„Nur mit ausreichenden Fachkräften bleibt die Branche langfristig funktionsfähig. Die Nachwuchsgewinnung ist sicherlich eine der größten Herausforderungen.“ Bundesinnungsmeister Anton Berger sprach kürzlich in der Gebäude Installation ein heißes Thema an, das ihn sehr beschäftigt: den Fachkräftemangel.
Das Personal fehlt
Und Berger ist nicht allein. Das verdeutlichten kürzlich erneut eine Panel-Diskussion beim Systemhersteller Viega am Attersee. Das Fehlen von geeignetem Personal bereitet dem Einen oder Anderen in der Branche durchaus Muffensausen. Es gefährdet auf Dauer die Geschäftsgrundlage der Installationsbranche – und es hat noch eine weitere Konsequenz: Die angestrebte Dekarbonisierung des Gebäudesektors bis 2040 ist angesichts des Mangels an Fachkräften, die die dafür notwendigen Arbeiten erledigen können, nicht realistisch.

Dazu hat das Wiener Marktforschungsunternehmen Branchenradar Marktanalyse bereits vor zwei Jahren eine umfassende Studie erstellt und diese Zahlen nun aktualisiert. „Das Ziel ist nicht zu schaffen“, meint Branchenradar-Geschäftsführer Andreas Kreutzer. Beim Heizungstausch schaut es zwar besser aus als bei anderen Gewerken wie der thermischen Sanierung vom Dach und der Fassade, aber das Jahr 2040 hält Kreutzer für unrealistisch. Dabei spielt der Austausch fossiler Heizsysteme gegen erneuerbare Alternativen wie Wärmepumpen, Biomasseheizungen oder andere klimafreundliche Technologien eine große Rolle bei der Wärmewende.
2050 statt 2046
Die ursprünglichen Berechnungen von Branchenradar gingen noch davon aus, dass die vollständige Dekarbonisierung des Heizungsbestands etwa im Jahr 2046 erreicht werden könnte. Diese Prognose haben Kreutzer und sein Team inzwischen nach hinten korrigiert. „Heute gehen wir davon aus, dass sich die vollständige Dekarbonisierung des Heizungsbestands eher in Richtung 2050 verschieben dürfte“, sagt Kreutzer. Die wesentlichen Gründe: die mangelnde Investitionsbereitschaft der Haushalte und die mangelnde Verfügbarkeit der Fachkräfte bei den Installateurbetrieben.
Gewaltige Aufgabe
Dabei ist die Aufgabe gewaltig. Nach den aktuellen Berechnungen müssen bis 2040 rund 34 Prozent aller Heizungen in Österreich ausgetauscht werden, damit die Klimaziele erreicht werden können. Dabei stellt die Finanzierung eine der beiden großen Hürden dar. Kreutzer kritisiert hier – so wie viele andere Expert*innen – die Förderpolitik der vergangenen Jahre. „Die Förderungen waren sehr sprunghaft. In manchen Jahren wurden außergewöhnlich hohe Zuschüsse gewährt, danach wurden sie wieder stark reduziert. Das schafft Unsicherheit“, erklärt er. „Das ist wie Doping. Die Menschen warten nun ab, wie es bei den Förderungen weitergeht.“
Andere Förderungen
Statt hoher Einmalförderungen plädiert Kreutzer für ein anderes Modell. Er spricht sich für Betriebsförderungen aus, die über mehrere Jahre hinweg wirken. Bei Wärmepumpen könnte beispielsweise der Stromverbrauch über einen längeren Zeitraum unterstützt werden. Für Biomasseheizungen wären Zuschüsse zu den laufenden Brennstoffkosten denkbar. Dadurch würde die Förderung tatsächlich beim Endkunden ankommen und nicht in anderen Teilen der Wertschöpfungskette versickern“, argumentiert Kreutzer.
Hohe Preise als Ergebnis
Seine Kritik richtet sich gegen Effekte, die er bei früheren Förderprogrammen identifiziert hat. „Die außergewöhnlich hohen Investitionsförderungen in den Jahren 2022 und 2023 hätten einen Nachfrageboom ausgelöst. Im Zuge dessen sind die Installationskosten massive gestiegen“, sagt Kreutzer. „Ein Teil der öffentlichen Fördergelder ist letztlich nicht bei den Haushalten angekommen, sondern hat sich in höheren Margen bei den Installationsbetrieben niedergeschlagen.“ Das zeige auch ein internationaler Preisvergleich, den Branchenradar 2024 durchgeführt hat. Kreutzer: „Der installierte Gesamtpreis für Wärmepumpen lag in Deutschland und Österreich deutlich über jenem in Frankreich – obwohl die Herstellerpreise für die Geräte gleich hoch waren.“

Noch schwerer als Förderpolitik und hohe Preise wiegt aus Sicht des Marktforschers jedoch der Fachkräftemangel. Er bezeichnet ihn als das möglicherweise größte Hindernis auf dem Weg zur Heizungswende. „Selbst wenn ausreichend Geld für Investitionen vorhanden wäre, fehlen die Menschen, die die Anlagen einbauen können“, sagt Kreutzer.
Nachwuchs fehlt
Die Zahlen verdeutlichen die Dimension des Problems. Im Bereich Gebäude- und Installationstechnik machen derzeit rund 700 bis 1000 Lehrlinge pro Jahr ihren Abschluss. Gleichzeitig erreichen zahlreiche Beschäftigte der Babyboomer-Generation das Pensionsalter. Schon heute reiche der Nachwuchs kaum aus, um die altersbedingten Abgänge zu kompensieren.
Kreutzer verweist auf einen Vergleich mit anderen Ausbildungsbereichen: „Allein im Studienfach Psychologie gibt es etwa 2.900 Abschlüsse pro Jahr. Das zeigt die Schieflage unseres Ausbildungssystems“, meint er. „Wir haben immer mehr Menschen, die die Energiewende fordern – und immer weniger, die in der Lage sind, sie umzusetzen.“
Keine schnelle Lösung
Eine schnelle Lösung sieht der Marktforscher nicht. Zwar könne Zuwanderung einen Beitrag leisten, doch auch hier hätten sich die Rahmenbedingungen verändert. „Österreich kann daher nicht mehr daraufsetzen, den Fachkräftemangel allein durch Zuwanderung zu lösen“, sagt Kreutzer. „Viele osteuropäische Länder haben ihre wirtschaftliche Situation verbessert und benötigten qualifizierte Arbeitskräfte zunehmend selbst.“
Kreutzers Fazit fällt nüchtern aus: „Die Ziele sind grundsätzlich erreichbar, aber nicht bis 2040“, sagt er. „Ohne stabile Fördermodelle, eine höhere Investitionsbereitschaft der Haushalte und vor allem deutlich mehr Fachkräfte wird die Transformation des Heizungsbestands deutlich länger dauern als politisch geplant.“