Herr Moser, was erwarten Sie sich heuer vom Geschäft?
Hans-Peter Moser: Ein brüllendes Jahr wird es sicher nicht. Ich rechne eher mit einer Seitwärtsbewegung. Es gibt erste Signale, die Hoffnung machen, aber der Markt befindet sich nach wie vor in einer echten Vertrauenskrise. Viele Menschen haben zwar wieder etwas höhere Realeinkommen, sind aber nicht bereit, diese in Konsum oder Investitionen umzusetzen. Besonders stark spüren wir das im Neubau. Leistbares Wohnen ist ein Dauerbrenner, vor allem in Ballungszentren wie Wien, Linz oder Salzburg. Für junge Familien ist es extrem schwierig geworden, Eigentum zu schaffen oder auch nur eine leistbare Mietwohnung zu finden.
Erste positive Signale
Sie haben erste positive Signale angesprochen. Welche sind das?
Die vergebenen Hypothekarkredite sind 2025 deutlich gestiegen, auf rund 17 Milliarden Euro. Diese Kredite werden irgendwann auch in Investitionen münden. Außerdem glaube ich, dass die neue Förderlogik der Bundesregierung, weg von fossilen Energieträgern und hin zu erneuerbaren Lösungen, Wirkung zeigen wird. Das wird sich wahrscheinlich erst im zweiten Halbjahr bemerkbar machen. Im Moment sehen wir vor allerdings allem eines: Es werden sehr viele Angebote geschrieben, aber sie werden nicht beauftragt. Die Kunden zögern, holen mehrere Vergleichsangebote ein und warten ab. Irgendwann wird dieser Schalter wieder umgelegt, aber noch ist das Vertrauen nicht vollständig zurück.
Wie groß ist der Einfluss der internationalen Krisen?
Jede internationale Krise wie der Krieg im Iran wirkt sich sofort auf das Verhalten der Kunden aus. Sobald neue Spannungen entstehen oder Energiepreise steigen, werden Entscheidungen verschoben. Dazu kommt, dass wir in den letzten Jahren sehr starke Preissprünge hatten. Wenn wir jetzt wieder in eine Situation kommen, in der die Hersteller die Preise vorsorglich erhöhen, obwohl die Kosten noch gar nicht entsprechend gestiegen sind, dann schadet das uns allen. Wir hatten zuletzt eine Phase, in der das Preisniveau für den Endkunden wieder halbwegs verkraftbar geworden ist. Wenn wir das jetzt wieder verspielen, riskieren wir, dass der Markt erneut einbricht.
Spüren Sie trotzdem bereits eine Belebung in einzelnen Bereichen?
Ja, vor allem im Sanierungsbereich. Dort sehen wir steigende Frequenzen in unseren Ausstellungen. Es gibt einen gewissen Sanierungsstau, der sich langsam auflöst. Das ist kein Boom, aber eine spürbare Verbesserung. Im Neubau dagegen bleibt die Situation schwierig. Kleine Projekte wie Einfamilienhäuser oder Reihenhäuser fehlen vielerorts komplett. Größere Anlagen funktionieren, aber die Stückzahlen sind natürlich viel geringer.
Wie beurteilen Sie das Marktumfeld insgesamt für die nächsten Jahre?
Wir befinden uns weiterhin in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld, vor allem im Bau- und Baunebengewerbe. Die Dynamik fehlt, und jedes externe Ereignis kann die Stimmung sofort wieder drehen. Trotzdem bin ich nicht pessimistisch. Der Bedarf an Wohnraum, an Sanierung und an moderner Gebäudetechnik ist da. Entscheidend wird sein, dass wir das Vertrauen zurückgewinnen. Wenn die Menschen wieder das Gefühl haben, dass sie planen können und dass die Preise stabil bleiben, dann wird auch wieder investiert. Bis dahin müssen wir flexibel bleiben, investieren und uns selbst ein Stück weit die Konjunktur schaffen.
Ist Ihnen das im vergangenen Jahr gelungen?
Wir haben uns 2025 besser entwickelt als erwartet. Wir sind leicht über der Inflation gewachsen, und wir haben unsere Position in fast allen Regionen halten oder leicht ausbauen können. Das hat viel mit unserem konsequent umgesetzten Investitionsprogramm der letzten Jahre zu tun.
Was ist Ihre Überlegung hinter diesem Investitionsprogramm? Es ist ja durchaus antizyklisch.
Unsere Strategie ist einfach: näher zum Markt, näher zum Kunden und stärker in der Region. Ein wichtiger Schritt war die Stärkung unserer regionalen Standorte, etwa durch neue Niederlassungen und den Ausbau bestehender Häuser. Ein zweiter Schwerpunkt war die Logistik. Wir haben zusätzliche Lagerkapazitäten geschaffen und unsere Verteilung so organisiert, dass wir schneller beim Kunden sind. Dazu kommen Investitionen in Nachhaltigkeit, etwa durch den Einsatz emissionsarmer Fahrzeuge, und der Ausbau unserer Abholmärkte. Insgesamt geht es darum, die Leistungsfähigkeit in der Fläche zu erhöhen und unseren Kunden eine sehr hohe Warenverfügbarkeit zu bieten.
Wie weit ist Ihr Ausbauprogramm inzwischen abgeschlossen?
Wir sind sehr weit fortgeschritten, einzelne Projekte werden noch umgesetzt, etwa neue Standorte und Erweiterungen bestehender Niederlassungen. Aktuell haben wir ein sehr dichtes Netz mit 40 Abex-Abholmärkten und 16 Elements Badausstellungen. Bei den Abexen finden laufend Evaluierungen zu neuen möglichen Standorten statt.
Wo sehen Sie die GC-Gruppe in Österreich bis zum Jahr 2030?
Unser Ziel ist nicht einfach nur Größe. Entscheidend sind Profitabilität und Stabilität. Nur wenn ein Unternehmen wirtschaftlich stark ist, kann es investieren und Arbeitsplätze sichern. Wir wollen ein Partner auf Augenhöhe für Industrie und Handwerk sein. In unserem Markt funktioniert das nur im Zusammenspiel aller Beteiligten. Deshalb setzen wir stark auf langfristige Beziehungen, auf exklusive Sortimente und auf Leistungen, die unseren Kunden Planungssicherheit geben. Wenn ein Installateur weiß, dass er ein Produkt nur bei uns bekommt und dass der Preis stabil bleibt, dann kann er damit kalkulieren und sich vom Wettbewerb abheben. Dabei spielen engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine ganz entscheidende Rolle. Hier setzten wir auf einen ganz zentralen Faktor.
Welchen?
Stabilität. Wir versuchen, Stabilität zu bieten, klare Strukturen und verlässliche Ansprechpartner. Gerade in schwierigen Zeiten suchen viele Menschen Orientierung und Sicherheit. Wenn wir das bieten können, ist das ein Vorteil. Gleichzeitig investieren wir bewusst in unsere Unternehmenskultur, weil wir überzeugt sind, dass Motivation und Zusammenhalt ein entscheidender Erfolgsfaktor sind.