Andreas Kropik hat zum Thema KI am Bau eine klare Meinung: „Wer nicht schon gestern begonnen hat, sich mit KI zu beschäftigen, hat übermorgen verloren.“ Der Unternehmensberater und langjährige Professor für Bauwirtschaft und Baumanagement an die TU Wien beschäftigt sich seit rund einem Jahr intensiv mit Künstlicher Intelligenz. Er nutzt sie selbst und ist überzeugt davon, dass auch das Baugewerbe massiv von ihr profitieren kann: „Für Bauunternehmen lautet die Frage nicht mehr, ob sie sich mit KI beschäftigen sollen, sondern wie sie die Technologie sinnvoll in ihre Abläufe integrieren.“
Luft nach oben
Bislang gibt es da durchaus Luft nach oben. Die Betriebe nutzen die Möglichkeiten der KI aus Sicht von Kropik noch nicht allzu intensiv. Auf einer Skala von Eins für „gar nicht“ bis Zehn für „mehr geht nicht“ gibt er dem heimischen Baugewerbe eine Drei. Kropik: „Viele Unternehmen haben hier noch Berührungsängste.“
Um den Baumeistern diese Berührungsängste zu nehmen, hat er für die Bundesinnung Bau den Praxisleitfaden „Künstliche Intelligenz im Bauunternehmen“ erstellt. Er enthält jede Menge nützliche Ratschläge für den Einsatz der Technologie und ist kostenlos verfügbar unter: https://www.wko.at/oe/gewerbe-handwerk/bau/know-how-am-bau-folder-9.pdf.
Viel Zeit sparen
Vor allem in der Administration und bei der Bauleitung kann man mit der KI aus Sicht von Kropik schon heute massiv Zeit sparen. „Bestimmte Tätigkeiten lassen sich mit der KI mit einem Zehntel oder einem Zwanzigstel der Zeit erledigen“, so Kropik. Er schätzt, „dass Baubetriebe in der Verwaltung durch KI bis zu einem Drittel ihrer Personalkosten senken können“.
Der ehemalige TU-Professor, der weiterhin als Unternehmensberater tätig ist, bietet seinen Kunden diverse GPTs an, die KI mit Fachwissen zu Baukalkulation, Bauvertrag, Vergabe und Nachtragsmanagement verbinden. Öffentlich zugängliche Anwendungen unterstützen bei der fachbuchübergreifenden Recherche und bei einer ersten Vertragsprüfung (siehe: https://kropik.univ-prof-kropik.chatgpt.site/info/27-ki-in-der-baupraxis).

„Die KI kann bereits heute im Büro- und Baustellenalltag Aufgaben übernehmen, bei denen formuliert, zusammengefasst, strukturiert, verglichen, analysiert oder dokumentiert werden muss“, erläutert Kropik. Der größte Nutzen liege dabei weniger in spektakulären Einzellösungen als in vielen kleinen Zeitgewinnen: Texte entstehen schneller, umfangreiche Unterlagen lassen sich rascher erfassen und wiederkehrende Arbeiten können effizienter vorbereitet werden. Das ist auch die zentrale Botschaft des Leitfadens. Autor Kropik sieht KI dabei ausdrücklich als hilfreiches Tool und nicht als Ersatz für Fachwissen: „Fachliche Beurteilung, Plausibilitätsprüfung und Verantwortung bleiben beim Menschen.“
Pragmatischer Weg
Für den Einstieg empfiehlt Kropik in seinem Leitfaden einen pragmatischen Weg. Statt ein großes Digitalisierungsprojekt aufzusetzen, können Unternehmen mit einem gängigen KI-System und überschaubaren Aufgaben beginnen. Welches Modell verwendet wird, sei weniger entscheidend als die Frage, ob es zur Arbeitsweise, zum Datenschutzbedarf und zu den betrieblichen Abläufen passt. Besonders kleine und mittlere Bauunternehmen können nach Meinung von Kropik profitieren, weil ihr Alltag vielfach von Textarbeit, Unterlagenprüfung, Abstimmungen und Entscheidungsvorbereitung geprägt ist. Verträge, Leistungsverzeichnisse, Gutachten oder technische Beschreibungen können zusammengefasst, offene Punkte und Risiken herausgearbeitet sowie Besprechungsnotizen, Aktenvermerke und Protokollentwürfe vorbereitet werden.
Voraussetzung dafür ist allerdings eine gewisse KI-Kompetenz. Kropik: „Es reicht nicht, ein Abo für eine KI zu kaufen und dann zu glauben: Jetzt mach mal.“ Ein Prompt an ChatGPT oder Claude sei mehr als eine bloße Suchanfrage, sondern sollte als klarer Arbeitsauftrag verstanden werden. „Die KI benötigt Informationen darüber, was sie tun soll, in welchem Zusammenhang die Aufgabe steht, für wen das Ergebnis bestimmt ist und in welcher Form es benötigt wird“, sagt Kropik.
Eindeutiger Kontext
Perfekte Formulierungen sind dabei weniger wichtig als ein eindeutiger Kontext. Bei komplexeren technischen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Fragen empfiehlt Kropik zudem, umfangreiche Aufgaben in mehrere Schritte zu zerlegen und Ergebnisse mit Folgefragen zu präzisieren. „Auch große Dokumente sollten besser abschnittsweise als mit einem einzigen umfassenden Auftrag analysiert werden.“
Wie groß der Unterschied zwischen einer oberflächlichen und einer sorgfältig gesteuerten Abfrage sein kann, zeigt der Leitfaden anhand der österreichischen K-Blätter nach ÖNORM B 2061. Eine allgemein gehaltene Frage in Verbindung mit einer sehr schnellen Antwort führte zu einem sachlich falschen Ergebnis. Ein präziserer Auftrag mit ausdrücklicher Aufforderung zur Überprüfung und längerer Bearbeitungszeit lieferte hingegen eine korrekte Antwort. „Mehr Rechen- und Denkdauer allein ist zwar keine Garantie für Richtigkeit, doch ein präziser Auftrag, geeigneter Kontext und die Aufforderung zum Gegencheck können die Qualität deutlich verbessern. Entscheidend bleibt die fachliche Kontrolle durch die Anwender*innen“, betont Kropik.
Kontrolle ist gut
Die KI könne Besprechungstermine koordinieren, Unterlagen vorbereiten, offene Punkte aus früheren Protokollen berücksichtigen oder Produktpreise bei Lieferanten einholen und vergleichen. Denkbar sei auch die Vorbereitung eines CO₂-Reportings durch Zusammenführung von Mengen, Baustoffen, Transportinformationen und Emissionsfaktoren. „Je größer jedoch die wirtschaftlichen, rechtlichen oder fachlichen Folgen sind, desto wichtiger werden geprüfte Daten, definierte Freigaben und menschliche Kontrolle“ meint Kropik. Er relativiert aber zugleich einen möglichen Einwand von KI-Skeptikern in diese Richtung: „Die Arbeit von Mitarbeiter*innen muss ich ebenfalls kontrollieren.“ Kropik ist überzeugt davon, dass an der KI auch am Bau kein Weg vorbeiführt – und die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist: „Technologische Innovationen überholen uns immer wieder. Genauso wird es bei künstlicher Intelligenz sein. Man muss sich nur anschauen, welche Summen die Tech-Konzerne derzeit in diese Technologie investieren“, meint er. Sein Fazit: „Jetzt noch abzuwarten, ist ein