„Ein Auslaufen oder Stoppen der Förderung wäre ein klares Bremssignal für die Wärmewende. Haushalte, Fachhandwerk, Planer*innen und Industrie brauchen Verlässlichkeit, wenn der Umstieg von Öl und Gas auf erneuerbare Heizsysteme weiter gelingen soll.“ Thomas Mader, Geschäftsführer von Stiebel Eltron Österreich, wartet wie die gesamte Heizungsbranche gespannt darauf, wie es heuer mit den Förderungen für den Heizungstausch weitergeht.

360 Millionen pro Jahr

Die Regierung hat im Rahmen ihrer Sanierungsoffensive bis zum Jahr 2030 den Betrag von 1,8 Milliarden Euro für den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen und die thermische Gebäudesanierung reserviert. Das macht 360 Millionen pro Jahr. Das ist, angesichts der angespannten Budgetlage, die durchaus gute Nachricht. Die schlechte: Der Topf für das laufende Jahr ist bald leer. Experten rechnen damit, dass spätestens Ende Juni das Geld verbraucht ist.

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Viele Vertreterinnen und Vertreter der Heizungsbranche fordern nun eine Aufstockung des Fördertopfes, um einen erneuten abrupten Einbruch im Heizungsgeschäft wie im Vorjahr zu verhindern. Es gibt aber auch andere Stimmen, die Förderungen generell kritisch sehen – und die ständigen Diskussionen über sie für ausgesprochen kontraproduktiv halten. 

Geldhahn weiter aufdrehen

Helmut Matschnig, Geschäftsführer von KWB Energiesysteme, gehört zu der Gruppe, die dafür plädiert, dass der Geldhahn weiter aufgedreht wird. „Gerade in einer wirtschaftlich angespannten Phase muss es ein zentrales Anliegen der Politik sein, private Investitionen anzustoßen. Der Kesseltausch und der Sanierungsbonus sind dafür wirksame Instrumente“, sagt er. Seine Befürchtung: „Wenn diese Anreize Mitte des Jahres auslaufen, führt das nicht zu einer Belebung, sondern zu einem weiteren Abwarten.“

Viele Menschen, so Matschnig weiter, „werden Investitionen verschieben, weil sie davon ausgehen, dass es im nächsten Jahr wieder Förderungen geben wird.“ Das Geld bleibe dann auf den Sparkonten, statt in der heimischen Wirtschaft wirksam zu werden. Der KWB-Chef fordert nun rasch Klarheit: „Kurzfristig eine ausreichende Dotierung des Fördertopfes und mittelfristig transparente Bedingungen für die Sanierungsoffensive ab 2027.“ Wer Investitionen in erneuerbare Heizsysteme fördern wolle, müsse Förderbrüche vermeiden.

Seite Montaten im Gespräch

Man stehe seit Monaten in Verbindung mit den diversen Verbänden, dem Landwirtschaftsministerium und den Förderstellen, berichtet Anton Hofer, Produktmanager bei Hargassner. „Dabei geht es um die Frage, was man beim Auslaufen der Heizungstauschförderung machen kann und ob das Budget entsprechend aufgestockt wird. Die Förderstelle arbeitet ebenfalls daran. Trotz kleinerer Erfolge reicht das aber nicht“, so Hofer weiter. „Für uns ist wichtig, dass man Mitte des Jahres eine entsprechende Aufstockung der Heizungstauschförderung schafft, damit es keinen Abriss gibt.“

Ein Aufstocken des Fördertopfes von 360 auf 500 Millionen Euro würde sich auch Richard Freimüller, Präsident des Branchenverbands Wärmepumpe Austria, wünschen. Er macht sich hier allerdings aufgrund der knappen Kassen keine gesteigerten Hoffnungen. „Momentan schaut es nicht danach aus. Die einzige Möglichkeit wäre eine Umschichtung im Umwelt- beziehungsweise Landwirtschaftsministerium“, so Freimüller. „Aber ich glaube nicht, dass dort Geld zugunsten des Klimas umgeschichtet wird – eher in Richtung Landwirtschaft.“

Klarheit schaffen

Freimüller fordert, dass nun rasch Klarheit geschaffen werde, „was nächstes Jahr passiert“.  Damit meint er vor allem die Aufteilung zwischen dem Heizungstausch und der thermischen Sanierung. Heuer sind bis zum überraschenden Stopp der Förderungen für die thermische Sanierung geschätzte 150 Millionen in diese geflossen. Wärmepumpen Austria-Präsident würde es begrüßen, wenn bereits im Herbst Förderansuchen gestellt werden können – für Geld, das dann Anfang 2027 fließt.

