Die Erweiterung von Bestandsgebäuden gewinnt im gewerblichen Bau zunehmend an Bedeutung. Statt neue Flächen zu versiegeln, setzen Bauherren verstärkt auf die Nachverdichtung bestehender Strukturen. Ein Projekt in Euskirchen verdeutlicht, wie durch den Rückbau eines Dachgeschosses und dessen Neuerrichtung zusätzliche Nutzflächen geschaffen und gleichzeitig bauliche Defizite behoben werden können.

Das viergeschossige Gebäude aus den 1980er-Jahren wurde ursprünglich als Verwaltungsstandort genutzt, später jedoch nur noch teilweise vermietet. Das Dachgeschoss blieb über rund drei Jahrzehnte ungenutzt. Im Zuge der Expansion eines Mieters sollte diese Fläche künftig integriert werden. „Wir haben die alten Büros gemeinsam begutachtet“, sagt Marcel Schnietz, Geschäftsführer beim Interpares-Mobau-Zentrallager Rheinland in Euskirchen. Der Zustand habe eine einfache Sanierung nicht zugelassen, so Schnietz weiter.

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Aufstockung in Holzrahmenbauweise

Die bestehende Dachkonstruktion entsprach weder funktionalen noch bauphysikalischen Anforderungen und wurde vollständig zurückgebaut. Die neue Etage entstand in Holzrahmenbauweise. Ausschlaggebend dafür waren laut Projektbeteiligten das geringe Eigengewicht sowie Vorteile bei der Umsetzung im Bestand. Zudem ermöglichte der hohe Vorfertigungsgrad eine kurze Bauzeit bei vergleichsweise geringer Lärmbelastung für die weiterhin genutzten unteren Geschosse.

Die vorgefertigten Holztafelelemente wurden im Werk produziert und just-in-time auf die Baustelle geliefert. Ein projektspezifisches Markierungssystem erleichterte die Montage. Während der gesamten Bauzeit blieb der Betrieb im Gebäude aufrechterhalten.

Materialwahl und Bauphysik

Für den Innenausbau kamen Gipsfaserplatten zum Einsatz, die laut Herstellerangaben aus recycelten Papierfasern, Gips und Wasser bestehen und ohne Leimzusätze hergestellt werden. Sie gelten als emissionsarm und erfüllen Anforderungen an den Brandschutz bis zur Klassifizierung F120. Zudem können sie im Holzbau sowohl tragend als auch aussteifend eingesetzt werden.

Auch bei der Fassadengestaltung standen brandschutztechnische Anforderungen im Fokus. Aufgrund der Gebäudeklasse fünf wurden nicht brennbare Materialien eingesetzt. Die Wahl fiel auf eine hinterlüftete Fassade mit Faserzementtafeln. „Wir haben verschiedene Baumaterialien geprüft und uns letztlich für diese Lösung entschieden“, sagt Schnietz. Die Tafeln gelten laut Anbieter als witterungsbeständig und wartungsarm.

Eigenständige Architektur

Gestalterisch hebt sich das neue Dachgeschoss bewusst vom Bestandsgebäude ab, greift jedoch dessen Fassadenrhythmus auf. Die klare Formensprache und die Materialwahl verleihen dem Gebäude ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, ohne die bestehende Struktur zu dominieren.

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie durch gezielte Eingriffe in bestehende Bausubstanz zusätzliche Nutzflächen geschaffen und gleichzeitig energetische sowie funktionale Anforderungen erfüllt werden können.