Der Markt für Plattenwerkstoffe ist einer, der sich äußerst dynamisch entwickelt. Christoph Kührer, er verantwortet bei Holzfachhändler J. u. A. Frischeis (JAF) dieses Segment als internationaler Produktmanager, beobachtet die Prozesse seit über zwanzig Jahren. Im Interview mit dem Tischler Journal spricht er über die aktuelle Marktlage, über Materialtrends, den Stellenwert von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft und darüber, was Tischlereien in Zukunft verarbeiten werden.

„Statt kurzlebiger Trends stehen langlebige Materialien und harmonische Materialkonzepte im Mittelpunkt“, sagt Christoph Kührer. Er verantwortet seit mehr als zwanzig Jahren das internationale Produktmanagement Platte sowie das Category Management „Wohnen mit Holz“ bei J. u. A. Frischeis (JAF). © JAF

Tischler Journal: Wie stellt sich die aktuelle Marktlage für Tischlereien dar?

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An der Eschersheimer Landstraße 60–62 in Frankfurt wurde die Fassade eines elfgeschossigen Bürogebäudes im laufenden Betrieb saniert. Zum Einsatz kam dabei ein projektspezifisch zugeschnittener Sanierungsflügel.

Christoph Kührer: Die Situation bleibt herausfordernd. Zwar sehen wir erste Anzeichen einer Stabilisierung, von einer breiten Markterholung kann aber noch keine Rede sein. Vor allem im Neubau und bei größeren Innenausbauprojekten herrscht Zurückhaltung. Vergleichsweise stabil entwickeln sich Renovierungen, Sanierungen und hochwertige Innenausstattungen. Tischlereien mit hoher Spezialisierung, regionaler Verankerung und individuellen Lösungen kommen derzeit am besten durch diese Marktphase. Die Auftragsbücher liegen vielerorts noch unter dem Niveau der Boomjahre, die Zahl der Anfragen steigt jedoch wieder leicht.

Welche Bereiche entwickeln sich derzeit besonders positiv?

Vor allem hochwertige dekorative Plattenwerkstoffe für Möbel- und Innenausbau sind gefragt. Im Objektgeschäft sehen wir gute Entwicklungen in Bildung, Gesundheit, Hotellerie und Bürogestaltung. Dort rücken neben Design auch Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Pflegeleichtigkeit stärker in den Fokus. Im Ladenbau bleibt die Entwicklung uneinheitlich, Chancen entstehen jedoch bei Showrooms und Markenwelten. Stark nachgefragt werden dekorbeschichtete Platten, ultramatte Anti-Fingerprint-Oberflächen sowie nachhaltige Werkstoffe mit zertifizierter Herkunft.

Und wie entwickeln sich die Trends? Welche Dekore und Oberflächen prägen aktuell den Markt?

Der Trend geht klar zu Natürlichkeit und zeitlosen Materialien. Eiche bleibt die wichtigste Holzart, gleichzeitig gewinnen Nussbaum und helle Holzoptiken an Bedeutung. Im Farbbereich lösen warme Erd- und Naturtöne wie Beige, Kaschmir oder Terrakotta zunehmend die lange dominierenden Graunuancen ab. Bei den Oberflächen sind ultramatte Ausführungen mit Anti-Fingerprint-Technologie sowie authentische Holz- und Steinstrukturen besonders gefragt. Statt kurzlebiger Trends stehen langlebige Materialien und harmonische Materialkonzepte im Mittelpunkt.

Gewinnen neben Holz auch andere Materialoptiken an Bedeutung?

Ja. Holzdekore entwickeln sich kontinuierlich weiter und wirken heute äußerst authentisch. Parallel dazu beobachten wir eine steigende Nachfrage nach hochwertigen Uni-Farben und Steinoptiken. Insgesamt wird das Spektrum breiter, natürliche Anmutungen bleiben jedoch tonangebend.

Ihrer Ansicht nach: Welche Innovationen werden die Branche nachhaltig verändern?

Die spannendsten Entwicklungen verbinden Design, Funktion und Nachhaltigkeit. Moderne Oberflächen bieten zusätzliche Eigenschaften wie Kratzfestigkeit, antibakterielle Wirkung oder besonders einfache Reinigung. Gleichzeitig investieren Hersteller in ressourcenschonende Produktionsverfahren, höhere Recyclinganteile und alternative Rohstoffe. Große Bedeutung gewinnt außerdem die Digitalisierung. Materialdaten, digitale Planung sowie die Anbindung an CAD- und CAM-Systeme erleichtern Planung und Fertigung erheblich. Auch leichte, zugleich stabile Trägerplatten eröffnen neue Möglichkeiten im Möbel- und Objektbau.

Wie wichtig sind Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft inzwischen?

Sie sind zu zentralen Auswahlkriterien geworden. Holz sollte möglichst lange im Kreislauf gehalten werden, um seinen Beitrag als Kohlenstoffspeicher optimal zu nutzen. Recyclinganteile gehören heute bei vielen Plattenwerkstoffen zum Standard. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach zertifizierten Produkten kontinuierlich – sowohl aufgrund gesetzlicher Vorgaben als auch wegen des gestiegenen Umweltbewusstseins von Planern, Verarbeitern und Bauherren.

Welche Auswirkungen haben digitale Produktpässe und neue EU-Vorgaben?

Herkunftsnachweise, Materialtransparenz und digitale Dokumentation werden künftig selbstverständlich sein. Das erhöht die Anforderungen an Hersteller, Handel und Verarbeiter, verbessert aber gleichzeitig die Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Entscheidend wird sein, die neuen Vorgaben praxisnah umzusetzen.

Wie hat sich die Versorgungssituation bei Plattenwerkstoffen entwickelt?

Nach den Belastungen während der Pandemie hat sie sich deutlich entspannt. Die meisten Produkte sind wieder gut verfügbar und die Lieferzeiten planbar. Gleichzeitig haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie wichtig belastbare Lieferketten sowie leistungsfähige Lager- und Logistikstrukturen sind.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Worauf sollten Tischlereien in den kommenden Jahren besonders achten?

Die Zukunft gehört Betrieben, die handwerkliche Qualität mit digitalen Prozessen verbinden. Digitalisierung und Automatisierung werden das Handwerk nicht ersetzen, aber effizienter machen und helfen, Fachkräfte gezielter einzusetzen. Gleichzeitig gewinnen Nachhaltigkeit, transparente Lieferketten und eine enge Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette weiter an Bedeutung. Wer diese Entwicklungen früh aufgreift und offen für neue Technologien bleibt, wird langfristig wettbewerbsfähig sein. www.frischeis.at ■

Moderne Lagerlogistik sorgt für hohe Verfügbarkeit und kurze Lieferzeiten bei Plattenwerkstoffen. © Wolfgang Simlinger