„Die neuen Regelungen treffen die Falschen.“ Der Wiener Steuerberater Edin Salihodzic kritisiert die Novelle des Sozialbetrugsbekämpfungsgesetzes, die mit 1. Jänner in Kraft getreten ist: Strengere Haftungsregeln, zusätzliche Abzüge und mehr Kontrollen sollen Lohn- und Sozialdumping am Bau eindämmen. Doch viele in der Branche fürchten, dass die Maßnahmen die Falschen treffen – und nicht unbedingt jene, die systematisch betrügen. „Die Novelle bedeutet vor allem eines: mehr Bürokratie“, meint ein oberösterreichischer Baumeister.

Was sagt das Baugewerbe?

Die Bauzeitung behandelt das Thema ausführlich in ihrer aktuellen Brennpunkt-Story ab Seite 14. Sie wollte aber auch wissen, wie die Betriebe des Baugewerbes die Bemühungen des Gesetzgebers beim Kampf gegen den Sozialbetrug sehen und widmete dem Thema ihre aktuelle Leser*innen-Umfrage.

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„Die Kontrollen gegen Sozialbetrug wurden verschärft. Wie hoch ist der Aufwand, den Ihnen diese Regelungen machen?“, lautete die erste Frage. Die Antworten zeigen eine halbwegs entspannte Sicht der Dinge. Nur rund ein Viertel der Befragten bewertet den Aufwand auf der 5-stufigen Skala mit einer 1 für sehr hoch (8 Prozent) oder 2 für hoch (19 Prozent). Die übrigen Antworten entfallen auf den Wert 3 (38 Prozent) oder sogar nur auf 4 (12 Prozent) oder 5 für „nicht so tragisch“ (23 Prozent).

Oft die Falschen

Durchaus kritischer fallen die Antworten auf Frage zwei aus. Sie lautet: „Kritiker sagen, dass die verschärften Kontrollen die Falschen treffen. Wie sehr stimmen Sie dem zu?“ 54 Prozent der Befragten – jeweils 27 Prozent – stimmen dem ganz oder weitgehend zu. 19 Prozent sind unentschieden. Und eine Minderheit von 27 Prozent hält die Maßnahmen für ziemlich oder völlig treffsicher.

Glasklar sind die Antworten auf Fragen drei. „Wie wichtig ist der Kampf gegen Sozialbetrug am Bau?“, wollte die Bauzeitung wissen. Das unmissverständliche Ergebnis: 96 Prozent der Befragten entscheiden sich für „sehr wichtig, wir brauchen Fairness am Bau“.

Die Maßnahmen der Regierung werden also recht differenziert gesehen. Man könnte es so zusammenfassen: Der Kampf gegen den Sozialbetrug ist wichtig, der Aufwand nicht übermäßig hoch, die Kontrollen treffen allerdings zu einem beträchtlichen Teil die Falschen.

Kontrollen mal drei

Dementsprechend fallen auch Aussagen auf die Fragen aus, welche Maßnahmen die Politik setzen sollte, um den Sozialbetrug am Bau wirksam zu unterbinden. „Bei den Überprüfungen gezielter auf die namenlosen Baustellen ansetzen“, lautet eine Antwort. „Ausschluss von öffentlichen Aufträgen“, eine andere. „Die zuständigen Behörden massiv aufstocken und Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle“, meint ein weiterer Befragter.

Es gibt aber auch Unternehmen, die sehr wenig von diesen Kontrollen halten. Ein Betrieb berichtet von „exakt 14 Kontrollen“ seit Jänner 2026, was im Durchschnitt zu einer Stehzeit von gut einer Stunde pro Mitarbeiter und Kontrolle geführt habe. Die meisten der Kontrollen hätten kleine Privatbaustellen betroffen, auf denen im Schnitt zwei bis drei Mitarbeiter von der Finanzpolizei kontrolliert worden seien. „Dem nicht genug gab und gibt es laufend Kontrollen der BUAK und des Arbeitsinspektorats“, so dieser Befragte weiter. Sein deutliches Urteil: „Für uns sind die derzeitigen Maßnahmen der Politik völlig falsch und treffen zum größten Teil ‚die Falschen‘, dies demotiviert enorm! Wir brauchen keine Maßnahmen seitens der Politik mehr, sondern sofortige Strukturreformen auf allen Ebenen.“

Ein anderer Teilnehmer drückt es so aus: „Wir haben größere Probleme. Der Staat sollte hier den Ressourcen-Einsatz so gering wie möglich halten.“