materialkosten
Bei den Belastungen für 2026 steht die Abgabenlast an erster Stelle: 53 Prozent der Betriebe nennen Steuern und Abgaben als größte Herausforderung. Dahinter folgen Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien (46 Prozent), Fachkräftemangel (41 Prozent) sowie Arbeitskosten und Preiskonkurrenz (je 38 Prozent). Auffällig: Die schwache Kundennachfrage, die bei anderen Gewerken stark belastet, ist mit 24 Prozent bei den Malern vergleichsweise wenig präsent – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrageseite hier weniger das Problem ist als die Kostenseite.
Stimmung dreht ins Plus
Das erste Quartal 2026 bringt eine spürbare Aufhellung. Das Stimmungsbarometer verbesserte sich gegenüber dem Vorquartal deutlich: Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage sank von 28 auf 16 Prozent, während 18 Prozent die Lage als gut beurteilten – unverändert gegenüber dem Vorquartal. 66 Prozent bewerteten die Situation als saisonüblich. Per Saldo überwiegen die positiven Einschätzungen nun um zwei Prozentpunkte.

Auftragsbestand: Kräftiges Plus von 10,1 Prozent
Das stärkste Signal kommt vom Auftragsbestand. Im ersten Quartal 2026 stieg er im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um 10,1 Prozent – der zweite Zuwachs in Folge und der stärkste Anstieg unter den investitionsgüternahen Branchen. Im Branchendurchschnitt sichert der Auftragsbestand eine Vollauslastung von 9,2 Wochen.
33 Prozent der Betriebe verfügen über einen Auftragsvorlauf von zehn bis 19 Wochen, sechs Prozent sogar über 20 und mehr Wochen. Nur drei Prozent hatten keinen Auftragsbestand. 73 Prozent der Aufträge kamen aus dem privaten und gewerblichen Bereich, 19 Prozent entfielen auf öffentliche Bauprojekte über Generalunternehmer oder Bauträger, acht Prozent auf Direktvergaben der öffentlichen Hand.

39 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge annehmen – etwas weniger als im Vorjahr (47 Prozent), was auf eine bessere Auslastung hindeutet. Weitere 25 Prozent wären in drei Monaten verfügbar, 25 Prozent in sechs Monaten. Der Rückgang der sofort verfügbaren Kapazitäten ist ein positives Zeichen: Die Betriebe sind besser ausgelastet als noch ein Jahr zuvor.
Pessimismus nimmt ab
Für das zweite Quartal 2026 überwiegen zwar noch die pessimistischen Einschätzungen, aber der Saldo verbesserte sich deutlich: von minus 13 Prozentpunkten im ersten Quartal auf minus drei Prozentpunkte. 79 Prozent der Betriebe erwarten keine Veränderung, nur zwölf Prozent rechnen mit Rückgängen – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum (22 Prozent). Bei privaten und gewerblichen Auftraggeber*innen erwarten sogar 23 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge, nur sieben Prozent sinkende.
Ein besonders auffälliges Signal kommt von der Personalplanung: 45 Prozent der Betriebe planen für das zweite Quartal eine Aufstockung des Personals – mehr als im Vorjahr (40 Prozent). Der durchschnittlich geplante Beschäftigtenzuwachs liegt bei 13,9 Prozent, nahezu auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (14,0 Prozent). Für eine Branche, die noch mit realem Umsatzminus kämpft, ist das ein bemerkenswert zuversichtliches Signal.
Bodenleger: Druck bleibt hoch
Für die Bodenleger – ebenfalls Teil der Color-Lesergemeinde – zeichnen die aktuellen Konjunkturdaten ein deutlich schwierigeres Bild. Der nominelle Umsatz sank 2025 um 5,6 Prozent, preisbereinigt sogar um 7,1 Prozent. Die Verkaufspreise stiegen mit 1,7 Prozent weit unter der Inflationsrate – ein Zeichen, dass die Preisdurchsetzung in diesem Gewerbe schwieriger ist als bei den Malern.
Im ersten Quartal 2026 verschlechterte sich die Stimmung weiter: 34 Prozent der Betriebe beurteilten ihre Lage als schlecht, nur acht Prozent als gut – ein Negativsaldo von 26 Prozentpunkten. Der Auftragsbestand sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10,5 Prozent und sichert im Schnitt noch 7,3 Wochen Vollauslastung. 55 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge annehmen, die Nachfrage bleibt aber aus.

Besonders belastend: 75 Prozent der Betriebe nennen Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien als größte Herausforderung für 2026 – der höchste Wert unter allen hier betrachteten Branchen. Nur 24 Prozent planen im laufenden Jahr Investitionen. Für das zweite Quartal 2026 überwiegen die pessimistischen Erwartungen mit einem Saldo von minus 29 Prozentpunkten deutlich. Ein kleines positives Signal: Kein einziger Betrieb plant einen Personalabbau, 34 Prozent wollen sogar aufstocken.
Quellen: KMU Forschung Austria, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk – Maler, Lackierer und Schilderhersteller sowie Bodenleger, Gesamtjahr 2025 und 1. Quartal 2026, April 2026. Auftraggeber: Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte und Landessparten Gewerbe und Handwerk.