Zudem kann er sich ein degressives Fördersystem vorstellen. „Mittlerweile ist klar, dass das Geld bei der jetzigen Förderhöhe nicht ausreicht. Wir brauchen nicht 30.000 getauschte Heizungen pro Jahr, um das Klimaziel zu erreichen, sondern 60.000“, meint er. Wenn man 7.500 Euro pro Anlage zahle wie heuer, könne man beim vorhandenen Budget diese Zahl nie erreichen. „Ich halte ein degressives Modell daher für sinnvoll: zum Beispiel heuer oder nächstes Jahr noch 6.000 Euro pro Anlage, später dann 5.000.“

Weniger ist mehr

Weniger ist mehr – in diese Richtung geht auch die Aussage von Helmut Weinwurm, Österreich-Chef von Bosch: „Anstatt kurzfristig hohe Summen bereitzustellen, die schnell erschöpft sind, sollte die Politik für eine verlässliche und über das ganze Jahr verfügbare Unterstützung sorgen“, sagt er. „Ständige Änderungen bei den Förderbedingungen verunsichern die Endkunden und führen zu starken Marktschwankungen, wie der Einbruch des Wärmepumpenmarktes um 22 Prozent im Jahr 2025 nach einem Förderstopp zeigte. Eine moderate, aber kontinuierliche Förderung wäre sinnvoller.“

Christian Hofer, Geschäftsführer von Hoval Österreich, kann sich sogar noch weniger vorstellen: „Uns ist bewusst, dass diese Sichtweise aktuell nicht überall Mehrheitsmeinung ist. Dennoch sind wir überzeugt, dass ein klarer, langfristig kommunizierter Rahmen – selbst wenn dieser geringere oder keine Förderungen vorsieht – für den Markt besser wäre als ein ständiges ‚On-Off‘ bei Förderprogrammen“, sagt er auf die Gefahr hin, auf Widerspruch zu stoßen. Nachsatz: „Und wenn budgetäre Mittel begrenzt sind, sollte dies offen und ehrlich kommuniziert werden.“

Langfristige Strategie

Gleichzeitig braucht es aus seiner Sicht eine langfristige Strategie für den Umstieg auf erneuerbare Energien – etwa durch klare gesetzliche Zielpfade, planbare Übergangsfristen oder steuerliche Lenkungsmaßnahmen. Hofer: „Entscheidend ist, dass Menschen und Unternehmen rechtzeitig wissen, worauf sie sich einstellen müssen.“

Ganz ähnlich sieht das Roland Kerschbaum, Österreich-Vertriebsleiter von Panasonic. Seine Antwort auf die Frage, was die Branche jetzt braucht: „Vor allem Klarheit und Stabilität.“ Die „permanenten Diskussionen“, so Kerschbaum weiter, „richten enormen Schaden an. Sobald jemand öffentlich sagt, die Förderung könnte erhöht oder verlängert werden, beginnen die Leute zu warten.“ Dadurch verschiebe sich die Nachfrage künstlich nach hinten.

Förderungen kein Allheilmittel

Der Panasonic-Manager hält Förderungen nicht für ein Allheilmittel: „Die Wärmepumpe ist auch ohne Förderung die wirtschaftlich klügste Heizung, die man derzeit kaufen kann“, sagt er. „Wenn jemand heute einen alten Ölkessel gegen eine Wärmepumpe tauscht, dann reden wir – bei aktuellen Energiepreisen – teilweise über einen Return on Investment von rund 20 Prozent.“ Das bedeute: „Nach fünf oder sechs Jahren hat sich die Investition allein über die eingesparten Betriebskosten amortisiert. So etwas bietet heute kein Sparbuch. Das ist das beste Argument.“

Austria Email-Chef Martin Hagleitner, rät ebenfalls, sich nicht allein auf das Thema Förderungen zu konzentrieren. Er fordert vielmehr ein „umfassendes Reformpaket“ mit folgenden Bestandteilen: klare Ausstiegsvorgaben mit verbindlichen Übergangsfristen, Änderungen und Reformen im Miet- und Wohnrecht, eine Entschlackung bei Standards und Normen und steuerlichen Anreize. Bei den Förderungen würde er selektiver vorgehen und sie auf Haushalte „mit fehlenden Einkommens- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie auf ältere Anlagen“ beschränken.

Messbarer Beitrag

Hagleitner: „Mit diesem budgetschonenden Maßnahmen-Mix könnte die Regierung einen notwendigen und messbaren Beitrag zum leistbaren Wohnen, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Konjunkturbelebung sowie zum Schutz von Lebensraum und Klima ermöglichen.“

Stiebel Eltron Österreich Geschäftsführer Thomas Mader.
Stiebel Eltron Österreich Geschäftsführer Thomas Mader: Klares Bremssignal für die Wärmewende. © Ulrich Beuttenmueller
KWB-Geschäftsführer Helmut Matschnig.
KWB-Geschäftsführer Helmut Matschnig: weiteres Abwarten droht. © KWB
Hargassner-Produktmanager Anton Hofer: Nachfrage nach Systemlösungen.
Hargassner-Produktmanager Anton Hofer: Seit Montaten in Verbindung. © Hargassner GmbH
Bosch Österreich-Chef Helmut Weinwurm: Rechnet mit Umsatzplus in 2026.
Bosch Österreich-Chef Helmut Weinwurm: Weniger ist mehr – gilt auch für Förderungen. © Bosch/APA Fotoservice/Krsztian Juhasz
Christian Hofer, Geschäftsführer Hoval Österreich.
Christian Hofer, Geschäftsführer Hoval Österreich: offen und ehrlich kommunizieren. © Hoval
Martin Hagleitner. Copyright: Austria Email - APA-Fotoservice Martin Hörmandinger
Austria Email-CEO Martin Hagleitner: Reformpaket statt nur auf Förderungen konzentrieren. © Martin Hagleitner. Copyright: Austria Email – APA-Fotoservice Martin Hörmandinger