Elmar Hagmann über das laufende Geschäft:

Unterm Strich haben wir in den letzten zwei Jahren rund 20 Prozent weniger Umsatz gemacht. Das ist kein Einzelfall, sondern ein klares Branchensignal. Gleichzeitig halten wir unsere Kapazitäten stabil und bauen kein Personal ab – das hat natürlich direkte Auswirkungen auf das Ergebnis.

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Enormer Preisdruck am Bau

Über den Preiskampf, der derzeit am Bau herrscht:

Der Preisdruck ist aktuell enorm. Teilweise werden Angebote abgegeben, die aus unserer Sicht wirtschaftlich kaum darstellbar sind. Wir gehen diesen Weg bewusst nicht mit. Unser Ziel ist es, Projekte solide und nachhaltig abzuwickeln – auch wenn das bedeutet, nicht jeden Auftrag zu gewinnen.

Wie er mit der aktuellen Marktlage umgeht:

Wir setzen klar auf Sanierung – rund zwei Drittel unseres Geschäfts kommen aus diesem Bereich. Im Neubau sind wir selektiv und häufig auch selbst als Entwickler tätig. Das gibt uns mehr Kontrolle und reduziert Abhängigkeiten.

Sedlak saniert derzeit Wiener Gründerzeithaus nach Kreislauf-Prinzipien. Hagmann sieht bei der Nachhaltigkeit am Bau aber noch viel Luft nach oben:

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, wird in der Breite aber noch zu wenig gelebt. Es gibt gute Ansätze, aber oft scheitert es an der Wirtschaftlichkeit. Solange nachhaltige Lösungen deutlich teurer sind, bleibt ihre Umsetzung begrenzt.

Welche Pläne er für die kommenden Jahre für das Unternehmen hat – und welche Bedeutung die KI dabei hat, oder auch nicht:

Wir wollen wachsen – aber kontrolliert. Der Hebel liegt für uns klar in besseren Prozessen. Digitalisierung und KI sind dabei Werkzeuge, keine Selbstzwecke. Wir setzen dort an, wo ein konkreter Nutzen entsteht, etwa bei der automatisierten Dokumentation von Bauabläufen.

Sein Urteil zum Stand der Digitalisierung am Bau:

Die Bauwirtschaft verändert sich langsamer als andere Branchen. Viele Themen werden groß diskutiert, aber nur schrittweise umgesetzt. Das war bei BIM so und ist bei KI ähnlich. Der Durchbruch wird kommen – aber nicht über Nacht.

Welche Potenziale er beim Thema „Effizienzsteigerung“ sieht:

Wir sehen durchaus 15 bis 20 Prozent Effizienzpotenzial – vor allem, wenn Prozesse konsequenter durchgedacht würden. Aktuell führen Schnittstellen und Unterbrechungen immer wieder zu unnötigem Mehraufwand.

Warum das so ist:

Die starke Trennung der Gewerke und Haftungsfragen führen dazu, dass jeder in seinem Bereich bleibt. Das schafft Sicherheit, aber auch Ineffizienz. Integrierte Ansätze entlang der Wertschöpfungskette zeigen, dass es anders gehen kann – sind aber nicht überall einfach umzusetzen.

Wo er ebenfalls Verbesserungspotenzial am Bau sieht:

Beim Thema Qualität fehlt oft ein gemeinsames Verständnis. Viel wird über Verträge geregelt, weniger im laufenden Prozess gesteuert. Probleme werden dadurch oft zu spät sichtbar.

Was sich aus seiner Sicht ändern müsste:

Ein Großteil der Energie fließt heute in Absicherung, Abstimmung und Nachforderungen. Das macht Projekte nicht besser, sondern vor allem komplexer. Mehr Zusammenarbeit, klarere Verantwortlichkeiten und ein stärkerer Fokus auf Qualität im Prozess würden hier einen echten Unterschied machen.